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10 Jahre Total Confusion

Mit dir durch die Nacht

04.07.2008, 14:26, , Foto: Bryan Sereny

Köln erleben, ohne "Total Confusion" - da fehlt was, findet Thomas Venker, der die Party seit den Anfangstagen begeistert verfolgt. Heute abend feiert er mit beim 10-Jährigen. Ein persönlicher Rückblick.

Köln erleben, ohne "Total Confusion" - da fehlt was. Nein, das ist nicht die verklärte Sicht eines in die Jahre gekommenen Technoveterans, das kann man so auch aus den Augen lebenshungriger Anfangtwentysomethings lesen; beispielsweise aus denen von Foals, neuer Hoffnung am Brit-Indie-Rock-Himmel mit Faible für weirde, rhythmische Experimente und Minimal Techno. Geradezu tottraurig nahmen sie beim Kölner Gastspiel im Frühjahr zur Kenntnis, dass nicht jeder Wochenendabend ein "Total Confusion"-Abend ist (und kündigten an, nur dafür zurück zu kommen).


Früher war es zumindest jeder Freitag. Und nicht wenige, der Autor eingeschlossen, taten alles um immer dabei sein. Zu meinen Prä-Kölner-Wohntagen, also vor 2000, reiste ich hierfür auch mal gerne aus Stuttgart an. Und später, als ich noch nach Stuttgart pendelte, machte ich immer durch, um mit dem ersten Zug Samstag morgens fertig aber glücklich gen Süden zu rollen (das waren noch die Zeiten mit Sperrstunde, in denen die Endlichkeit sich, zumeist untermalt von poppigeren Tönen, mit dem angehenden Deckenlicht zurück meldete - und so sehr man es damals ab und an hasste, gestört zu werden, so falsch erscheint es angesichts der After-Hour-Mania der letzten Jahre gar nicht, aber das ist nur die persönliche Meinung von einem, der spätestens um sieben immer ins Bett muss). Die Sehnsucht nach einer nicht an Genregrenzen und Clubaxiomen sich orientierenden, sondern offen und frei durch die Nacht schwebenden Clubnacht machte es einfach zwingend nötig.

"Total Confusion", das war zunächst die Spielwiese von Tobias Thomas und Michael Mayer, reingeschmeckten Kölnern und mittlerweile großen Repräsentanten der Stadt am Dom, später komplettierte irgendwann um 2001 herum Superpitcher die Runde; nicht zu vergessen die große Familie aus allen sonstigen am Gelingen mitwirkenden, ohne die es nicht gehen würde, derer es aber zu viele sind, um sie hier alle zu nennen.

"Total Confusion" trägt schon im Namen das Versprechen des Loslassens, der Essenz der Nacht. Nicht weniger als die totale Verwirrung sollte es sein. Das Infragestellen oder besser das Weichzeichnen des Alltäglichen, das Aufreißen von neuen Perspektiven, das Entstehen von neuen Freundschaften. Confusion nicht (nur) im Sinne von Eskapismus, nein, viel sinnlicher und anschmiegender war und ist es zu verstehen; Nacht um Nacht geht es hier um eine spezielle Variante der sozialen Praxis des gemeinsamen Feierns: Nicht jeder für sich allein oder eingetaucht in die Menge, sondern gemeinsam verstanden als mehr als nur örtliche Zuschreibung. "Total Confusion", das ist eine Clubnacht, die uns noch zeigt, dass dein Club, deine Leute dich brauchen. Denn ohne dich keine "Total Confusion". Das ist das schönste, was einem geschenkt werden kann.


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