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Die Wahrheit

Warum die Buchmesse ausfallen muss

09.10.2009, 09:14, Text: Boris Fust, Foto: Kevin Mazur/AEG/Getty Images
[3 Kommentare]



Kindle & Co. machen's möglich: Den toten Michael Jackson gibt es bald als Gehacktes im Internet. Der Wochenrückblick von Boris Fust.

Zum ungefähr letzten Mal findet dieser Tage in Frankfurt die Buchmesse statt. Derweil freuen sich die Lektoratsangestellten bereits auf neue berufliche Herausforderungen. Auf einer Podiumsdiskussion bei der c/o pop verliehen Abgesandte der posh brands Suhrkamp und Berlin-Verlag bereits ihrer Hoffnung Ausdruck, dass es dank elektronischer Dateilesegeräte bald ein Ende mit dicken Lyrikbänden habe und die Dichterschaft sich endlich gezwungen sähe, kurze, knackige Reime für das iPhone zu schreiben. Denn wenn insgesamt weniger geschrieben wird – da wird jeder Dichter und Denker zustimmen können –, wird auch weniger Unsinn geschrieben.


Die Zukunft liegt also in maschinenlesbarer Kalenderblattdichtung. Schon im kommenden Jahr kann man die Buchmesse guten Gewissens mit der Cebit in Hannover zusammenlegen. Das wäre ganz im Sinne der Berliner Firma Textunes. Der "Marktführer für aktuelle deutschsprachige Literatur auf Smartphones" hätte es dann nicht mehr so weit und träfe sicher auf ein interessiertes Publikum. Aktueller Programmhammer: Für nur vier Euro und 99 Cent gibt es die "21 schönsten Suren" des Korans als iPhone-App. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Heilige Schrift macht sich klein im Handgepäck auf United-Airlines-Flügen, und ein traditionell eher fortschrittskritisches Publikum lässt sich so zu early adopters erziehen.

Natürlich gibt es auch hierzulande noch Ungläubige, die die Wahrheit verleugnen, sich für die Rodung tropischer Regenwälder einsetzen und weiterhin an die Unsterblichkeit der Holtzmedien glauben. Das Argument ist so alt wie der Untergang der Tonträgerwirtschaft: So wie Musikhörer auf das Rascheln der Folienumverpackung von Kauf-CDs nicht verzichten wollen, so benötigten die Lesefreunde das haptische Erlebnis, das nur ein Buch biete. Dabei lassen sich bereits die nun auf dem Markt kommenden E-Reader – die zweifelsohne technisch noch nicht ausgereift sind: So fehlt beispielsweise eine Digitalkamera, mit der sich Passanten fotografieren und ins Internet stellen lassen – recht einfach nachrüsten, beispielsweise mit dem typischen Geruch alter Bücher.

Nächste Seite: Wer mit Joey Ramone schlief und warum ein Viertel Pfund Gehacktes billiger ist als eine Kindle-Datei.


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  • User: die konsum jugend
  • die konsum jugend 16.10.2009 | 11:17:48
    indie
    Beispiel an der Pornowirtschaft nehmen

    Tim Renner: Sie hat ihre Bildchen früh sehr schnell, sehr aggressiv online vertrieben – und macht heute trotz Piraterie ein gutes Geschäft.

    ZEIT Wissen: Aber verkaufen sich Pornos im Netz nicht vor allem deshalb gut, weil die Kunden sie anonym herunterladen können?

    Renner: Anonymität boten Sexversandhäuser schon immer. Entscheidend ist, dass Pornos im Netz schnell, einfach und spontan zu bekommen sind.

    Eine Chance für Verlage

  • m4u7zh 16.10.2009 | 14:13:31

    dass pornos gut laufen, liegt kaum an irgendwelchen genialen marketing tricks. das liegt einfach an der monogamie und der allgemeinen spiessigkeit, die ja jeden lebenden zwingt, für sex geld auszugeben. weil ansonsten wird das im alter ja schnell nervig.

    und dass bücher schlecht laufen liegt daran dass sie scheisse sind. ausser manche sachbücher ok, aber das hinterletzte ist ja wohl erotische literatur geschrieben von recht durchschnittlichen "frauen", und das zweithinterletzte "sinistre underground" geschichtlein von krassen "männern". irgendwi eist was dran, an popmusik und hollywood als weiterentwicklung der fiktiven narration. alles andere ist in der regel ein weiter schritt zurück.

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