Filmstarts 25.10.07

Die Ermordung des Jesse James...u.v.a.

25.10.2007, 17:15, Text: Alexander Dahas

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
R: Andrew Dominik; D: Brad Pitt, Casey Affleck, Sam Shepard, Mary-Louise Parker etc.
Laut Folklore war Jesse James der Desperado mit dem human touch, der den Analphabeten aus dem Mittleren Westen als eine Art moderner Robin Hood galt. \\\\"Print the myth!\\\\" scheint dieser Film zu sagen, der Jesse und eigentlich alle andern Figuren der Handlung als gefährliche Psychopathen darstellt, die von menschlichen Verhaltensregeln schlicht überfordert sind. 'Jesse James' ist ein schwer nihilistischer, knapp 160 Minuten langer Film, der seine überlegene Herrenmoden-Ästhetik zu der Botschaft nutzt, dass der Mensch ein mieser Opportunist ist, der eher alle anderen auf sein Niveau herunterziehen würde, als sich mal zusammenzureißen. Die ungesunde Beziehung von Ruhm und Selbstwertgefühl prangt praktisch in Leuchtbuchstaben über jeder Einstellung. Was soll's: Die Schauspieler sind klasse und die Bilder ziemlich großartig.


En la Cama
R: Mathías Bize; D: Blanca Lewin, Gonzalo Valenzuela etc.
Zwei Fremde treffen sich in einem Hotelzimmer, um zu pimpern. Zwischendurch reden sie auch, und wer will, kann in diese Allerweltsgespräche tiefgründige Meditationen über Nähe und Entfremdung, Bedürfnis und Überdruss hineinlesen. Wer will, kann den beiden natürlich auch nur beim Sex zugucken und sich vorstellen, dass es irgendetwas fürs eigene Dasein bedeutet, wenn sich zwei Unbekannte auf der Leinwand paaren. Die Unverfrorenheit, mit der 'En la Cama' diese zweite Option nahe legt, hätte man 2007 eigentlich nicht mehr für möglich gehalten, aber der Film ist eben nicht gerade '9 Songs', und eine selbstbewusste und freudige Sexualität natürlich auch nirgendwo selbstverständlich.

Odette Toulemonde
R: Eric-Emmanuel Schmitt; D: Catherine Frot, Albert Dupontel, Jaques Weber etc.
Die Kaufhausangestellte Odette Toulemonde lebt für ihre Tagträume, die vor allem von den Schundromanen eines Heile-Welt-Autoren befeuert werden. Eines Tages steht dieser Typ persönlich vor Odette und fragt, ob sie all das ernst gemeint hätte, was sie in die Fanpost geschrieben hat. Stephen King würde aus einer solchen Prämisse wahrscheinlich einiges machen können, in diesem Streifen wird das Sinistre in der Autor-Leser-Beziehung jedoch sorgfältig ausgeklammert. Stattdessen entschließt sich 'Odette Toulemonde' zu einer halbherzigen Hymne auf die \\\\"einfachen Leute\\\\" und verhebt sich mit seinen Kommentaren zum Verhältnis von Kitsch, Kultur und Medienmacht. Vor allem aber leidet die behauptete Leichtigkeit des Films praktisch mit jeder Minute.

Halloween
R: Rob Zombie; D: Scout Taylor-Compton, Malcolm McDowell, Tylor Mane, Sheri Moon etc.
Ein privater Nachmittag mit Rob Zombie gehört sicher zu den lustigsten Lebenserfahrungen überhaupt. Der kreative Output des Astrocreeps 2000 ist gleichzeitig relativ scheckig: Platten zwischen charmant und langweilig und Filme von so berauschender Diesseitigkeit, dass das Fantasy Filmfest zurecht fragte: Metaphysisches Meisterwerk oder klassischer Mindfuck? Zombies 'Halloween'-Remake ist insgesamt überraschend vorlagengetreu und beeindruckt eher mit den handwerklichen Fähigkeiten des ehemaligen Enfant Terrible als mit innovativen Einfällen oder krank individueller Handschrift. Hübsch vor allem die herrlich entmenschte Familie am Anfang und die souveräne Inszenierung nackter blutverschmierter Busen gegen Ende. Das Brutalitätslevel ist für einen Mainstreamfilm befriedigend hoch, und die meisten Pressekollegen hatten nach der Vorstellung keinen Bock mehr auf den zweiten Film.



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