Filmstarts 05.04.07

Knurrend und halbnackt

05.04.2007, 13:30, Text: Alexander Dahas

300
R: Zack Snyder; D: Gerard Butler, Lena Headey, David Wenham, Vincent Regan etc.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Selten gab es einen Film, dem die Gepflogenheiten traditioneller Kinounterhaltung so herzlich egal waren wie diesem. Und die öffentliche Meinung dazu. Die harsche Kritik an '300' schloss von \\\\\"lachhaft\\\\\" und \\\\\"humorlos\\\\\" bis \\\\\"langweilig\\\\\" und \\\\\"faschistoid\\\\\" eigentlich alle Attribute ein, die gutem Geschmack im Wege stehen, und jeder beliebige Ausschnitt dieses Streifens macht diese Einschätzung zumindest nachvollziehbar. '300' entstand nach dem gleichnamigen Comicroman von Frank Miller, dessen 'Sin City' erst unlängst so erfolgreich verfilmt wurde, und handelt von der legendären Schlacht bei den Thermopylen. In den dortigen Engpässen gelang es 480 v. Chr. einer kleinen spartanischen Elitetruppe, ein riesiges Invasionsheer aufzuhalten, was seitdem als Musterbeispiel überlegener Militärstrategie gilt. Spartanisch ist auch die Ausstattung des Films, vor allem, was die Handlung angeht. Man muss sich eigentlich nur merken können, welche Uniform zu welcher Armee gehört, um der Geschichte folgen zu können. Historische Details können dabei getrost vernachlässigt werden: fast jede Szene spielt auf einer apokalyptisch anmutenden Mondlandschaft, die bestens zu den muskulär überzüchteten Übermenschen passt, die sich knurrend und halbnackt davor bekriegen. Der Reiz des Films, nämlich die endlose Schlachtenfolge, wird als ein Ballett martialischer Ästhetik inszeniert, das Genrefans in atemloses Staunen versetzen dürfte, sofern die sich nicht an den markigen Sprüchen der Figuren stören. Die bärbeißigen \\\\\"Helden\\\\\" haben nämlich sämtlich einen freudlosen Ton am Leib, gegen den Rambos sporadische Äußerungen direkt nachdenklich und liberal daherkommen. Denn auch wenn laufend von \\\\\"Freiheit\\\\\" und \\\\\"Ehre\\\\\" die Rede ist - '300' wirkt insgesamt selber wie ein Frontalangriff auf die meisten Zivilisationswerte.

Klang der Stille
R: Agnieszka Holland; D: Diane Kruger, Ed Harris, Joe Anderson, Matthew Goode, Ralph Riach etc.
Man kann sich auf Ed Harris verlassen, wenn es um Künstlerbiografien geht. Sein 'Pollock' zählt zu den besten Biopics überhaupt, und auch als harthöriges Komponistenschwergewicht macht er eine gute Figur. Sein Beethoven ist (wie sich das für Kreativlinge wohl gehört) ein ungezogener Trampel, der das Zwischenmenschliche leicht aus den Augen verliert, aber dafür mit der Schöpfung auf Du ist. Regisseurin Holland ('Washington Square') hübscht die klassizistische Story ungeniert durch eine geistesverwandte Kopistin auf, die, genial und geduldig, tatsächlich an ihrer ganz persönlichen Beethoven-Erfahrung wächst. Dafür wird ansonsten schön hingelangt: Von der Neunten gibt's gleich ein knappes (und spannendes) Viertel auf die Ohren, und der Wilde-Mann-Katholizismus des alten Ludwig van kommt gleich daher wie Kapitän Ahab in Person.


The Contract
R: Bruce Beresford; D: Morgan Freeman, John Cusack, Jamie Anderson, Alice Krige, Megan Dodds etc.
Vater und Sohn entdecken beim gemeinsamen Outdoor-Trip in den Wäldern des Staates Washington ein Autowrack, das einen halbtoten Polizisten und einen gefesselten Profikiller birgt. Bei dem Versuch, den Gefangenen zur nächsten Wache zu eskortieren, stellt sich schnell heraus, das bei diesem unheimlichen Szenario noch ganz andere Mächte im Spiel sind. Keine Angst, keine Horrorschlitzer und ähnliches in Reichweite, dafür nur ein solider Thriller im Stile von '24', bei dem man ein wenig Verschwörungsphantasie mitbringen muss. Alltagsdramatik und herbe Charakterkonflikte bleiben in dieser Saison und in diesem Metier wohl \\\\\"out\\\\\", wer abgehangene und luftgetrocknete Thrills mit sympathischen Darstellern will, liegt bei dieser B-Produktion aber goldrichtig. Am besten vormittags gucken, kurz nachdem man eine Beziehung beendet oder den Job verloren hat.

Fantastic Movie
R: Jason Friedberg, Aaron Seltzer; D: Kal Penn, Adam Campbell, Faune A. Chambers, Jayma Mays etc.
Man stelle sich einen Ort vor, an dem die Mainstreamkultur so herrschaftlich regiert, dass in den Kinos nur Filme von Jerry Bruckheimer laufen, die CDs alle von Dieter Bohlen produziert werden, alle Bücher von Tom Clancy oder Rosamunde Pilcher geschrieben sind, und es dazu nur Königpilsener zu trinken und Bifi-Roll zu essen gibt. Die Aufmerksamkeitsspanne der glücklichen Bewohner beträgt 2,5 Sekunden, und einmal im Jahr werden sie sogar noch glücklicher, denn dann kommt ein Witzfilm ins Kino, in dem alle Blockbuster des letzten Jahres noch mal so richtig komisch verarscht werden - einfach so! Ist das nicht irre?! 'Fantastic Movie' ist tatsächlich ein Streifen, der eine Zukunft plausibel macht, in der 'Hot Shots' als Filmklassiker eingestuft wird. Sein Anblick macht auch über kurze Distanz alt, und seine quälenden Versuche, entlang der fadenscheinigen \\\\\"Erzählung\\\\\" dämliche Witzchen aufzureihen, bringen erwachsene Filmkritiker zum Weinen, die gerade noch tapfer durch \\\\\"300\\\\\" gesessen sind. Cruel and unusual punishment.

Freedom Writers
R: Richard LaGravenese; D: Hilary Swank, Imelda Staunton, Scott Glenn, Patrick Dempsey etc.
Long Beach in the House? Die südkalifornische Hafenstadt hat zu Recht den Ruf ein ganz hartes Pflaster zu sein, aber nicht wegen der Rentenproblematik, sondern wegen der Bandenkriminalität. Eine idealistische Lehrerin will sich nicht damit abfinden, quasi bloß die Durchgangsstation zum Knast zu leiten, sondern den Rohlingen mal etwas vom echten Leben beibringen. Dafür hat sie ein paar taufrische Ideen, ein Herz wie ein Wal und ein Durchsetzungsvermögen wie 300 Spartaner. Außerdem natürlich ein Drehbuch, das schon zu viel Sozialromantik gesehen hat, um in die Fettnäpfchen zu treten, die dieses merkwürdige Genre umgeben. 'Freedom Writers' weiß, wie man Glaubwürdigkeit vermittelt, und das funktioniert im Film wohl genauso wie in der Schulklasse: Man braucht eine ernstzunehmenden Autoritätsfigur, die persönliches Engagement verkörpert und dazu emotionale Ausgeglichenheit ausstrahlt. Jiu Jitsu-Kenntnisse oder ein Armee-Hintergrund helfen natürlich auch, aber auf lange Strecke trennt sich eben die Michelle Pfeiffer vom Jim Belushi.



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