Art Brut

Das komplette Interview

19.06.2007, 19:00, Text: Peter Flore, Foto: Arne Sattler

Eddie Argos wird nicht müde zu betonen, dass seine Band Art Brut nicht witzig sein will, sondern im Idealfall einfach aufrichtig. Dass das die Leute wiederum oft sehr witzig finden, ist für den gefühlt drei Meter großen Hünen aber ein netter Nebeneffekt. Das ganze, ungekürzte Interview.


The Smiths haben mal gesungen \"That Joke Isn't Funny Anymore\". Aber es gibt ja auch die guten Witze, die immer besser werden, je öfter man sie erzählt. Wie sieht es mit dem aus, in dem eine junge DIY-Band auf einmal um die Welt tourt?

Eddie Argos: Der ist gut, oder? (lacht) Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte. Wir versuchen einfach, uns selbst ständig zu überraschen…

...immerhin habt ihr vor zwei Jahren mit \"Formed A Band\" keck prophezeit, bei Top Of The Pops aufzutreten, was euch auch prompt gelang. Spinnt man das weiter, müsste euer Song \"Direct Hit\" jetzt der nächste Volltreffer werden…
Das ist der Plan! Genauso soll und wird es laufen: Wir sagen etwas und das tritt dann ein. Diese self fulfilling prophecies scheinen unser Ding zu sein. Top Of The Pops ist ja nun leider buchstäblich Geschichte, also ziehen wir weiter.


Ihr scheint das aber auch selbst immer noch als großen, gelungenen Witz zu begreifen. Als ich euch vor einem Jahr auf dem Melt! traf, erzähltet ihr mir, dass ihr am darauf folgenden Tag in New York spielen würdet und kommentiertet das mit \"That's fine. We're international popstars\"…
(alle lachen)

Ihr infiltriert ja geradezu das ganze System. In einem eurer neuen Songs, I Will Survive, gibt es die Textzeile \"I don't know what I'm doing but it feels like success\". Fasst der die Band nicht wunderbar zusammmen?
Mikey B: Ein bisschen schon, ja. Wir planen nie etwas. Wir setzen uns nicht hin und sagen, dieses oder jenes muss jetzt der nächste Schritt sein, denn das würde wohl auch nicht klappen, zumindest nicht bei uns. Wir haben keine Ahnung, also machen wir einfach irgendwas, ohne einem konkreten Plan zu folgen. Auf diese Weise überrascht man sich selbst am häufigsten und das ist wirklich nett.


Ihr habt ja fast als Guerilla-Band angefangen, habt Demos kostenlos in der Stadt verteilt, an Bushaltestellen ausgelegt und wolltet eure Single ursprünglich mal nur in Second-Hand-Shops verkaufen, damit die Leute sich fragen: Art Brut, wer war das denn noch mal…? Und jetzt habt ihr einen Major-Vertrag…
Eddie Argos: Das ist schon wirklich verrückt. Der Plan - und da hatten wir wohl mal einen - war ja, dass Leute die CDs finden und uns dann kontaktieren. Nicht eine Antwort haben wir bekommen. Da sieht man ja mal, dass man derlei Dinge eben nicht planen kann.

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