Pop in R(h)einkultur

Pop erklärt Pop

29.10.2007, 16:45, Text: Christian Steinbrink

Gibt es Pop-Theorie wirklich? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Pop, Popkultur und populärer Kultur? Was genau unterschied die Diedrichsen-Spex von der Nieswandt-Spex? Wann wurde da was postmodern? Und was sagt eigentlich Nieswandt selbst dazu? Obwohl sich die Zentralorgane der Popkultur schon seit Jahrzehnten an Diskursen über Pop abmühen, bleibt bei dem Versuch einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Feld vor allem eines: Viele Fragen.


Anders ausgedrückt: Trotz vieler Aufsätze und Abhandlungen über einzelne Bereiche wie Krautrock, Techno, Mods oder Gothics blieben die Akteure der Wissenschaft eine Systematik oder Dialektik des Popdiskurses immer irgendwie schuldig. Viele Methoden und Theoriestränge wurden zur Analyse herangezogen, selten erwies sich eins dieser Werkzeuge als brauchbar genug, um damit sowohl Fanverhalten als auch soziale Effekte in einen Zusammenhang zu stellen.

Dementsprechend heterogen waren die Vortragsthemen der Tagung Pop in R(h)einkultur. Oberflächenästhetik und Alltagskultur in der Region, die am 18.-19.10. als zentraler Teil der Veranstaltungsreihe Pop am Rhein im Düsseldorfer Palais Wittgenstein stattfand. Und obwohl sich viele der Teilnehmenden sicher generell ein besseres Handwerkszeug zur Analyse von Pop wünschen, war es am Ende gar nicht schlimm, dass diese Leistung nicht erbracht werden konnte. Stattdessen redete man über den Zustand der Kultur- und Medienpolitik in NRW und den wohl größten Vertreter der rheinischen Popliteratur, Rolf-Dieter Brinkmann (Foto), man ließ sich von Thorsten Sellheim den Werdegang des WDR Rockpalast erzählen und erfuhr von eingangs erwähntem Nieswandt einiges über die Clubkultur der Gegend, nachdem vorher Jochen Bonz unter den Augen von Nieswandt selbst die Besonderheiten der von ihm chefredaktionell betreuten (Kölner) Spex der Jahre 1990-1992 herausgearbeitet hatte.

Den Rahmen und die Möglichkeiten der Tagung hatte da schon Marcus S. Kleiner, einer der Initiatoren der Veranstaltungsreihe, in seinem Eröffnungsvortrag vorgegeben. Und schon in seinen Worten wurde klar, dass es mit der in der Ankündigung noch proklamierten \\"Zäsur in der Auseinandersetzung mit der deutschen Popkultur\\" wohl doch nicht so ganz klappen würde. Kleiner stellte in drastischen Worten klar, dass es eine Pop-Theorie, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen würde, bis heute nicht gibt. Dass sogar omnipräsente Begriffe des Diskurses kaum definiert sind. Und nicht zuletzt, dass nur die transdisziplinäre Wissenschaft in der Lage sein dürfte, diese zur Analyse notwendigen Grundlagen zu liefern. Das diese Aufgaben mehr Zeit bedürfen als zwei Tage Konferenz, war spätestens da allen Anwesenden klar.

Und doch ist die Darstellung von Popkultur als eine Kultur der Region praktikabel und spannend, das zeigt auch die große Anteilnahme der Kulturschaffenden, an diesem Projekt zu partizipieren. Im Heinrich-Heine-Institut läuft seit Mitte September eine sehr kleinteilige und aus vielen privaten Sammlungen zusammengetragene Ausstellung über die Popliteraturgeschichte NRWs, und bis Mitte Februar finden in Köln, Bonn und Düsseldorf noch zahlreiche weitere, oft kleine Veranstaltungen statt, die von Musik über Literatur bis hin zu Film kein mit Pop befasstes Thema auslassen. Und diese Feststellung könnte auch als eine Art politisches Fazit aus der Tagung herhalten: Der kommerzielle Branchenzweig der Popkultur mag ebenso wie die Kulturpolitik des Landes in der Krise stecken, die kleinen Bereiche der Sub- und Spartenkultur tangiert das aber nur peripher. Das darf man aus der Tatsache schließen, dass es an kleinen und ausdifferenzierten Low- und No Budget-Initiativen und entsprechenden Veranstaltungen, gerade dieser Tage im Rahmen von Pop am Rhein, nicht mangelt.

.: www.popamrhein.de :.



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