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The Thermals live

Hutch & Kathy

26.10.2009, 10:57, Text: Christian Steinbrink, Foto: Alicia J. Rose

Langsam haben die Thermals das Alter und die Reife, die Rollen von Großeltern und wohlmeinenden Mentoren einzunehmen. In Bochum, im Paket mit den Rosebuds und Telekinesis, gewöhnten sie sich schonmal dran.

23.10.09, Bochum, Bahnhof Langendreer

Ein US-Indie-Paket vom Feinsten, so liest sich die Kombination aus den Thermals, Telekinesis und den Rosebuds. Zunächst. Und danach auch. Das zu verpassen, wenn es denn schon in der Nähe passiert, wäre fahrlässig. Und dementsprechend ist der Bahnhof Langendreer auch schon früh sehr voll. The Rosebuds sind dabei hierzulande die Frischlinge, obwohl sie auf dem stilprägenden Label Merge in den USA schon vier Alben veröffentlicht haben, das letzte, "Life Like", im letzten Jahr. Live geben sie als Duo einen geruhsamen Einstieg in das, was noch kommen soll. Entschlackt, bloß mit Gitarre und Akkordeon, spielen sie ihre Songs ruhig und charmant, aber auch ohne besondere Knalleffekte. Rosebuds-Gitarrist, Sänger und Schiebermützenträger Ivan Howard ist danach auch noch bei Telekinesis, den neuen Death Cab For Cutie-Lookalikes der Indie-Blogosphäre, dabei. Deren Mastermind Michael Lerner, aufgrund der Ohrwürmer seines selbstbetitelten Debüts schon als neues Wunderkind gefeiert, sitzt erst mit zerwuschelten Haaren am Schlagzeug und leidet ein wenig unter dem dumpfen Sound. Später nimmt er das Heft selbst in die Hand, er schickt seine beiden Bandkollegen von der Bühne, greift sich seine Gitarre und spielt die Balladen seines Albums wie das wunderschöne "I Saw Lightning" als Solist. Das ist sehr stimmungsvoll, bekommt aber angesichts der heißen Erwartung auf die Thermals nicht die Anerkennung, die es verdient hätte.


Denn letztlich will an diesem Abend jeder sowieso bloß rocken. Und es ist lange her, so etwas mal ohne ironischen Unterton gesagt zu haben. Hutch Harris würde nicht so ungezwungen sein. Denn auch wenn ein Konzert seiner Band besser nicht funktionieren könnte, klingen seine verbalen Einwürfe wie die Anfeuerung von etwas, das er eigentlich verachtet. Dass Kathy Foster sowieso nie etwas sagt, verstärkt diesen Eindruck nur. Davon kann man sich als enthusiastischer Fan irritiert fühlen, man muss es aber nicht. Man könnte seinen Spaß an diesen "dreckigen, kleinen Basement-Punk"-Songs, wie die Spex seinerzeit schrieb, auch einfach von dem Geschehen auf der Bühne entkoppeln. Trotz des immer halbverrückten Gesichtsausdrucks Harris', trotz der fliegenden Locken Fosters.  Die Thermals sind eine sichere Sache geworden, und ich flehe darum, das positiv zu verstehen. Eine Stunde Punkrock, die sonst niemand mehr so integer und unverbrämt enthusiastisch auf die Bühne bringt. Songs, die auch nach den sechs Jahren, die "More Parts Per Million" jetzt alt ist, nichts von ihrer Kraft verloren haben. Eine Show, für die man sich auch turnusgemäß alle vier Wochen treffen könnte, um verlässlich die beste Nacht des Monats zu haben. Und ab und zu eine Novität, wie etwa der neue Schlagzeuger Westin Glass, der die ganze Zeit so selig und plumpsig grinst und darüber bei "I Might Need For You To Kill" gleich mal aus Versehen seine große Trommel vom Podest stößt.

Natürlich wäre es schön, wenn Hutch Harris auch wirklich gefallen würde, was er tut. Wenn er sich aber bloß als Dienstleister verstehen würde, sollte man sich davon nicht seinen Spaß verderben lassen. Denn es ist zu gut, was die Thermals machen. Das wissen die Fans vielleicht sogar besser als die Band selbst. Vielleicht hat ihnen das auch nur schon lange niemand mehr gesagt. Wir loben ja sowieso viel zu wenig.

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