
Battles
Im Interview
27.04.2007, 20:00, Text:
Heiko Behr
Ein ausführliches Interview mit zwei Bandmitgliedern von Battles, namentlich Ian Williams (Ex-Don Caballero) und Dave Konopka (Ex-Lynx). Abwesend: Tyondai Braxton und John Stanier (Ex-Helmet). Heiko Behr hat trotzdem nachgefragt.
Vielleicht stellt ihr euch klassischerweise einfach mal kurz gegenseitig vor.
Ian: Als wir mit der Band angefangen haben, hab ich Dave auf der Straße getroffen und so erst mitbekommen, dass er in New York lebt. Ich kannte ihn noch aus Boston, vom College, und meine alte Band spielte dort oft mit seiner alten Band.
Dave: Ian ist der Extraordinaire der Band, er spielt Gitarre und Keyboards, meistens gleichzeitig. Es ist eine Freakshow, sich das live anzugucken.
Ihr habt ja die ersten beiden EPs auf kleinen US-Labels rausgebracht, das komplette Album erscheint jetzt bei Warp. Wie kam´s dazu?
D: Als Ty und Ian noch Solosachen eingespielt haben, wurden wir gefragt, ob wir nicht ein Konzert spielen wollten. Kurz danach haben wir dann John noch in die Band gebracht, unseren Schlagzeuger. Dann ging es weiter mit Shows und wir entwickelten immer mehr Songs zusammen. Da kam der Punkt, wo wir dachten \\"Wir sollten diesen Prozess dokumentieren.\\" Die EPs, die so entstanden, waren also eher eine Zusammenfassung von unserem gemeinsamen Wachsen. Wir wussten also gar nicht genau, wohin wir uns entwickeln würden, deswegen würde ich es als \\"Soft Release\\" bezeichnen. Und eben gerade nicht \\"ein komplettes Album mit den Typen von Don Caballero und Helmet\\". Außerdem gab es diese Idee, mit einem Ostküsten- und einem Westküstenlabel zusammenzuarbeiten, um die Fanbases quasi von beiden Seiten aus anzugehen. Das war also erst auch auf Amerika beschränkt, erst mit dem Vertrag von Warp wurden die EPs dann noch mal in Europa rausgebracht.
Das klingt ja wie ein ausgefuchster, strategischer Plan: Westküste hier, Ostküste da…
I: Irgendwie schon. Die EPs kamen ja auch gleichzeitig raus, das hatten wir von den Labels so gefordert, man könnte es als Experiment bezeichnen. Es hatte auch viel mit der Langeweile zu tun, die bei unseren alten Bands aufgekommen war. Wir wollten einen neuen Weg finden für die Veröffentlichungspolitik. Einfach mal gucken: wie viel Verwirrung kann man damit anrichten? Zwei verschiedene EPs zur gleichen Zeit auf verschiedenen Labels…
D: Seltsam ist dabei für uns, dass es uns ja schon seit vier Jahren gibt und wir trotzdem jetzt erst das erste komplette Album rausbringen…
Ein Album auf Warp zu veröffentlichen gilt ja immer noch als Statement, wie bei Maximo Park zum Beispiel: \\"Hey, eine Rockband bei Warp! Was geht da ab?\\" Erhofft ihr euch einen ähnlichen Effekt?
I: Unser Publikum ist sowieso sehr unterschiedlich, wir haben Backpacker-HipHopper, Electronic-Fans, Rock´n´Roller, durch John kommen viele Heavy-Rock-Hörer, dann spielt er ja auch oft einen Funk-beeinflussten Stil… Also ich denke, Warp geht eine neue Richtung, in der stilistische Unterschiede keine Rolle mehr spielen. Gerade dieser Mangel an Definition ist gut für uns. Weil wir gleichzeitig in verschiedene Richtungen ausstrahlen wollen - auch aufgrund unserer eigenen unterschiedlichen musikalischen Vorlieben.
In wieweit unterscheidet ihr euch denn da?
I: Wir haben ziemlich unterschiedliche Vorstellungen, wo wir mit der Band hinwollen. Und es gibt keinen Chef bei uns. Irgendjemand schlägt eine Grundidee vor, die wird dann verändert und mäandert immer weiter. Und irgendwann steht der Song.
Ist es schwierig zu sagen, Stop, nicht noch mal den ganzen Prozess durchmachen, das Ding steht so?
D: Deadlines sind wichtig. (lachen) Wir sehen unsere Songs als flüssige, sich ständig bewegende Gebilde. Besonders live werden dann Nuancen anders betont. Bei unseren alten EPs kann das schon mal ganz anders klingen auf der Bühne. Wir sind mit dem Material sehr vertraut und können sie so verbessern. Unsere Songstrukturen sind elastisch. Wir wissen, was wir spielen - aber es gibt großen Spielraum.
I: Je mehr wir touren, desto selbstbewusster werden wir. Könnte man das Improvisieren nennen? Ich würde sagen nein. Aber wir dehnen die Spielräume aus - einfach damit uns nicht langweilig wird. Es geht also weniger darum, noch mal durch die Emotionen zu gehen, die man beim Aufnehmen der Platte hatte, wir wollen uns einfach wohlfühlen mit den Songs.
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