Johanna Zeul - Im Interview: Gebündelte Energie Artikelbild (groß)

Johanna Zeul

Im Interview: Gebündelte Energie

29.07.2008, 18:15, Text: Johannes Mihram

Abgeschlossenes Studium an der Popakademie, Teilnahme am Songwettbewerb - der Werdegang von Johanna Zeul klingt nicht so, als würde er die Herzen von Indiefans spontan entflammen. Aber will die 27-jährige das überhaupt? Johannes Mihram hat mal nachgefragt.

Mit ein wenig Verspätung wirbelt Johanna Zeul in das Café, in dem wir zum Interview verabredet sind, und entschuldigt sich sogleich. Sie sei sehr gut in der Zeit gewesen, bis ihr einfiel, dass noch ein Paket mit einer Fahrradpumpe bei der Post auf sie warte und da sie am nächsten Tag schon wieder für Konzerte weg fahre, habe sie das noch schnell abholen müssen. Auch sonst blieb der in Berlin-Neukölln lebenden Sängerin in den letzten Monaten kaum Zeit zum Luft holen. Im Frühjahr gründete sie ihr eigenes Label, auf dem im Juni ihr Debüt "Album No. 1" erschien. Hellwach und mit leuchtenden Augen erzählt sie vom langen Weg dahin und gibt bei der Gelegenheit gleich mal eine Suchanzeige auf.


Dein Debütalbum war bereits im September 2007 fertig. Warum hat es bis zur Veröffentlichung so lange gedauert?
Ich hatte einen Deal mit der Plattenfirma Four Music, die wiederum vor zwei Jahren, noch bevor ich rein gekommen bin, von SonyBMG aufgekauft worden ist. Nun hat SonyBMG Four Music in den Konzern eingegliedert. Four Music besteht zwar relativ eigenständig weiter, musste aber die Rock-Ecke einbüßen. In der Rock-Ecke war ich, da waren Tempeau, Bela B, Lee Hazlewood und andere. Die Sparte ist weggefallen, weil das eigentlich ein Experiment von Fitz Braun, dem langjährigen Chef von Four Music war und der gegangen wurde. Das ist noch passiert, bevor das Cover stand und die Pressearbeit angefangen hatte. Leider, das war ein bisschen ein Dämpfer.

Hast Du dann bei anderen Labels angeklopft?
Teilweise. Ich hatte ja auch ein Management, das habe ich dann auch gekündigt, unabhängig von der Plattenfirma, weil es einfach nicht gut gearbeitet hat, sehr chaotisch, das konnte ich nicht mehr ertragen. Dieses Management jedenfalls hatte noch, zumindest sagte es das, ein paar Labels mit der Platte bemustert. Das Problem war aber, dass ich zu dem Zeitpunkt, als ich bei Four Music unterschrieben habe, noch ein paar andere Angebote auf dem Tisch hatte und mich halt für Four Music entschieden hatte. Das heißt, es gab schon einige, die ein wenig abgeturnt waren und nicht die zweite Wahl sein wollten. Auf der anderen Seite hatte ich aber auch einen Einblick bekommen in die Strukturen von so einer großen Firma und bin immer skeptischer geworden. Und dann habe ich geguckt, ob es ein ganz kleines Label gibt, das zu mir passt, aber keins gefunden, weil ich da ein bisschen eigensinnig bin. Ich bin nicht so ein Independent-Typ, der sich auf die Fahnen schreibt, Independent-Musik zu machen, so sehe ich mich nicht.

Ich mache Popmusik, so lange es populär ist oder zugänglich für mehrere. Und bei meinen Konzerten erlebe ich, dass es tatsächlich von den ganz Alten bis zu Kindern Zuspruch findet. Und ich kann mich da nicht so richtig einordnen bei einem Label, denn die sind ja meistens sehr speziell, und da gab es einfach nichts, wo ich sagen konnte: "Ja, genau so einen Stil mache ich". Darum war ja auch am Anfang der Gedanke da, dass ich zu einem Majorlabel gehe, aber die Kanäle da sind mir zu langsam gegangen. Mein Gedanke ist eigentlich auch ein Independent-Gedanke, aber eben einer mit einer eigenen Marke, weil meine Musik auch eine eigene Marke ist und meine Show und mein ganzes Wesen. Und dann habe ich halt mein eigenes Label ‚Gold und Tier' gegründet.


1 | 2 | 3 | ... weiterlesen »



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
Newsletter
Aktuell, übersichtlich und informativ: Der INTRO-Newsletter. Hier anschauen!
 
 
Anzeige
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]