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Das Jahrzehnt des Revivals

Das waren die Nuller: Irgendwie 80er-mäßig

25.11.2009, 15:17, Text: Oliver Tepel, Foto: Christoph Voy
[3 Kommentare]

Als Estland uns warnte, war die Sache eigentlich bereits gelaufen. 2003 verkündete deren Kandidat beim "Eurovision Song Contest", die Band Ruffus: "Eighties Coming Back"! Von Oliver Tepel.

"You said 'Let's do it' / 'Let's take it out and dance all night' / But those deep synthesizer sounds freak you out / And now you wake up in the middle of the night / In terror and all you do is cry."

Man sollte meinen, dass was derart auf der großen Showbühne der Euro-Star-Träume angekommen ist, kaum mehr Top-Thema sein kann - ist es aber, nicht nur auf diesen Seiten. Die Sonntagsausgabe der FAZ bemerkte am 26. April dieses Jahres, dass die Mode der 80er zurückgekehrt sei, und ließ eine 1980 Geborene pro und eine 1966 Geborene kontra das Phänomen streiten.


Die Ältere verriet sich als langweiliges Kleinstadt-Mädchen und verwies auf eine Version des Jahrzehnts, die ästhetisch wie inhaltlich tatsächlich von begrenztem Reiz war. Doch erinnerte ihre Perspektive aus Nena, Leggings und Golf GTI an die Aufsplitterungen, welche Pop seit den frühen 70ern und dann massiv zwischen 1979 und 1989 gekennzeichnet hatten. Verästelungen, so weit, bis es keinen gemeinsamen Nenner mehr gab. Nahezu nichts, auf das Klassentreffen heute als Partysound zurückgreifen können, ohne Streit zu provozieren.

Denn trotz ihres Angriffs auf alle Ideen des "Echten" und inmitten aller bewussten Strategien nahmen sich die 80er irre ernst. Nur so konnte damals eine Revivalkultur entstehen, die Fachbücher zu richtigem Styling und Gestus hervorbrachte: Ein langsam abebbendes Rock'n'Roll-Revival und ein komplettes 60er-Revival prägten die 80er mindestens so wie der Synthiepop, und sie wurden mit griesgrämiger Akkuratesse durchgezogen. "Wegen deines schicken 66er-Anzugs hast du wohl zwei Jahre lang keine Schuhe kaufen können, oder warum trägst du sonst dazu so 1964er-Loafer?" wäre kein unüblicher Mod-Kommentar jener Zeit gewesen. Man war gern mal einander Feind, und im (nicht selten eintretenden) ungünstigsten Fall gab's für den falschen Dresscode was aufs Maul.


Revival - Stil versus Trend
Seinerzeit verstand sich ein Revival nicht als Mode, sondern als Stil, eine ernste Sache, gleich einem kompletten Lebensentwurf, ganz egal, wie klischeeisiert und dämlich der auch sein mochte. Das 80er-Revival der letzten Jahre sah sich als Trend, es wurden keine Ideologien, sondern Klamotten und Sounds angeeignet. Dies beschreibt einen fundamentalen Wandel in der Popkultur: ein Verlust an gefühlter Bedeutung und eine daraus resultierende Freiheit der Wahl. Dazu passt die Mode der frühen 80er mit ihrer Freude an bunten, individuell kombinierbaren Details. Nach den uniformen 90ern sieht man wieder Leute, die etwas Extravaganz wagen und zugleich an einem egalitären Angebot aus recht günstiger, aber hipper Kleidung partizipieren. Dabei entstand ein Look, der sich nur vage an die historischen Vorbilder anlehnt oder die Akzente so verschiebt, dass Mädchen zur Neo-Synthie-Wave-Musik in einem 80er-Hardrock-Dorfdisco-Outfit tanzen.


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aus Intro #178 (Dezember 2009/Januar 2010)
 
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  • User: Intro
  • Intro 16.11.2009 | 15:17:00

    Das Jahrzehnt des Revivals geht zuende: Als Estland uns warnte, war die Sache eigentlich bereits gelaufen. 2003 verkündete deren Kandidat beim "Eurovision Song Contest": "Eighties Coming Back"! Von Oliver Tepel.

  • hansmoleman 26.11.2009 | 10:56:31
    ...behaupte ich mal so.
    die neunziger hatte bereits ein 60er, 70er und 80er-revival. die 00er sind auf den 80ern hängen geblieben, aber so ein neues charakteristikum, dass diesen titel rechtfertigt, kann ich da nicht sehen. dass die "zweiten 80er" (oder sind es schon die dritten?) schon länger dauern als die ersten, ist jetzt schon mind. seit 15 jahren ein ausdruck von rat- und einfallslosigkeit, auch wenn es in einigen nischen (z.b. hip-hop, welcher seine diversität deutlich erhöht hat) durchaus interessante entwicklungen gegeben hat.

    so langsam müsste man eigenlich an dem punkt sein, wo es nurnoch nach vorne gehen kann. das 90er-revival war ein rohrkrepierer (naja, vielleicht kommt da nochmal was, aber das wär dann ja auch in absehbarer zeit abgegessen) und ein 00er-revival wird kaum möglich sein, da es kaum eine genuine entwicklung gäbe, auf die man sich nochmal beziehen könnte.

    Editiert von hansmoleman am 26.11.2009 10:57:41

  • User: KarlAbUndZu
  • KarlAbUndZu 28.11.2009 | 11:58:43

    das problem ist doch auch, dass die achtziger dermassen ausdifferenziert waren, das man jeden quatsch drauf beziehen kann,
    oder was haben deutschprollpunk und kylie gemein? (ausser das beides spass macht)
    also, die 80er haben vieles erfunden und möglich gemacht und ausdifferenziert /das hat auch was mit technik zu tun/
    und insofern ist das ein lager an möglichkeiten...

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