Jochen Distelmeyer
"Heavy": Die Songs im Einzelnen!
31.07.2009, 16:43, Text:
Peter Flore, Foto: Peter Flore
"Heavy", das erste Soloalbum des ehemaligen Blumfeld-Sängers Jochen Distelmeyer ist gelandet - zumindest bei uns in der Intro-Redaktion. Wir haben reingehört und geben einen ersten Eindruck, Track-by-Track.
Regen
"Heller Wind und silbern fällt der Regen auf die Welt..." Jochen Distelmeyer stripped, nicht wie in "Eines Tages" - also Spoken Word - sondern tatsächlich nur Gesang ohne Instrumental-Playback, voller Schnörkel und Synkopen. Und thematisch gleich der Brückenschlag zum letzten Blumfeld-Opener "Schnee".
Wohin mit dem Hass?
Schon bekannt, da vorab als Stream auf distelmeyer.de veröffentlicht. Knarzig, krachig, heavy eben. Und gleichzeitig Anlass zu allerlei Vermutungen in Bezug auf den Albumtitel als verlässlichen Indikator für Stil- und Soundfragen. "Heavy", ein verzerrtes, verstärktes Gitarrenalbum? Im weiteren Verlauf wird klar: Auch, nicht nur. Das Schöne und Doppelbödige ist hier, wie Distelmeyer sich selbst als polarisierende Kunstfigur stilisiert. "Wohin mit dem Hass?" werden sich bekennende Blumfeld-Hasser damals auch gedacht haben. Als Statement zum Solo-Auftakt natürlich unschlagbar geschickt. Geht nahtlos über in...
Er
"An dem was er sagte, hab ich ihn erkannt: Das ist er, da kommt er, so ist er, er ist er". Dramatisches, düsteres und treibendes Gitarrenstück im Stile von "Mein System kennt keine Grenzen" oder "Jugend von heute". Distelmeyer übt sich in schizoiden Doppelgängerspielchen: "Schließlich ist er ein Teil von mir". Sein Falsettgesang im Refrain konterkariert die Stimmung dann passenderweise auch gleich.
Lass uns Liebe sein
"So ging ich über Berg und Tal, komm' und träum' den Traum nochmal, ich komm um Dir zu sagen: Lass uns Liebe sein": Up-Tempo-Songwriter-Pop, durchweg positiv und mit einem in der Bridge leichten Touch von "Eintragung ins Nichts". Seichte Naturen werden bei Konzerten ob des stampfenden 4/4-Takts mitklatschen - oder wie zuletzt von Jochen dazu aufgefordert werden. Erste Single.
Bleiben oder Gehen
Distelmeyer-Melancholie at its best, Trennungsweh und bröckelnde Beziehungen: "Unsere Liebe kam nicht wieder - falls es je Liebe war". Und falls es wieder einen Blumfeld-Bezug braucht: "Neuer Morgen" kommt von Grundstimmung schon nah, wenn das hier entworfene Testament des Zweifelns (textlich) auch deutlich düsterer ausfällt.
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