Filmstarts 23.11.06

Früchtequark runterlecken

23.11.2006, 11:27, Text: Alexander Dahas

Casino Royale
R: Martin Campbell; D: Daniel Craig, Dame Judi Dench, Mads Mikkelsen, Eva Green etc.
Das 21. Bond-Abenteuer ist weit von meinem Ideal-007 entfernt, aber dafür vielleicht näher an eurem. Here it goes: Daniel Craig ist klein und sieht nackt hässlich aus, aber ansonsten ist der Kerl super. Eva Green ist viel sexier als in \\\\\\\\"Die Träumer\\\\\\\\", gibt gerne Widerworte und wird nicht so verschlissen wie die üblichen Bond-Girls. Mads Mikkelsen ist spitze als Bösewicht und leider viel zu schnell tot. Moneypenny und Q spielen nicht mit. James Bond kämpft viel diesmal, hadert, schwitzt und blutet - das macht ihn menschlicher, was nicht der Grund ist, warum man James Bond guckt. Die Actionszenen sind top, aber die braucht kein Mensch mehr. Witze sind Mangelware, Traditionsbruch (\\\\\\\\"Geschüttelt oder gerührt?\\\\\\\\" - \\\\\\\\" Mir scheißegal!\\\\\\\\") ist in. Das Stichwort heißt \\\\\\\\"Gritty Reality\\\\\\\\" und deshalb gibt es jetzt unappetitlich echte Folterszenen (vergesst Goldfingers Sado-Spielereien), weniger Sexkapaden (vergesst Lazenbys phänomenalen Bodycount) und andauerndes Gerede vom \\\\\\\\"Terrorismus\\\\\\\\". Das Ganze dauert 142 Minuten, und ja, James Bond will return. Wahrscheinlich für immer.

Eden
R: Michael Hofmann; D: Josef Ostendorf, Charlotte Roche, Devid Striesow, Max Rüdlinger etc.
Wer in seinen Träumen schon immer den Gedanken unterhielt, einmal Früchtequark von der nackten Charlotte Roche runter zu lecken, kommt in \\\\\\\\"Eden\\\\\\\\" so nah an diese Phantasie heran, wie wohl sonst nicht mehr. Darin geht es um einen dicken Koch, der all seine Menschenfeindlichkeit in exquisite Cuisine verwandeln kann, und mit der er schließlich auch eine naive Kellnerin bezirzt, was deren Normalo-Freund wiederum gar nicht schmeckt. Beizeiten autistisch-weggetreten gespielt, aber nicht zuletzt deswegen immer auch märchenhaft-charmant und im Gegensatz zur \\\\\\\\"Berliner Schule\\\\\\\\" direkt aufreizend burlesk, plädiert \\\\\\\\"Eden\\\\\\\\" für die alte Erkenntnis, dass die Liebe, die durch den Magen geht, die ist, die zählt. Rülps.


Goyas Geister
R: Milos Forman; D: Javier Bardem, Natalie Portman, Stellan Skarsgård, Randy Quaid etc.
Abwechselnd groß erzählt und dann wieder ohne Not langatmig ist \\\\\\\\"Goyas Geister\\\\\\\\" von Altmeister Milos Forman (\\\\\\\\"Larry Flint\\\\\\\\"). Die schicksalhafte Erzählung vom verworfenen Mönch Lorenzo (Bardem), der es zu Zeiten der Inquisition zu Madrids Headhoncho bringt, um später unter Napoleon genau diese wieder abzuschaffen, behandelt Malgenie Goya als beobachtende Randfigur, die nur anklagend dreinblickt, wenn dem Publikum bedeutet werden soll, dass hier mindestens Themen wie Schuld und Sühne verhandelt werden. Natalie Portman als fleischgewordene Sünde des Gottesmanns verbringt passend dazu fast die gesamte Zeit im Kerker. Am Ende ist \\\\\\\\"Goya\\\\\\\\" ein klobiger, konservativ inszenierter Kostümfilm, der die Beschränkungen seiner Epoche kaum zu transzendieren weiß, und bei dem man oft das Gefühl hat, von den wirklich wichtigen Szenen irgendwie ausgeschlossen worden zu sein.

Winterreise
R: Hans Steinbichler; D: Josef Bierbichler, Sibel Kekilli, Hanna Schygulla, Philipp Hochmair etc.
Ein tobsüchtiger bayrischer Geschäftsmann mit Hang zum cholerischen Affekt verliert sein letztes Geld in einer dubiosen Kenia-Investition. \\\\\\\\"Nicht mit mir!\\\\\\\\" denkt er und besteigt das Flugzeug nach Nairobi. Bürgerlicher Verfall einmal anders - Steinbichler dividiert die sozialpolitische Komponente mal eben weg und zoomt ganz auf seinen Provinz-Rambo heran, der übers viele Ausflippen ganz die Streicheleinheiten fürs innere Kind vergessen hat. Interessante \\\\\\\\"Exposition\\\\\\\\", nachlässige Conclusio - was bleibt, ist der starke Eindruck von Josef Bierbichler, dessen Darstellung eigentlich unter Special Effects einzuordnen wäre.



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