Radiohead

Mehrheit zahlt nichts!

06.11.2007, 17:30, Text: Johannes Mihram
[88 Kommentare]

Seit dem 10. Oktober gibt es 'In Rainbows' von Radiohead bekanntlich als Download, nach dem Modell Pay-What-You-Want. Nach einer aktuellen Studie des auf Internetumfragen spezialisierten amerikanischen Unternehmens ComScore haben allerdings nur 38% der User überhaupt für den Download bezahlt, 17% zahlten $4 oder weniger und nur 12% waren bereit, zwischen $8 und $12 zu bezahlen. Allen euphorischen Meldungen von 1,2 Millionen (verkaufter) Downloads am ersten Verkaufstag zum Trotz. Die Band stört es indes wenig, immerhin war nicht nur der Medien-Buzz auf ihrer Seite, der Reinerlös aus den Verkäufen des Downloads dürfte trotz allem weit über den Einnahmen eines auch noch so lukrativen Plattendeals liegen.


Für Letzteren bekam bekanntlich das britische Label XL Recordings letztlich den Zuschlag, das 'In Rainbows' nun spätestens Anfang 2008 auch physisch in Europa veröffentlichen will. Bleibt die Frage, wie viele Menschen nun bereit sind, den normalen Preis für eine CD- oder LP-Version des Albums zu bezahlen. Jetzt, wo die Aufregung vorbei ist.

So oder so: Zumindest werden wohl an jenem noch fraglichen Datum nicht um kurz nach neun Uhr morgens die Foren überquillen mit den ersten und schnellsten Reviews und der Gewissheit, dass es so etwas wie ein \"globales Moment\" (gekoppelt an ein VÖ-Datum) auch und gerade im Internet-Zeitalter noch gibt.

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  • User: seemon
  • seemon 06.11.2007 | 22:06:19

    ich denke bei vielen downloadern lag die mangelnde zahlungsbereitschaft auch am mangel an kreditkarten. so zumindest bei mir. werd mir das vinyl aber noch zulegen.

  • User: Gandalf
  • Gandalf 08.11.2007 | 08:24:10
    Graue Eminenz
    na ja, das ist aber schon ein bischen sehr optimistisch gedacht. filesharing-plattformen gibt es ja auch immer noch, obwohl es viele downloads zu kaufen gibt.
    viele leute haben es auch sicher nur runtergeladen, weil sie nichts dafür bezahln mussten. entweder aus mangelndem interesse an radiohead, mangelnder bereitschaft für musik geld auszugeben, mangelndem geld oder warten auf physikalische tonträger.

  • betrayal 08.11.2007 | 08:39:13

    geenau! der pessimist sieht eben nicht, wie das album auf die unterschiedlichsten festplatten diffundiert ist. sogar icke hab' mir mit videotape nen richtjen virus zugelegt... hach.

  • User: Stitch
  • Stitch 08.11.2007 | 08:58:13
    neoliberaler Verschwo:rer
    war es nicht auch so, dass das ding nur in 160k-dateien angeboten wurde? dafuer wuerd ich auch nichts zahlen...

  • User: Peter Flore
  • Peter Flore 08.11.2007 | 09:27:30
    Köstlich
    Letzteres dürfte vor allem nicht wirklich rentabel sein...

  • User: Gandalf
  • Gandalf 08.11.2007 | 13:47:02
    Graue Eminenz
    das ganze ist ja wohl vor allem auch als promotool interessant. insofern natürlich ein ergänzender ansatz zu radiohead. offensichtlich nehmen ja trotz vieler umsonst-downloads radiohead damit noch genug ein. die frage ist ob das a) auch abseits des rummels um das besondere des radiohead-downloads und b) auch bei unbekannteren bands funktionieren kann.

  • User: Stitch
  • Stitch 08.11.2007 | 14:09:26
    neoliberaler Verschwo:rer
    natuerlich nehmen radiohead damit genug ein, weil sie damit eben weitaus mehr pro abgesetzter einheit rausbekommen als das, was die industrie ihnen uebriglassen wuerde.

    ich glaube nach wie vor, dass das auch bei unbekannteren bands funktionieren koennte, wenn die aufmerksamkeitsoekonomie eine andere waere, da ist allerdings noch eine menge entwicklung noetig. wenn thom yorke heute morgen einen furz oder pete doherty einen sack reis umfallen laesst, steht das bis zum mittag umgehend auf allen intros, pitchforks, popmatters usw, wenn eine bis dato unbekannte band den song des jahrzehnts veroeffentlicht, kriegt das aber erstmal keiner mit. die umorientierung, zum beispiel weg von intro-artigen medien, hin zu was neuem, anderen, wofuer das bislang unter dem beliebten schlagwort web2.0 zusammengefasste einen vorgeschmack geboten hat, die wird sicher noch etwas dauern. aber die ansaetze sind eben schon da.

    ich weise auch an dieser stelle nochmal auf diesen hervorragenden text sowie die linksammlung bei mir im blog hin.

  • User: lushnub
  • lushnub 08.11.2007 | 14:20:33
    cheerie poopin' deadies
    allein, was die an werbekosten gespart haben...

    hat jemand denn nun das album schon?

    und wer hat was dafür bezahlt?

    und wer hat ne kreditkarte?

    schließlich bekommt man das rundum-glücklich mit vinyl und so-paket scheinbar auch nur online...

    hilfe?

  • User: lushnub
  • lushnub 08.11.2007 | 14:23:50
    cheerie poopin' deadies
    ps: das vinylzeugs soll ein geschenk sein, (ist ja bald schon weihnachten) ich lege auf luxusgüter dieser art ja natürlich keinen wert... ;)

  • hansmoleman 08.11.2007 | 14:28:30
    ...behaupte ich mal so.
    das paket zum anfassen gibt's erst in einem monat.

    was das download-modell betrifft, ist es klar, dass radiohead dieses risiko eingehen konnten, da sie ihren schnitt offenbar schon gemacht haben. man sollte sich aber auch erinnern, dass vor 10 jahren die band metallica auf dem höhepunkt ihres erfolges nichts besseres zu tun hatte, als napster zu verklagen, weil ihnen die vorstellung unerträglich war, dass ihnen geld durch die lappen geht, owbwohl jeder von denen bereits multi-millionär war... da muss man eine band doch ausdrücklich loben, die sagt: es ist uns egal, ob wir irgendwie nochmehr geld machen könnten, wir wollen andere wege gehen.

  • User: theface
  • theface 08.11.2007 | 14:38:33

    für radiohead war das ja auch nur kalkuliertes risiko. die haben genug fans, die sich auch werkstattgeräusche produced by radiohead kaufen würden. falls wirklich 1,2 mio das album am ersten tag runtergeladen haben, und davon 12 % zwischen 8 und 12 dollar zahlten, dann macht das alleine beachtliche 1,44 bis 1,73 mio dollar! (hoffentlich nicht verrechnet).
    und das album auf cd wird wohl auch erfolgreich sein, die vinyl-box für 40 pfund (uiuiui!) wird weggehen, konzerte ausverkauft etc.
    also ganz so selbstlos war die aktion nicht. klappt natürlich auch nur bei einer band wie radiohead.

  • User: Stitch
  • Stitch 08.11.2007 | 14:39:00
    neoliberaler Verschwo:rer
    das ist insofern unfug, als dass radiohead gerade durch dieses vorgehen, wie bereits gesagt, mehr geld pro abgesetzter einheit erhalten haben, als die industrie ihnen uebrig gelassen haette. dazu kommt dann noch, dass sie das album ja schlussendlich auch noch an xl-recordings verkauft haben, die das ding dann doch auch als cd veroeffentlichen wird. dazu kommen noch die einnahmen fuer die vinyl-ausgabe und zack: haben sie eben doch ne menge geld gemacht UND sind ansatzweise neue wege gegangen...

  • hansmoleman 08.11.2007 | 14:44:26
    ...behaupte ich mal so.
    sie hätten bei einem anderen label als xl wesentlich mehr verdienen können und was face sagte, habe ich ja bereits so gesagt - vielleicht kam das nicht richtig an. weiter hoffe ich, dass wir uns alle einig sind, dass es daran nichts auszusetzen gibt, wenn eine band wie radiohead mit ihrer musik viel geld verdienen und somit auch der (vorallem bei plattenbossen) weit verbreiteten meinung widersprechen, dass man das nur mit werbetauglichem, marktwirtschaftlich kalkuliertem schrott erreichen kann.

  • User: Stitch
  • Stitch 08.11.2007 | 14:48:09
    neoliberaler Verschwo:rer
    von mir aus d'accord, bis auf die tatsache, dass sie bei einem anderen label mehr verdient haetten, das sei mal bitte dahingestellt.

  • User: Stitch
  • Stitch 08.11.2007 | 14:51:36
    neoliberaler Verschwo:rer
    und natuerlich, dass sie viel wesentlicher einer ganz anderen haltung widersprechen, naemlich der, dass musikdownloads unbedingt drm brauchen, damit die band auch ihr geld verdient. und vielleicht sogar der haltung, dass die musikindustrie notwendig ist, um musik als ware an den mann zu bringen.

  • hansmoleman 08.11.2007 | 14:53:13
    ...behaupte ich mal so.
    dann drehen wir den spiess mal um: radiohead waren mit sicherheit die begehrteste band ohne vertrag. alle majorlabels hatten grösstes interesse... glaubst du wirklich, dass xl das höchste angebot abgegeben hat?

  • User: Stitch
  • Stitch 08.11.2007 | 15:02:13
    neoliberaler Verschwo:rer
    das schliesse ich, unter den gegebenen rahmenbedingungen, zumindets nicht kategorisch aus. immerhin war doch klar, dass das ding als download, sogar quasi fuer umme, vorher vefuegbar sein wird, wenn die majors ihre propaganda auch nur ein stueck weit selbst glauben, und davon geh ich erstmal aus, dann muss denen das doch wie ein schlechtes geschaeft vorkommen.

  • hansmoleman 08.11.2007 | 15:10:49
    ...behaupte ich mal so.
    ...vorrausgesetzt der deal wird nur für ein album abgeschlossen. wenn xl tatsächlich das höchste angebot abgegeben hat, hätten diese das weit grössere risiko zu tragen, falls das album sich der downloads und der online-box wegen verhältnismässig schlecht verkauft. auf der anderen seite, darf man auch nicht vergessen, dass das album ja schon fertig ist, das label somit kein studio, etc. mehr bezahlen muss.

  • User: Stitch
  • Stitch 08.11.2007 | 15:15:57
    neoliberaler Verschwo:rer
    der deal laeuft doch, so wie ich das mitbekommen ahbe, fuer dieses eine album. alles andere hab ich oben selber gesagt. und ausserdem sollte man nicht so tun, als waere xl so ein kleiner wohnzimmer-indie, die sind schon ganz gut im geschaeft...

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