Mit Regen leben
auf Festivals: Was tun, wenn's richtig gießt?
14.07.2009, 13:54, Text:
Volker Backes
Es gibt Dauerregen. Es gibt Starkregen, Sprühregen, Nieselregen. Und da sage noch einer: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung! Openair-Veranstalter sehen das anders. Für sie ist Regen nicht nur etwas, das nass macht, sondern die Bilanzen verhagelt. Ein Wolkenbruch kann Existenzen vernichten. Die Festivalveranstalter stellen sich jede Saison auf Regen ein. Denn es gibt einige Dinge, die man gegen Regen tun kann.
Thees Uhlmann hatte es kommen sehen. Damals, im Sommer 2006 auf dem Southside-Festival, als sich der Himmel am Horizont bedenklich verdunkelte, streckte der Tomte-Sänger engagiert dem Himmel den Wutfinger entgegen und meinte: "Das sind die dunklen Wolken der Plattenindustrie." Kurze Zeit darauf entluden sich jene dunklen Wolken mit derartiger Wucht über dem Festivalgelände, dass auch dem tapferen Thees nur der Rückzug blieb.
"Eigentlich bekommen wir das Wetter auf dem Hurricane immer ganz gut hin", sagt Booker Marc Huelsewede mit feiner Ironie. "Es regnet beim Aufbau, es regnet beim Abbau. Dazwischen geht es meistens. Unsere Zuschauer haben es bei den Konzerten einigermaßen trocken. Bloß 2006, beim Zehnjährigen, hat sich der Regen um zwei Stunden vertan." Da wurden Muse, Headliner am Sonntag, Opfer eines Wolkenbruchs apokalyptischen Ausmaßes. Eine derartige Öffnung der Schleusen kam völlig unvorbereitet, das Festival musste abgebrochen werden, Muse traten nicht mehr auf. Binnen Minuten waren die Zeltplätze überschwemmt, durchnässte Festivalgäste suchten Unterschlupf im nächsten Mc Donald's. Die Veranstalter benötigten Schwerlasttraktoren, um das Mischpult vor der Hauptbühne aus dem Lehm zu ziehen.
Sind derartige Wetterumschwünge nicht vorhersehbar? "Bedingt", erklärt Huelsewede, "spätestens ab zwei Wochen vor dem Festival werden wir total wetterfühlig. Wir kontaktieren die gängigen Wetterdienste. Doch mit Unwetterwarnungen kann man viel Unruhe erzeugen." In vielen Punkten sind Unwetterwarnungen sehr genau. Nach der Vorwarnstufe "gelb" kommen die Warnstufen "orange", "rot" und "violett". Sie beschreiben Unwetter mit Niederschlagsmengen von 30 Litern in 24 Stunden bis hin zu 150 Litern pro Tag und Windgeschwindigkeiten von 75 km/h (Windstärke 9) bis 130 km/h (Windstärke 12). Allerdings bedeutet eine Warnung etwa für Niedersachsen noch lange nicht, dass es auch Scheeßel tatsächlich erwischt.
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