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Element Of Crime

Im Interview: "So eine gewisse Scheißegal-Brutalität"

12.10.2009, 12:05, Text: Kerstin Grether



"Immer da wo du bist bin ich nie": Ein Satz, der mit Sicherheit nicht auf unsere Autorin Kerstin Grether zutrifft, die Sven Regener und seine Band
Element Of Crime zum Interview in Berlin getroffen hat.

Euer neues Album "Immer da wo du bist bin ich nie" klingt wieder ein bisschen rauer als das Vorgängeralbum "Mittelpunkt der Welt", auch angenehm luftig und mit etwas verzerrten Gitarren. War das eine bewusste Entscheidung oder hat es sich im Prozess des Schreibens und Produzierens so ergeben?
Sven Regener: Es stimmt, dass die Songs rauer sind. Aber das war keine bewusste Entscheidung. Das hat sich aus den Songs heraus ergeben. Und aus der Art und Weise, wie wir in dem Jahr drauf waren. Wir sind so Typen, die eher von Song zu Song schreiben. Und sobald wir ein, zwei Songs fertig hatten, sind wir ins Studio gegangen und haben die aufgenommen. Das ist gut, weil man die Songs dann nicht die ganze Zeit im Kopf behalten und sich fragen muss, ob sie auch funktionieren. Auf diese Weise haben wir ungefähr ein Jahr lang parallel Songs geschrieben und aufgenommen.


Richard Pappik: Jakob war ein bisschen wilder mit der Gitarre als beim letzten Album. Das fällt natürlich sofort auf: hier ein Klampfensolo, da ein abgebrochener komischer Sound...

Ich finde, man merkt den Songtexten an, dass du Romane schreibst. Sehr genaue Beschreibungen und Beobachtungen, sehr prosaisch.
Sven Regener: Ja, so eine gewisse Scheißegal-Brutalität...

...so ein Durchpowern von dem was gesagt werden will.
Sven Regener: Das hat weniger mit der Literatursause zu tun, als damit, dass man ja immer versucht, seine Möglichkeiten zu erweitern. Ich hatte eine gewisse Schwäche für etwas leicht Hartes. Zum Beispiel so eine Zeile wie "Und dann Scheiß auf den Kaktus, der ist böse und heiß" in "Kopf aus dem Fenster." So etwas Rotziges. Ich versuche immer, den eigenen Spielraum stilistisch zu erweitern und zu schauen, was noch möglich ist. In diesem Fall war es das Benennen unglamouröser Orte, seltsamer Essensachen oder extrem alltäglicher Dinge. Das interessiert mich! Wie macht man das am besten, wie funktioniert das und wie nicht? Ich wollte immer mal ein Lied wie "Delmenhorst" schreiben, hatte mich das vor "Mittelpunkt der Welt" aber nie getraut. Oder jetzt auf dem neuen Album das Wort "Mallorca" zu benutzen, das geht auch in diese Richtung.

Das sagt das Forum:

Jarvis Cockers Pulli

»Wenn man sich Delmenhorst von Element of Crime anhört bekommt man einen Eindruck wie es hier in meiner Hood in Beckum aussieht. Ab und an kotzt einer in den Graben hier, vor allem Karneval, und der Getränkeladen ist von meiner Wohnung auch nicht weit, nur das der nicht Hoffmann heisst sondern Dursty. Dienstags steht da auch immer der Hähnchen-Wirt, dessen linke Hand gelähmt ist, er es aber trotzdem versteht wie kaum ein anderer halbe Hähchen in diese Tüten zu packen, die trotz Vierfachbeschichtung durchfetten.«

Zum Thread


Mallorca zu besingen, das deutsche Spießerparadies - das ist ja fast 'ne Provokation.
SR: (lacht) Ja. Das ist einfach klasse, zu singen "die Leute, die du liebst, sind alle auf Mallorca." "Ibiza" wäre nicht so stark gewesen. Da würde man denken, ja klar, Raver und so. Mallorca hingegen ruft bei mir sofort Bilder hervor, als würde man mit ganz starken Farben malen. Mit so Primärfarben: Rot. Grün. Gelb. Volle Dröhnung! Nicht pastell. Ich war auf beiden Inseln noch nicht, von daher isses mir eh wurscht. Die einzige spanische Insel, auf der ich mal war, ist Fuerteventura.

Aber das wäre jetzt nicht reizvoll gewesen ...
Sven Regener: Nee, Fuerteventura ist fast schon pastell. Oder türkis. Aber Mallorca, das ist blau oder ein ganz brutales orange. Das war für mich reizvoller, als gleich von vorne herein mit der poetischen Geste ins Haus zu fallen.


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