Sportfreunde Stiller

Mehmet Scholl und das Abschiedsspiel

[Das Interview.]

15.08.2007, 15:30, Text: Alex Raack

Wenn der FC Bayern München heute Abend gegen den FC Barcelona aufläuft, wird Mehmet Scholl zum letzten Mal die Fußballstiefel schnüren. Unsere Kollegen von 11 FREUNDE sprachen mit Peter und Rüde von Sportfreunde Stiller über Schollis einzigartige Karriere.


Jungs, wo seid ihr heute Abend um 18 Uhr?
Peter: Natürlich in der schönen Allianz Arena zu München beim Abschiedspiel vom Mehmet. Glücklicherweise hindern uns keine Termine am Erscheinen. Wir haben Mehmet vor fünf Jahren eher zufällig kennen gelernt. Heute kann man uns schon als Freunde bezeichnen.

Was war das Besondere am Spieler Scholl?
Peter: Ich mochte einfach seine ganze Spielweise. Immer war etwas Verrücktes dabei, sei es ein überraschender Haken oder ein spektakuläres Dribbling. Er spielte all die Jahre völlig unberechenbar für seine Gegner.
Rüde: Und er ist immer wieder aufgestanden! Auch das machte für mich einen Teil seiner Faszination aus. Er wurde immer wieder von seinen Gegenspielern umgetreten, hat sich andauernd die Bänder gerissen, aber er kam mit einem Grinsen auf dem Gesicht zurück und haute bei seinem Comeback mit drei Hütten die Löwen weg.



Habt ihr schon einmal mit ihm auf dem Platz gestanden?

Peter: Einmal. Da hat er mich brutal von hinten umgemäht, genau auf die Achillessehne, ganz ohne Vorwarnung. Er ist mir richtig in die Beine gesprungen. Ich habe also noch einen Tritt bei ihm gut. Wenn ich ihn das nächste Mal in der Innenstadt sehe, grätsche ich ihn kommentarlos um. Jetzt muss ich auch keine Angst haben, dass er am nächsten Spieltag verletzt auf der Bank sitzt (lacht).

Mehmet Scholl hat gesagt, dass seine Krankenakte untrennbar mit seiner Vita verbunden ist.
Peter: Die ganzen Verletzungen gehören genauso zu der Geschichte von Mehmet Scholl wie die Auswechslung im EM-Finale 1996 oder der verschossene Elfmeter 2001 im Champions-League-Finale.
Rüde: Oder solche Sprüche wie \\\"Hängt die Grünen, so lange es noch Bäume gibt\\\". Egal, wie er das damals gemeint hat: Ich fand es einfach klasse, dass mal jemand seinen Mund aufmachte. Podolski zeigte in München am Anfang auch gute Ansätze, aber zuletzt hat er sich etwas zurückgenommen. Leider.
Peter: Bei den Kommentaren nach dem Spiel dreschen noch immer alle dieselben Phrasen: Also, äh…und so. Mehmets Verzicht auf die WM 2002 hatte ja auch damit zu tun, dass er mit den anderen Spielern in der Nationalmannschaft nichts mehr anfangen konnte. Da hat er sich lieber für die Bayern geschont, statt nach Japan und Südkorea zu fahren.

Auf die Frage, was er im nächsten Leben werden wolle, hat Scholl geantwortet: \\\"Hund von Uli Hoeneß\\\".
Rüde: Genau solche Sprüche werden uns fehlen. Mario Basler war ein ähnlicher Charakter, der hat auch mal einen rausgehauen. Und auf dem Platz hat er die Ecken direkt verwandelt. Ich bin jedes Mal wieder aufs Neue beeindruckt, wenn sich ein Spieler hinstellt und den Ball in den Winkel zirkelt.

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