Filmstarts 12.04.07

Bombastische Schmus-Formeln

12.04.2007, 10:00, Text: Alexander Dahas

Goodbye Bafana
R: Bille August; D: Joseph Fiennes, Dennis Haysbert, Diane Kruger, Shiloh Henderson etc.
Als der junge Gefängnisbeamte James Gregory Anfang der Sechziger Jahre seinen Dienst in einem südafrikanischen Gefängnis antritt, ist der Mann noch voller Ideale. In seinem Fall sind das Loyalität, Ehrgeiz und kritikloser Gehorsam, der seiner Auffassung entspricht, die da oben wüssten schon, was sie tun. Gregory und seine Frau wollen selber einmal nach oben, und deshalb empfiehlt sich der Dienst nach Vorschrift und die Freizeitgestaltung nach Maßgabe der Obrigkeit. Es ist die Ära der Apartheid, und die privilegierte weiße Minderheit verschanzt sich in ihren Luxusvororten, während die Zustände in den Innenstädten immer explosiver werden. Die Gefängnisse sind voller mutmaßlicher Terroristen, und eines Tages bekommt das von Gregory Zuwachs: ein gewisser Mandela, der politische Führer der Bürgerrechtsbewegung, und das charismatische Symbol der ANC-Partei. Die Machthaber können es sich bereits nicht mehr leisten, den populären Politiker einfach verschwinden zu lassen, und setzen deshalb auf ein zermürbendes System aus Einschüchterung und Druck, das Gregory zunehmend falsch vorkommt. Doch der kleine Beamte ist selber befangen… Fast 15 Jahre liegt der Machtwechsel in Südafrika nun schon zurück, und dennoch fand Regisseur Bille August ('Das Geisterhaus') in dieser Romanverfilmung offenbar etwas Erzählenswertes, das über bloßes Geschichtsdrama hinausgeht. In 'Goodbye Bafana' ist es leicht, sich unbeteiligt und gut zu fühlen, dafür sorgt neben der moralisch überschaubaren Landschaft schon der Zeitfilter, der das bekannte Happy End schon vorwegnimmt. Zudem hält sich der Film mit Gewalt- und Massenszenen zurück, und inszeniert seine unwahrscheinlichen Helden lieber kammerspielartig in den engen Räumen hinter der Gefängnismauer. Anstatt knisternder Dialoge gibt es dort allerdings vornehmlich triste Routine zu finden, die den zentralen Konflikt des Films lange im Dunkeln lässt. Dass Zivilcourage nicht viele Worte braucht, wirkt bei einer Handlung, die fast 30 Jahre umspannt, auch nicht gerade förderlich für die Dramaturgie. Am Ende ist es diese Konturlosigkeit der Story und der matten Figuren, die 'Goodbye Bafana' im Mittelmaß wohlmeinend engagierter Problemfilme versinken lassen. Dass der Wahrheitsgehalt der Buchvorlage dabei selber heftig umstritten ist, passt nur zu gut ins Bild.


Robert Altmans Last Radio Show
R: Robert Altman; D: Woody Harrelson, Tommy Lee Jones, Kevin Kline, Lindsay Lohan, Virginia Madsen, John C. Reilly, Meryl Streep etc.
Es sind die buchstäblich letzten Stunden einer altmodischen Radioshow, die noch einmal die einschlägigen Stars von Country bis Tin Pan Alley vorbeiflanieren lässt, ehe die altehrwürdige Veranstaltung zugunsten des Formatradios abgewickelt wird. Hinter der Bühne herrscht Götterdämmerung, während die Show im Saal weitergehen muss, man ist schließlich Profi. Es ist dieses Kino der leisen Töne, das mit honigfarbenem Sentiment einer Zeit nachtrauert, die ganz objektiv zu teuer ist für die Ton angebende Wegwerfgesellschaft. Regie-Veteran Altman ('Gosford Park') verpasst sich mit 'Prairie Home Companion' (OT) selbst ein stilvolles und warmherziges Requiem, das zwischen eiliger Nostalgie und fatalistischer Schärfe genau die richtigen Töne trifft. Fadenscheinige Authentizität wird hier nicht behauptet, sondern durch die virtuos-professionellen Performances generiert, während man noch zuguckt. Die beseelten Darstellungen und das gleichzeitig rasante wie gemütliche Tempo lassen eine melancholische Torschlussstimmung aufkommen, die sich für den mußevollen Kinogänger als charmanter Glücksfall erweist. Film der Woche, no contest.

Verführung einer Fremden
R: James Foley; D: Halle Berry, Bruce Willis, Jason Antoon, Giovanni Ribisi etc.
Eine Enthüllungsjournalistin wird durch den Mord an einer Bekannten zu einer Reportage angestiftet, die die Karriere eines berühmt-berüchtigten Werbe-Chefs aufs Spiel setzen könnte. Doch schon kurz nach Beginn der Ermittlungen schwant der Reporterin, dass bei dem Fall so manche Hidden Agenda im Spiel sein könnte. Sowohl Bruce Willis ('Colour Of Night') als auch Halle Berry ('Passwort: Swordfish') gelten als Personen, die in puncto Filmauswahl schon so manch haltlose Fehlentscheidung getroffen haben, für die sich das Publikum dann gerne fremdschämt. Da erleichtert einen fast schon die Tatsache, dass 'Verführung...' ein fähiger kleiner Suspense-Thriller ist, der ganz ohne sleazy Einfälle und bombastische Schmus-Formeln daherkommt. Hübsch zurechtgemachte Bilder und eine abgespeckte und tatsächlich überdurchschnittlich originelle Story tun ihr übriges dafür, dass man sich in zwei Jahren vor dem Fernseher fragt: Warum habe ich von diesem Film eigentlich nichts mitgekriegt, als der im Kino war?

Twentynine Palms

R: Bruno Dumont; D: Yekaterina Golubeva, David Wissak etc.
So richtig passieren tut in 'Twentynine Palms' (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Rachel Leigh Cook-Fim) eigentlich nichts, aber dafür kann man sich nachher prima darüber unterhalten, wenn man sich von Sex und Gewalt über die Human Condition per se nachzudenken animiert fühlt. Davon wiederum gibt es hier reichlich zu bestaunen, und alles auch noch vor der malerischen Kulissen des Death Valley. Hierhin verschlägt es den soziopathischen Fotografen David und sein gelangweiltes Model, die in einem einsamen Motel den geeigneten Hintergrund für ausdauernde Kopulation finden. Die übellaunigen Äußerungen des Typen geben an Motivation nichts her, was man nicht selber mutwillig ins Geschehen hineininterpretieren will, und der Unterhaltungswert bleibt trotz wilder Ficks vergleichsweise gering. Die aufmüpfige Art, mit der hier zu einer wie auch immer gearteten Stellungnahme angestachelt wird, hat mit etwas Abstand sogar einen gewissen humoristischen Aspekt, aber auf Abstand ist Regisseur Dumont hier wohl nicht aus. Vermute ich jetzt mal so.




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