William Gibson - Der Sci-Fi-Godfather im Interview: Hört die Signale! Artikelbild (groß)

William Gibson

Der Sci-Fi-Godfather im Interview: Hört die Signale!

20.04.2008, 11:59, Text: Wolfgang Frömberg

Es gilt als Gottvater des SF-Cyberpunk - seit er in den 80ern mit 'Neuromancer' debütierte. In dem Roman verquickte der in Vancouver lebende US-Amerikaner die reale mit der virtuellen Welt zum visionären Trip. Die Science-Fiction-Literatur wurde nachhaltig beeinflusst. William Gibson gelang nach einer Reihe solider Arbeiten im Jahr 2004 mit dem Roman 'Pattern Recognition' ('Mustererkennung') nochmals ein Aufsehen erregender Shift. Er verzichtete auf Zukunftsszenerien und richtete seinen Blick auf die Mechanismen der Gegenwart. Wolfgang Frömberg traf William Gibson in Köln, wo er im Rahmen der Litcologne auftrat. Er  sprach mit ihm über Arbeitsmethoden, die Auswirkungen von 9/11 auf 'Mustererkennung', das Internet, seine Position zu Copyrights und Gibsons jüngstes Baby 'Quellcode'.


Kann es sein, dass 'Quellcode'  nach 'Mustererkennung' den zweiten Teil einer neuen William-Gibson-Trologie bildet? Zuvor haben Sie schon zwei Mal drei jeweils inhaltlich miteinander in Verbindung stehende Romane veröffentlicht.
Nein, nicht unbedingt. Ich lasse mir selbst lieber die Möglichkeit offen, wie das nächste Buch gestaltet sein könnte. Ich habe damit auch noch gar nicht angefangen. Was meine Vergangenheit betrifft, ist es wahrscheinlich, dass es wieder ein Drei-Romane-Paket geben wird. Stimmt. Aber ich folge da keinem Masterplan. Zum Beispiel wusste während der Entwicklung von 'Quellcode' nicht, was sich im für die Handlung wichtigen Container befand, bevor das Buch fasst fertig war. Das Nichtwissen hat mich sehr nervös gemacht. Hätte ich es gewusst, wäre allerdings ein vollkommen anderer Roman herausgekommen. Und ich wäre damit sicher nicht sehr zufrieden gewesen. Die Erzählung entwickelt sich nämlich nicht aus einem Teil meiner Persönlichkeit, zu dem ich bewussten Zugang habe. Wenn man mich also zwingen würde, am Schreibtisch zu sitzen und mir den Plot von vorne bis hinten auszudenken, so wie die Handlungen von Hollywood-Filme vorgezeichnet werden, würde sicherlich bloß eine ziemlich unmotivierte Konstruktion im Dokument entstehen.

Könnte man diese Arbeitsweise in Anlehnung an Musik als "Jamming" bezeichnen?
Ich würde es eher "Sampling" nennen. Wenn ich an einem Buch schreibe, sample ich jede Menge Material aus der Welt um mich herum, aus meiner direkten Umgebung. Der größte Teil des kreativen Prozesses beinhaltet die Überprüfung des gesampleten Materials auf seine Nützlichkeit. Und, ja gut, beim "Jamming" mit dem gesampleten Material entsteht der Sound, der Ton der Erzählung. Ich nutze dieses Grundrauschen als eine Art Fundament, auf dem ich dann die gesamte Handlung aufbauen kann. Mir ist es unmöglich, anders zu arbeiten, denn dann verliere ich selbst das Interesse. Man stelle sich ein Buch vor, an dem der Autor während der Fertigung das Interesse verloren hat! Ich bin zu dieser Methode gelangt, indem ich an bestimmten Punkten meiner Arbeit nach Wegen suchte, die mich weitermachen ließen, ohne gelangweilt zu werden. Ich habe bloß diesen einen Weg gefunden.


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