
Frauengespräche
mit Ellen Allien, Anja Schneider, Heidi & Magda
03.07.2007, 11:30, Text:
Philipp Cerfontaine
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Die Idee: ein Roundtable mit den momentan gefragtesten weiblichen DJs zur Sónar-Zeit. Die Realität: Nicht umsetzbar - zu viele Termine an allen Fronten. So wurde kurzerhand umdisponiert und Ellen Allien (Bpitch Control), Anja Schneider (Mobilee), Magda (M_nus) und Heidi (Get Physical) in Einzelgesprächen die Möglichkeit gegeben, über ihr Leben im von Männern dominierten DJ-Zirkus, attraktive Kollegen und dicke Joints von Snoop Dogg zu plaudern.
Das Sónar läutet den Sommer ein und damit die Festivalsaison. Was macht für euch den Unterschied aus, im Club oder unter freiem Himmel zu spielen?
Ellen Allien: Ich mag die Vielfalt. Ob ich nun im Club oder Open-Air spiele, ist mir egal. Unter freiem Himmel aufzulegen setzt sicherlich noch mehr Energie frei. Das kann dann natürlich auch ein bisschen mehr abgehen, aber genauso ist das in einem kleinen Raum möglich. Draußen lege ich definitiv anders auf. Da ist alles leichter, der Fokus liegt mehr auf der Melodie und weniger auf dem Druck der Bassdrum. So etwas gibt die Anlage oft gar nicht her. Hier am Strand oder in der Bar 25 machen solche Tracks einfach keinen Sinn, da musst du filigranere Musik spielen. Deshalb gibt es ja diesen Hype um Berlin und Minimal, wo diese Musik perfekt zu den meist kleineren Anlagen der Afterhour-Parties passt.
Anja Schneider: Im Club ist alles übersichtlicher. Festivals sind da viel größer, da muss man eigentlich schon etwas zackiger spielen. Was mir besser gefällt, kann ich eigentlich gar nicht sagen. Mir bereitet beides wahnsinnigen Spaß. Ich würde sagen, in einem kleinen Club ist man noch ein wenig aufgeregter, da der Kontakt zum Publikum intensiver ist. Wenn du da einen Fehler machst oder den falschen Sound spielst, bekommst du das voll ab.
Magda: Es ist definitiv ein anderes Gefühl. Mir macht es mehr Spaß, draußen zu spielen. Ich denke, die Leute sehen das ähnlich. Es ist halt alles entspannter. Gewöhnlich spiele ich dementsprechend leichteres Zeug.
Heidi: Wenn ich draußen spiele, ist die Musik leichter, mit mehr Vocals. Keine dunkle Techno-Tracks, die sind mehr für Clubs mit großen Anlagen geeignet.
Stichwort \\\\\\\\\\"Club\\\\\\\\\\": Der Tresor hat letztens wiedereröffnet. Was haltet ihr davon?
Ellen Allien: Im Tresor entspringen ja quasi meine Wurzeln. Damals, in den Neunzigern. Dimitri (Hegemann, Gründer des Tresors) war mein Ziehvater, der mir so viel beigebracht hat. Er war es, der mich fragte, ob ich nicht auch mal im (alten) Tresor spielen möchte. Die Wiedereröffnung finde ich wichtig, ich mag die neue Location. Der Tresor hat einfach seinen Platz in Berlin, er ist ein Teil der Techno-Bewegung.
Anja Schneider: Ich finde das super. Ich begrüße eigentlich jeden Club, der in Berlin aufmacht. Besonders den Tresor, der eine Marke ist und so wichtig für die Stadt war. Zur Eröffnung selber bin ich nicht gegangen, dass war mir alles zu hysterisch. Letzte Woche habe ich ihn mir mal angeschaut. Ich bin extra früh um 23 Uhr dort gewesen, um mal in Ruhe durch die ganzen Räume zu gehen. Das Schöne war: ich habe mich wirklich so gefühlt wie im alten Tresor. Ich finde es toll, dass die Jungs mit ihrem Line-up strikt so weitermachen wie sie es schon immer gemacht haben. Die werden jetzt nicht den x-ten Minimal-DJ buchen, nur weil es gerade gut funktioniert.
Magda: Ich war noch nicht dort, weil ich am Tag der Eröffnung nach Amerika geflogen bin. Bis jetzt habe ich aber nur Gutes gehört.
Erstickt die Stadt nicht langsam am dem Überangebot der Clubs? Die Leute wissen ja kaum mehr, wohin sie abends gehen sollen.
Ellen Allien: Alle Parties sind voll! Vor zehn Jahren gab es nur den Tresor oder das E-Werk. Entweder war halt das E-Werk oder der Tresor voll. Da gab es noch nicht diesen Touristenandrang. Das hat sich mit der Zeit schlagartig geändert. Heute gibt es verschiedene Szene, weshalb du dir vor dem Weggehen genau überlegst, wohin du gehst. Die alternative und schwule Szene geht in die Panoramabar und ins Berghain, Brandenburger in den Tresor und die Schicken ins Weekend. Das interessanteste Publikum findest du derzeit im Watergate. Dort ist die Mischung einfach am besten.
Anja Schneider: Man sollte nicht vergessen, dass gleichzeitig viele Clubs auch wieder zumachen. Das bekommt man oft gar nicht mit. Das WMF fehlt meiner Meinung besonders, weil es halt so eine schöne Sommer-Location war und dort auch mal eine andere Musikrichtung gespielt wurde. Außerdem herrscht in der Stadt ein extremer Rave-Tourismus. Geh mal in die Panoramabar oder ins Berghain, da wird kaum noch deutsch gesprochen. Ich finde das sehr interessant, weil man stetig neue Leute kennenlernt. Sicherlich gibt es auch Parties, die nicht so gut funktionieren, dass liegt aber eher an anderen Gründen.
Magda: In Berlin gibt es einfach so viele Menschen, die in der Clubszene stecken. Es gibt die Leute, die in den Tresor gehen und andere gehen halte am selben Abend in die Panoramabar. Die meisten Clubs sind selbst dann voll, wenn alle am selben Abend ein starkes Line-up haben.
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