Als es passierte
Michael Jackson ist tot. Ein Kommentar.
26.06.2009, 09:53, Text:
Peter Flore
[15 Kommentare]
Mit Michael Jackson verliert die Welt die wohl bedeutendste Popfigur der letzten 30 Jahre. Die Chronik eines angekündigten Todes...
Es war eine jener Nachrichten bei denen man weiß, dass sie nicht lange nur Gerücht bleiben werden. Als die News gestern per SMS und Twitter den Weg nicht nur ins Kölner Nachtleben fand, war schnell klar, dass es weder ein Scherz, noch die Wiederholung eines verfrühten Nachrufs wie im Falle Patrick Swayze werden würde: Michael Jackson ist tot.
Michael Jackson tot??? Michael Jackson ist tot! Dementsprechend hielten sich die zaghaften Dementi auch im Rahmen: Herzstillstand, oder? Nicht tot, aber im Koma. Alles nur ein Aufschub der traurigen Nachricht, vielleicht weigerte sich der DJ deshalb noch so vehement, "Thriller" zu spielen…Twitter brach für einen Moment zusammen, currently unavailable, ein untrügliches Zeichen dafür, dass gerade etwas sehr wichtiges passiert, popkulturell versteht sich. "Das war unser Elvis" brachte es jemand aus unserer Runde auf den Punkt. In der Tat ist es der große Pop-Tod unserer Generation, für Lennon und Elvis waren die allermeistern, die in diesen Minuten eifrig tippten und aufgeregt telefonierten, zu jung.
Die Gewissheit gab es dann gegen 1:30 Uhr deutscher Zeit, als die Ärzte im UCLA Medical Center in Los Angeles ihren Kampf um das Leben des selbsternannten King Of Pop für gescheitert erklärten. Den offiziellen Tod Jacksons hatten sie bereits um 14:26 Uhr Ortszeit (23:26 Uhr MESZ) festgestellt, also zu einer Zeit, als hierzulande noch die Meldungen über seine Einlieferung ins Krankenhaus kursierten: Das Gerücht, das keins war.
Und damit war der Weg dann frei für alle Nachrufe, die ja bekanntlich bei großen Persönlichkeiten immer schon in der Schublade liegen. Bei CNN saßen dann auch schon die eilig herbeigerufenen Experten vom Rolling Stone oder der Website tmz.com, die als eine der ersten von der Einlieferung des Popstars ins Krankenhaus auf Grund eines Herzstillstands berichtet hatte. Und in noch eiliger einberufenen Schalten betrauerten diejenigen Jackos Tod, die ihn all die Jahre zur großen tragischen Figur des Pop erklärt hatten: Ja, ein ganz toller Mensch sei gestorben, die ganze Stadt, ja: Welt stünde still. Menschen kämen vor dem Krankenhaus zusammen, zur Totenwache. Sie alle zeigten, so die CNN Pop-Expertin, dass Jackson einen Platz in unseren Herzen habe. Und natürlich gab es auch andere Stimmen, auch wenn sich der doch niemals ruhende Zynismus eher in Grenzen hielt: "Tickets for sale! Anyone interested? Will take a fiver…" lautete ein nicht sehr populärer, früher Tweet, in Anspielung auf die im Juli anstehenden 50 Konzerte in London, die das große und letzte Comeback der größten und tragischsten Pop-Figur der letzten Jahrzehnte besiegeln sollten. "Kinderpornosperren zeigen erste Wirkung: Michael Jackson ist tot" lautete ein weiterer von jemandem, der offenbar auf die Schnelle versuchte, der Titanic die Butter vom Brot zu nehmen. Unnötig zu sagen, wie derlei Posts so ankamen, in der Twittergemeinde, gestern Nacht.
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hatebag 26.06.2009 | 12:24:51
You're welcome
In Anbetracht des akuten Betroffenheits-Tsunamis, danke für die differenzierte(re) Sichtweise! Ach so "als es passierte", lief gerade Alien - Die Wiedergeburt - wie passend ;)
hatebag 26.06.2009 | 13:06:16
You're welcome
Ansonsten, hier ein guter Nachruf: Michael Jackson's life was infused with fantasy and tragedy
Peter Flore 26.06.2009 | 13:19:13
Bratwurstjournalist
Als mir jemand die SMS hinhielt, wusste ich sofort: Das ist kein Scherz. Der Rest des Abends war eigentlich nur warten auf die offizielle Stellungnahme. Und ich war gestern abend auch wirklich betroffen, denn ohne jetzt zu behaupten, beinharter Fan gewesen zu sein, waren Jacksons Songs so ziemlich die erste ernstzunehmende Popmusik, mit der ich in Berührung kam....
qwert_zuiopü 26.06.2009 | 14:15:42
Mit Michael Jackson verliert die Welt die wohl bedeutendste Popfigur der letzten 20 Jahre.
"Off The Wall" kam vor 30 Jahren raus. Selbst "Bad" ist schon 22 Jahre alt... Danach ging es dann ja zumindest musikalisch steil bergab...
Peter Flore 26.06.2009 | 14:47:05
Bratwurstjournalist
Aber "der letzten 30 Jahre" würde nicht stimmen, da setze ich Elvis einen Zentimeter höher an.
niles crane 26.06.2009 | 14:52:57
@Peter Flore:
Elvis starb vor 32 Jahren.
Und nun genug der Erbsenzählerei!
Editiert von
niles crane am 26.06.2009 14:55:15
qwert_zuiopü 26.06.2009 | 14:58:45
Allerdings denke ich auch immer, dass die 80er maximal 20 Jahre her sind... Aber in ein paar Monaten geht's ja schon los mit den Bestenlisten der Dekade 2000-2010!
Peter Flore 26.06.2009 | 15:02:44
Bratwurstjournalist
Das stimmt nun auch wieder. Irgendwie bin ich wohl immer noch in den Neunzigern, sorry, die Achtziger verorte ich komischerweise und vor allem egal wann immer "vor 20 Jahren". Selbst wenn es 29 Jahre sind.
Peter Flore 26.06.2009 | 15:04:18
Bratwurstjournalist
Update: ich habe es noch entsprechend geändert.
Reverend 26.06.2009 | 15:16:14
Der wütende Deutscher
Ich lese da immer noch was von 20 Jahren. Sorry, aber das ist einfach Unsinn.
Peter Flore 26.06.2009 | 15:37:12
Bratwurstjournalist
Ja, aber "in zwanzig Jahren"...
green eyes 28.06.2009 | 16:03:43
also ich war grad bei einer party und als plötzlich jemand es erzählte war es sehr sehr still. eine eigenartig bedächtige stimmung machte sich breit. thriller ist das erste musikvideo an das ich mich aus der kindheit erinnere, es ist seltsam.
snorej 28.06.2009 | 20:09:54
geht gar nicht.
meine cousine hat mir damals '83 den moonwalk in maryland beigebracht. ich werde diesen augenblick nie vergessen als ich bei dieser beschissenen klassenfahrt 84 dann damit auftrumpfen konnte. danke michelle, und danke michael.
repokid 08.07.2009 | 18:03:50
every rose has its thorns
mir wurde das von einer meist überschnell informierten freundin mitgeteilt, und ich hab erst tag darauf was sagen können. ging in die richtung ist DAS jetzt tragisch, oder eher befreiend am ehesten für ihn selbst. denn im untergang jacksons in den neunzigern ging ja das ganze im nachhinein unglaubliche imperium guter mainstream-musik in den abgrund. und naja, da werden natürlich auch einige die jetzt noch brav erstattend ihre semmelchen mit ein bißchen trauerorganisation verdienen, in ein paar tagen sagen, na endlich ist der king der chaoten tot. endlich ruhe im büro.
auf persönlicher ebene mich hat mich erstaunt, das jackson doch sehr tiefen einfluss hatte. allerdings viemehr vom wesen, den klamotten, dem leichten goth/zombie touch und der doch nicht ewigen jugendlichkeit wenns drauf ankam. und dass nicht nur meine freundin aussieht wie er, sondern auch meine ex.
hatebag 15.07.2009 | 13:25:26
You're welcome
"Die Haut weggebrannt und wie ein Zombie ausgeknockt"
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