Das waren die Nuller: 2001
New York ist wieder cool
21.11.2009, 17:00, Text:
Martin Büsser, Foto: Elisabeth Moch
Es begann mit den Strokes und ging gerade so weiter, Schlag auf Schlag - fast jede Woche des Jahrzehnts kam ein neuer Hype aus New York, wo Newcomer von der Lower East Side bis Williamsburg den steigenden Mieten und der weltweit radikalsten Gentrifizierung zum Trotz zeigten, dass die Stadt endlich wieder der "coolest place on earth" ist. "
Fast jeder in Williamsburg ist Musiker oder Künstler", erzählten die Liars, "tagsüber tragen sie Pizza aus, nachts stehen sie auf der Bühne. Es ist wie ein Magnet, sie kommen aus ganz Amerika, aus der ganzen Welt."
Ein seltsamer Zufall - wenn es denn einer war - wollte, dass der neue Pop-Underground genau in dem Jahr explodierte, in dem New York aus ganz anderen Gründen in die Schlagzeilen geriet. Und noch seltsamer war der Zufall, dass das offizielle Release-Datum des Moldy-Peaches-Debüts auf den 11. September 2001 fiel. "New York City Is Like A Graveyard" hieß ein Song auf dieser Platte. Ein prophetischer Titel. Die Moldy Peaches sollten ihn künftig nie wieder live spielen. Aus Angst vor Missverständnissen.
Der Journalist Mike Evans, Autor des Buches "New York City Rock", sieht sogar einen Zusammenhang zwischen den Terroranschlägen vom 11. September und dem neu erstarkten Underground: New York war plötzlich wieder im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit, eine neue Welle der Solidarität schweißte die Menschen vor Ort zusammen. Das Ergebnis war: Musik als trotziger Ausdruck von Freiheit und nicht um der Karriere willen. Manche machten zwar Karriere, doch viel wichtiger waren und sind all die "kleinen" Acts mit ihrem Drang nach radikaler Selbstbestimmung.
Fotostrecke:Das waren die Nuller
Von Black Dice mit ihrem betörenden Electroschrott-Noise über Fischerspooner mit ihrem Neo-Disco-Glam, von radikal unglamourösen Anti-Folk-Helden wie Jeffrey Lewis bis zu dem neotribalistischen Sound von Animal Collective und Gang Gang Dance war und ist im Big Apple wieder alles möglich. Keine stilistischen Grenzen mehr, aber auch kein verkrampfter Crossover. Keine andere Stadt hat seit 2001 bewiesen, dass Avantgarde durchaus sexy sein kann.
Der große Intro-Jahrzehntrückblick: www.intro.de/spezial/dienuller
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Intro 26.11.2009 | 14:14:00
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