Mördermusiker
Von Manson bis Spector: Eine Vorladung der Popgeschichte
30.04.2009, 09:46, Text:
Felix Scharlau
[9 Kommentare]
Pop ist keineswegs immer die problembefreite Süßigkeiten-Parade, zu der sie medial gerne verklärt wird. Die Musikgeschichte produzierte regelmäßig auch große Kapitalverbrecher. Felix Scharlau mit einem Abriss über prominente Mord-Musiker oder zumindest solche, die schon mal eines Mordes bezichtigt wurden.

SALIERI
Antonio
1750-1825
Vergehen: Der italienisch-österreichische Klassik-Komponist, Kapellmeister und Musikpädagoge wurde im 19. Jahrhundert lange Zeit des Giftmords an seinem Widersacher Wolfgang Amadeus Mozart (gest. 1791) bezichtigt.
Aus wissenschaftlicher Sicht gelten die Vorwürfe allerdings mittlerweile als haltlos. Dennoch verarbeiteten in der Folge mehrere prominente Musikwerke, Bühnenstücke und Filme (siehe "Amadeus") von unter anderem Alexander Puschkin und Nikolai Rimski-Korsakow das Gerücht als fiktive Realität.
Strafe: Keine
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | ... weiterlesen »
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren [9]- Mehr Forumsdiskussionen
hansmoleman 30.04.2009 | 16:08:40
...behaupte ich mal so.
leadbelly habt ihr vergessen. der hat auch wegen mordes gesessen. ich glaube unter den alten bluesern könnten noch einige mörder mehr sein.
Hauptmann Fuchs 30.04.2009 | 21:44:10
zur Klärung eines Sachverhalts
und hier die teile 2 - 6 für die klickmüden:
MANSON
Charles
Geb. 1934
Vergehen: Auch Charles Milles Manson, Anführer der legendären Manson Family, konnte bisher keine selbst ausgeführte Tötung nachgewiesen werden, wohl aber die Beauftragung zahlreicher Morde im Jahr 1969 - unter anderem an Roman Polanskis schwangerer Frau Sharon Tate. Entsprechend wenig salonfähig wurde Mansons Singer/Songwriter-Musik, der er schon vor den Morden (künstlerisch protegiert von niemand Geringerem als Dennis Wilson von den Beach Boys), verstärkt aber während seiner Inhaftierung nachging.
Strafe: Todesstrafe, später umgewandelt in lebenslange Haft. Nächstmöglicher Zeitpunkt eines Gnadengesuches: 2012.
VICIOUS
Sid
1957-1979
Vergehen: Sid Vicious, zunächst Schlagzeuger bei Siouxsie And The Banshees, später aber natürlich vor allem bekannt als das enfant terrible bei den Sex Pistols (offiziell: Bassist), wurde im Oktober 1978 des Mordes an seiner ebenfalls heroinsüchtigen Lebensgefährtin Nancy Spungen bezichtigt. Gegen 50.000 Dollar Kaution, die seine Plattenfirma Virgin bezahlte, kam Vicious am 1. Februar 1979 auf freien Fuß, starb jedoch in der folgenden Nacht an einer Überdosis. Die Umstände, die zu Spungens Tod führten, wurden in der Folge niemals gerichtlich geklärt.
Strafe: Keine
VIKERNES
Varg
Geb. 1973
Vergehen: Der Bassist der norwegischen Black-Metal-Legende Mayhem tötete am 10. August 1993 seinen Freund und Mitmusiker Euronymous mit 23 Messerstichen. In Haft förderte Vikernes verstärkt rechtsextreme Tendenzen zutage und produzierte weiter Musik, unter anderem von seinem Kult-Projekt Burzum.
Strafe: 1994 wurde Vikernes wegen Mordes, Waffenbesitzes und des Niederbrennens mehrerer Kirchen angeklagt und zu 21 Jahren Haft verurteilt. 2003 gelang ihm die Flucht, allerdings konnte er wenig später schwer bewaffnet wieder eingefangen werden. Mitte März 2009 wurde Vikernes aus der Haft entlassen, bis heute konnten ihm keine neuen Straftaten nachgewiesen werden.
SPECTOR
Phil
Geb. 1940
Vergehen: Phil Spectors einstiger Ruhm als Starproduzent und Architekt der sogenannten "wall of sound" traten zuletzt deutlich in den Hintergrund. Thema waren praktisch nur noch sein Mordprozess und seine irre Frisur. Konkret vorgeworfen wird ihm die Tötung der Schauspielerin Lana Clarkson, die am 3. Februar 2003 erschossen in seinem Anwesen in L.A. gefunden wurde. Nicht weniger verdächtig wurde Spector für die Ermittler dadurch, dass er sich zuvor in jahrzehntelanger, mühevoller Kleinarbeit einen Ruf als halbirrer Waffennarr erarbeitet hatte. So soll er durch vorgehaltene Revolver oder Armbrüste (!) unter anderem John Lennon, Leonard Cohen und Dee Dee Ramone zu größeren Zugeständnissen in Studio-Disputen bewegt haben.
Strafe: Am 13. April 2009 wurde Spector in einem Gerichtssaal in Los Angeles des Mordes schuldig gesprochen. Das Strafmaß ist noch nicht bekannt. Ein erster Prozess wurde 2007 ergebnislos vertagt, weil sich die Juroren auf kein Urteil einigen konnten. Das Verfahren wurde im Herbst 2008 neu aufgerollt.
CANTAT
Bertrand
Geb. 1964
Vergehen: Der Ruhm der auch hierzulande in den 90ern nicht unerfolgreichen französischen Rockband Noir Désir war in Deutschland längst verblasst, da rief sich deren Sänger plötzlich medial wieder ins Bewusstsein: Während einer Eifersuchtsszene schlug Bertrand Cantat am 26. Juli 2003 seine Geliebte, die in Frankreich zu dieser Zeit ebenfalls prominente Schauspielerin Marie Trintignant, so heftig, dass sie ins Koma fiel. Zu allem Übel holte Cantat erst etliche Stunden später medizinische Hilfe, Trintignant verstarb einige Tage später.
Strafe: Bertrand Cantat wurde 2004 wegen Totschlags und unterlassener Hilfeleistung zu acht Jahren Haft verurteilt. Seine Mitmusiker ließen in Interviews wissen, sie sähen dennoch eine Zukunft für Noir Désir nach Cantats Haftentlassung. Jene erfolgte bereits am 16. Oktober 2007 wegen guter Führung. Ein neues Album namens "Gagnants - Perdants" soll demnächst erscheinen.
die meinung, dass charles manson etwas mit pop zu tun hätte, vetraten bisher eigentlich nur charles manson, carl wilson (war es carl? einer von denen jedenfalls) und axl rose. und was phil spector betrifft, ist der amerikanische "second degree murder" zwar zwischen "first degree murder" und "manslaughter" angesiedelt, entspricht aber eher dem deutschen "totschlag" als "mord" (aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,
heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder
um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken). in der news-meldung hattet ihr noch das wort "mord" vermieden, weshalb ich schon gedacht hatte, ihr benutzt weniger billige übersetzungsprogramme als der spiegel...
labr 01.05.2009 | 16:44:34
obey!
Mitnichten, Herr Fuchs. Charles Manson hat zwar nichts in der Aufzählung zu suchen - weil er eben KEIN Mörder ist - aber mit Pop hatte der sein halbes Leben zu tun. Ja, er hing mit Dennis Wilson ab, verkehrte mit Terry Melcher (Doris Days Sohn, u.a. Byrds-Produzent) und pflegte auch sonst Kontakte zum "Pop-Biz" - u.a. beruht Neil Youngs "Revolution Blues" auf der Bekanntschaft zwischen den beiden (Young hat auch immer noch liebende Worte für ihn übrig). Zudem haben die Beach Boys einen seinen Songs gecovert - und inzwischen bzw. spätestens seit den Neunzigern muss man Manson, ob man nun will oder nicht, zu den Ikonen der Popkultur rechnen.
Dafür gibt es noch mehr als genug Menschen/Fälle, die mir auf Anhieb einfallen - z.B. der Fang-Sänger, nur um mal ein Beispiel zu nennen - aber hey, wir sprechen über die INTRO und nicht über das MOJO-Magazin oder eine ähnliche Sleeper/Nerd-Gazette - dürfen wir da im Musikteil wirklich mehr erwarten als einen halbherzigen Teaser?
Aber vielleicht ist ja auch wieder einmal der beste Teil, z.B. das Ende der Layout-Schere zum Opfer gefallen - soll ja alles schon mal vorgekommen sein *hüstel*
gnathonemus 01.05.2009 | 16:57:41
toller specht
ich kenne von manson nur "home is where i'm happy" in der version der lemonheads. ein ganz toller song ist das. gibt's denn irgendwelche empfehlenswerten platten von ihm?
labr 01.05.2009 | 17:13:03
obey!
Es gibt nur ein reguläres Album, "LIE" - der Rest ist rumpeliges Zeug aus dem Knast, z.T. hört man die Toilettenspülung der Nachbarzelle. Wer sich für Freak u/o Weird Folk interessiert, sollte LIE mal gehört haben - allein für "People Say I'm No Good" (ach was! möchte man angesichts des Titels ausrufen) und für "Cease to Exist" das in einer Coverversion 1969 unter dem Titel "Never Learn Not to Love" von den Beach Boys veröffentlicht wurde ...
gnathonemus 01.05.2009 | 17:45:50
toller specht
danke, da werde ich mal nach suchen.
grotesqueness 02.05.2009 | 18:37:28
In Haft förderte Vikernes verstärkt rechtsextreme Tendenzen zutage -
huch, herr scharlau ist ja immer wieder lustig. vikernes ist DER "gründervater" des sog. NS Black Metal. das sollte scharlau doch irgendwann mal zur kenntnis nehmen.
retarded_butcher 05.05.2009 | 00:15:51
...und der war doch nie bei Mayhem.
labr 07.05.2009 | 11:53:08
obey!
Doch, als eine Art "Studio-Musiker". Als nach dem Tod von Dead auch noch Necrobutcher die Band verliess und nur noch Euroynmous und Hellhammer übrig waren, haben die beiden zusammen mit dem Count am Bass und Attila (als Ersatz für den "Sänger" Occultus) damit begonnen, ihr erstes Studioalbum "De Mysteriis dom Sathanas" aufzunehmen...
Editiert von
labr am 07.05.2009 11:54:43
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
VERWANDTE ARTIKEL
- » Filmstarts - ab dem 25.05.06
- » Antonio Negri und Michael Hardt...
MEIST GEKLICKT
- 01 Ein Abend mit Adam Yauch (MCA)...
- 02 THE CHANCE Nike Sportswear - Makin...
- 03 Platten der Woche - Heute mit Damo...
- 04 Platten der Woche - Heute mit Sant...
- 05 Die besten Gratisgames - Fotostrec...
- 06 Fest van Cleef - Tomte in Original...
- 07 Platten der Woche - Heute mit Rumm...
- 08 Rock am Ring - Nokia und Intro ver...
- 09 EM 2012 - Die Songs - Fußballgötte...
- 10 Beat BBQ 2012 - Verlosung: Sonntag...
- ... mehr



