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Das waren die Nuller

Hip und Hop zwischen 00 und 10

21.11.2009, 19:00, Text: Thomas Venker
[3 Kommentare]

Wenn zwischen 2000 und 2010 in diesem Genre, das die 90er so aufregend-lebendig geprägt hat mit einem nicht enden wollenden Fluss an Maßstäbe setzenden Platten (im Kontrast zum sozialen Regress mit dem Strom des Blutvergießens), eines auffällig war, dann seine Stagnation: Wenig neue Namen und leider auch viel zu wenig Mitreißendes gab es zu vermelden.

Es war das Jahrzehnt der Produzenten. Die Neptunes setzten Maßstäbe, ebenso Timbaland und Dr. Dre. Da ihre Tagesgage aber schnell das Einkommen eines durchschnittlichen Straßenzuges in South Central überstieg, pimpten sie eben das dementsprechende Klientel auf.


Man konnte von Glück sagen, wenn sie Missy Elliott und Snoop Dogg noch mal kurze Momente der Signifikanz schenkten, denn in ihrem Roster tauchten auch viele auf, die umgehend wieder namenlos abtauchten, um einiges ärmer und mit einer Liste entlassener A&Rs im Backkatalog.

Wie nicht anders zu erwarten stand, ist der Wu-Tang Clan weiter seinen eigenen Weg gegangen - nicht unbedingt zum qualitativ Besten dieser Gang aus Ninjas und Playern. Method-Man-Kollaborateur Redman suhlte sich zwar mit Christina Aguilera im Matsch in die Charts, passend "Dirrty" betitelt, und auch andere aus dem Clan hatten vereinzelte Appearances, so richtig respektabel bewältigte allerdings nur Ghostface Killah das Jahrzehnt, das dann aber auch gleich mit vier soliden Alben ("Supreme Clientele", "The Pretty Toney Album", "Fishscale" und "The Big Doe Rehab"). Mit Abstrichen ist noch Masta Killas "No Said Date" zu nennen. Zwar schossen auch GZA, Cappadonna, Method Man, Raekwon, Inspectah Deck und Mathematics Soloalben raus, blieben aber - zumindest, was die Credibilität angeht - auf die Momente mit der ganzen Familie angewiesen. Diese legte zuletzt "8 Diagrams" auf, das international aber so mies lief, dass der Nachfolger "Chamber Music" zumindest vorläufig nur in den Staaten erscheint.


Wenn wir schon von Redman und Charts-Ambitionen sprechen, so darf nicht unterschlagen werden, dass Qualität und Erfolg nicht dasselbe sind und es in der Geschichte der Künste oft geschieht, dass der Pay-Day dann kommt, wenn die Kritik sich bereits gelangweilt abgewendet hat. Insofern brachte der große US-HipHop-Markt auch in diesem Jahrzehnt Superstars wie Lil Wayne (mit Alben wie "Da Drought 3" und "Tha Carter III"), 50 Cent (dessen Erfolgsgeschichte gar wie bei Eminem mit einem Film über sein Leben gekrönt wurde), Lupe Fiasco, Beanie Sigel und The Game hervor - und bot Puff Daddy, oder wie der Vogel gerade heißt, die Bühne für seine Auftritte.

Einer, von dem man sich viel für das Jahrzehnt erwartet hatte, war Eminem. Der Whitey aus Detroit hatte Ende der 90er vielversprechend losgelegt, bog dann aber nach der "The Marshall Mathers LP" ins Nirwana aus Pillen und anderem Zeug ab. Dafür hat das andere Großmaul des Rap, Jay-Z-Zögling KanYe West, die Zügel fest in der Hand und lotete zwischen seinem Debüt "The College Dropout" und dem aktuellen Album "808s And Heartbreak" ohne Ausfälle die Genregrenzen aus.

Mehr als souverän hat sich auch Jay-Z durch das Jahrzehnt performt - nicht, ohne dabei oben angesprochene Superproduzentenriege um Timbaland und Neptunes genauso anzuzapfen wie seine Entdeckung KanYe West. 2001 und 02 legte er seine ersten beiden "Blueprint"-Alben vor, es folgten 2003 "The Black Album" und 2007 "American Gangster". Und dann waren da noch "The Best Of Both Worlds" mit R. Kelly sowie seine Irrungen und Wirrungen mit Linkin Park ("Collision Course"), mal ganz abgesehen von seiner Tätigkeit als CEO von Def Jam, der eigenen Klamottenlinie Roc-A-Wear und nicht zuletzt der Traumhochzeit mit Beyoncé Knowles. Ziemlich busy, der Bub.


Auf der nächsten Seite: OutKast, M.I.A., Mos Def u.v.a.



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aus Intro #178 (Dezember 2009/Januar 2010)
 
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  • User: Intro
  • Intro 17.11.2009 | 16:03:00

    Wir blicken zurück auf die Nuller. Und HipHop im Speziellen: Wenn zwischen 2000 und 2010 in diesem Genre eines auffällig war, dann seine Stagnation: Wenig neue Namen und leider auch viel zu wenig Mitreißendes gab es zu vermelden...

  • BadBrain 20.11.2009 | 15:11:59
    zack! regierung gestürzt.
    ein wenig besserwisserei:

    diese ganzen diskussionen, ob nun solche aneinanderreihungen und zustandsbeschreibungen ihre berechtigung haben, sind ja eigentlich hinfällig. man kann immer noch etwas spannenderes finden und/oder am geschmack und wissen der anderen scheitern. herzlich willkommen.
    aber wenn man sagt, rap hatte zu wenig spannendes zu bieten (eine these, der ich auch gerne anheim fall), dann finde ich es persönlich schade, wenn diese auflistung so lückenhaft daher kommt.
    es wird stones throw genannt: großartig, wir verstehen uns. aber kein wort von madvillain? madlip und doom (natürlich nicht nur auf stones throw) haben allein genügend alteregos mit großartigen beats und samples am start, um einen die nächsten jahre zu beschäftigen. mal ab davon, dass die madvillainy durchaus an die goldenen jahre des rap ende der 80 anknüpft.
    es wird lex genannt: auch super. aber keine erwähnung von bigdada (die hatten grad ihr jubiläum und roots manuva, ty, busdriver, spank rock und vieles mehr zu bieten) und natürlich clouddead? damit wären wir auch bei anticon. da gibts sole, sage francis und anfänglich auch why? (im sinne von hiphop ausloten).
    das dürften genügend sachen, die auch bereits bei intro und in diesem forum verhandelt wurden.


    ich bin mir sicher, yma und le o können hier noch wirklich einiges mehr auflisten...


    ps: ms. jackson war auf stankonia

  • ZDeeV 20.11.2009 | 17:20:22

    Durchaus richtige Aussagen, aber bei weitem nicht vollständig - da stimme ich Kollege BadBrain zu. Noch interessanter allerdings wäre eine solche Auflistung der Intro-Redaktion für den deutschen Bereich. Wobei ich dem erstmal kritisch gegenüberstehe, denn gerade aus deutschen Landen hat ja in den letzten Jahren nahezu nichts den Weg ins Heft gefunden. Uns fehlen halt ein Eminem, ein Jay-Z, ein Kanye West oder ein 50 Cent. Und das Intro nimmt ja nur das auf, was relevant ist - anstatt möglicherweise neue relevante Gesichter zu schaffen.

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