Boris Fust
Jetzt schreibt er auch noch: 12 Stunden sind kein Tag
26.06.2008, 15:08, Text:
Peter Flore
Arne gehört zur Generation Praktikum, entsprechend sind seine Lebensumstände. Er jobbt zur Zeit in einer Werbeagentur bei einem größenwahnsinnigen Agenturchef. Und zu Hause wohnt über ihm der Junkie Herr von Eisen, auch kein Vergnügen. Mitpraktikantin Jeanette dagegen ist ein Lichtblick, Arne verliebt sich. Doch Jeanette zieht an ihm vorbei, dass ihm der Fahrtwind nur so um die Ohren pfeift. Arne muss etwas tun. Sollte am Ende Herr von Eisen ihm auf die Sprünge helfen?
Unser aller Boris Fust (of Festivalguide and Intro fame) hat mit "12 Stunden sind kein Tag" (Piper-Verlag, 2008, 224 Seiten) den definitiven PraktikantInnen-Roman geschrieben. Zur heutigen Veröffentlichung (26.06.2008) präsentieren wir euch auf intro.de eine exklusive Preview des 1. Kapitels.
Boris Fust "12 Stunden sind kein Tag"
Prolog
Meine Unterhose ist Schweizerin. Ich bin mir immer noch sicher, dass ich das eines Tages mal werde behaupten können. Schweiz, das klingt seriös. Neutral. Sauber. Wessen Unterhosen aus der Schweiz kommen, der hat es geschafft. Es gibt nicht viele Gelegenheiten, zu denen man mit einer Unterhose aus der Schweiz angeben könnte. Frauen wollen immer nur wissen, ob man Rechts- oder Linksträger ist. Auf mich trifft Letzteres zu. Nach Material oder Marke meiner Unterhose bin ich noch nie gefragt worden. Das Material: Baumwolle. Die Marke: ISAbodywear.
Ein helvetischer Slip im Schritt und drumherum eignet sich nicht als Gesprächsthema. Wer eine besitzt, ist ein echter Gentleman – als solcher schweigt er und genießt. Nicht den Stoff, nicht die Passform, nicht die dezente Optik. Sondern die Hochtechnologie. Auf den ersten Blick sieht alles ganz normal aus: schwarz, bieder, aber immerhin ohne Eingriff. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Schnitt optisch nicht vergrößert, obwohl ich sie noch nie anhatte. Das Teil kostet 29 Schweizer Franken. Keine Ahnung, wie viel das umgerechnet in Euro ist. Aber bestimmt zu viel. Es ist ja nur eine Unterhose. Und dann auch wieder nicht: Wenn man genau hinsieht, erkennt man ein Nadelstreifenmuster, kleine Silberfäden, die in den Stoff eingenäht wurden. Sie schützen vor Handystrahlung. Strahlen sind ja sowieso gefährlich: Man bekommt Kopfschmerzen davon,´ Bulimie, Krebs, Anorexia nervosa, Herzrhythmusstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, Neurodermitis, bipolare Störungen und Allergien gegen Milcheiweiß und Gluten (was immer das ist). Und jetzt geht angeblich auch noch der Sack kaputt, und man wird unfruchtbar.
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