Unorte der Popkultur

Die Abwesenheit von Cool

24.04.2007, 20:00, Text: linus volkmann

Es gibt nur cool und uncool und wie scheiße du aussiehst. Noch mal zurück in Nashville, Tennessee, noch mal zurück zur Lustreise nach Jack-Daniels-Country . Dafür dass einst Lothar Späth so einen ähnlichen Trip angenommen hatte, ist er seinerzeit ja aus dem Amt des Ministerpräsidenten gejagt worden. Ein Glück steht man dagegen als Pop-Schreiber ohnehin kaum unter Zurechnungsfähigkeitsverdacht und kann gern als embedded journalist dokumentieren, was die Markenwelt fürs eigene Image alles so auffährt. Bei Jack Daniels war es die vielvölkerige benetton-mäßig besetzte Fete in ihrer Heimat Nashville.


Neben den Hauptattraktionen Kaiser Chiefs und The Rapture gab es aber eben auch einen nachmittäglichen Gig, bei dem Siegerbands nationaler Ausscheidungen nun endlich international zum Zuge kamen. Eine war so bizarr, von ihr kann man einfach nicht schweigen: Cosa Mala aus Spanien. Um 14 Uhr rennen sie auf die Bühne, der Sänger wickelt hektisch sein Schnuffeltuch um den Mikroständer. Los geht's! Auf den ersten Blick sieht man, dass es sich um sehr hässliche Characters handelt. Der Bassist mit der Kappe geht vielleicht noch. Aber Gitarrist sowie Sänger sind hoffnungslose Riesenbabys im Neunziger-Grunge-Style gemischt mit ein bisschen iberischer Folklore. Als sie losrocken, flippt die spanische Crowd motiviert aus. Aus patriotischer Verbundenheit, versteht sich. Alle anderen Gäste rollen schmerzhaft mit den Augen. Denn was sie sehen, ist nicht nur die komplette Abwesenheit von Cool sondern gleich auch noch das genaue Gegenteil von Cool. Diese Diskrepanz wird dabei ordentlich davon gepusht, dass die Jungs offensichtlich denken, sie würden rocken wie sonstwer. Ich bin begeistert.

Und es ist nicht nur der ironische Zugang, es ist so rührend. Wie wenn sich der Elefantenmann hübsch zurecht macht und stolz bei Germany's Next Topmodel aufläuft. Alle Rockklischees vom Speicher werden hier abgefeuert, der einzige, der etwas Englisch kann, ist der Bassist, der Sänger bleibt konsequent im Spanisch.

Eine Mischung aus Cheap Trick und Heroes Del Silencio. Es ist so wow. Zum Schluss fassen sie sich erschöpft, schwitzend um die Hüften und verbeugen sich, der Schlagzeuger reißt seine Sticks hoch. Wo habe ich so ein Bild zum letzten Mal gesehen? Im Theater fassen sich alle bei den Händen, wenn sich verbeugt wird, nee, nee, jetzt weiß ich es: Auf dem Backcover von Bon Jovis 'Slippery When Wet'.



Herrlich. Das Spektakel ist vorbei. Alle anderen im Saal fanden die Band peinlich. Diese Cretins, denen fehlt Herz und Blick, denke ich. Und spreche die Jungs abends bei The Rapture an. Bekomme ein Autogramm (der Sänger glaubt anscheinend, dass ich \\"Lynds\\" heiße) und dieses Foto hier. Geilofant. Cosa Mala, merken Sie sich diesen Namen gut. Denn sie werden niemals wieder von ihm hören.

P.S.: Cosa Mala heißt übrigens so viel wie \\"die schlechte Sache\\". Mehr unter cosamala.com



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