Pet

Boyband ist wie Bund

02.11.2006, 11:34, Text: Jelenia Gora

Ein Interview mit dem Pet-Songwriter, Programmierer und Sänger André Abshagen.

Eurem Info habe ich entnommen, dass es bei Pet vor allem um innovative - ja sogar neue - Sounds geht. Spielt das Songwriting dabei eine eher untergerordnete Rolle, oder wie hat man sich das vorzustellen?

Das ist ja jetzt mehr so `ne esoterische Frage. Ich beschäftige mich den ganzen Tag mit Sounds und kann schwer sagen, ob es jetzt um den richtigen Song oder den richtigen Sound geht. Ein neuer Ausdruck ist auf jeden Fall netter, wenn man einen neuen Sound findet und keine Klischees reproduziert.

Was ist an Pet so unklischeemäßig? Was haben wir noch nie woanders gehört?

Nichts. (lacht) Die Kombination. Dass man Moog Sounds in einen rockigen Kontext setzt. Es gibt ja keine neuen Sounds, letztlich. Es geht uns also mehr um das Aufgreifen von alten Traditionen.

Auf welche \\"alten Traditionen\\" steht Ihr?

Die frühen Roxy Music zum Beispiel. Die find ich super. Die sind ja leider sehr in Vergessenheit geraten.

Nun ja...- Es gibt ja derzeit nicht wenige Bands, die gerne rockige Songs in Groove packen. Und gabs auch früher schon...-

Wen denn zum Beispiel?

The Rapture, Radio 4...-

Ach, das ist doch mehr so \\"Rock The Casbah\\"-Sound. Überzeugt mich jetzt nicht so. Und \\"früher\\", was meinst Du damit?

So Früh-Neunziger-Rave: Primal Scream…-

Ach, Primal Scream. Das ist mir zu eingeengt. Bobby Gillespie versucht Mick Jagger zu sein, also nee!


Du, das muss man auch erst mal bringen, Rock`n Roll und so. Aber wie dem auch sei. Beschreib doch mal die Attitude von Pet. Gibt's da irgendwas?

Unser Grundprinzip ist ja: zwei Frauen, zwei Jungs. Das finde ich sehr angenehm. Es wäre für mich ein Albtraum, in einer Boyband zu sein. Wie zum Bund gehen, käme mir das vor.

Find ich toll, dass Du das sagst.

Es macht auch einfach mehr Spaß, wenn Frauen dabei sind!

Du singst in englischer Sprache. Warum?

Das kann man natürlich als Künstler nicht so genau sagen. Ich finde einfach, es klingt auf deutsch scheiße. Ich bin ja mit englischer Popmusik großgeworden. Es ist auch nicht so, dass ich alles scheiße finde, was auf deutsch getextet wurde. Ich mag Kraftwerk und Trio. Mit Tocotronic kannst Du mich jagen. Ich stolpere da über die Härte der deutschen Sprache. Da krieg ich die Krise.

Mir geht's genau andersrum. Ich krieg die Krise, wenn ich einen deutschen Sänger englisch singen höre...-

Ich sag auch nicht, dass das jetzt richtiges Englisch ist, was ich da singe. Den Anspruch hab ich gar nicht. Es ist eher so Euroenglisch. Unsere Bassistin ist ja aus Italien. Und das führt dazu, dass wir im Probenraum sowieso die ganze Zeit englisch sprechen. Aber ich lege schon Wert auf Texte.

Ich mag den Song \\"Cloud Nine\\".

Das ist unser politischstes Lied. Unser Angry-Young-Man-Stück. Ich sag mir aber nicht: ich schreib jetzt über ein bestimmtes Thema. Sondern: was muss auf diesen Song für ein Text drauf. Also was zu der Melodie, den Sounds, den Arrangements passt.

Inwiefern ist \\"Cloud Nine\\" politisch?

Es ist eine Reaktion auf vieles, womit ich unzufrieden bin: bestimmte Lebensumstände; die Situation als Künstler...-Ich mag aber nicht so gerne das jetzt erklären. Das wäre ja eigentlich Deine Aufgabe.

Hast Du Angst, über Deine Songtexte zu reden, weil Du meinst, dass das den Song kaputtmacht?

Genau. Wie jeder Songwriter eben. Das ist total komisch für mich. Das sind ja kleine Kunstwerke.

Erzähl doch mal den Weg vom Debutalbum \\"Player One Ready\\" zum neuen Album \\"Rewind The Sofa Lady.\\"

Beim ersten Album war ich ja noch ganz alleine. Hatte die Band noch nicht. Hab das alles selber im Studio vorbereitet und bin dann mit dem Demo zu \\"Grönland\\". Die fanden das gut und wir wollten gerne einen Schlagzeuger noch dazu haben. \\"Grönland\\" hat dann Dodo vorgeschlagen, der jetzt fest in der Band ist. Unsere erste Platte war also eher ein elektronisches Soloprojekt mit Schlagzeug. Jetzt war es so, dass wir mit den halbfertigen Songs ins Studio gegangen sind, dort Basic Tracks aufgenommen haben und dann nochmal ins Studio, für Overdubs usw.

Manche der Melodien erinnern mich an Blur. Oder findest Du das jetzt total absurd?

Nein, gar nicht. Das empfinde ich als Kompliment. Die beherrschen ja perfekt das klassische Songwriting.

Auf Euren Band-Fotos schaut Ihr ja sehr nach Glam-Rock oder sagen wir, Retro-Glam, aus. Was verbindest Du persönlich mit diesem Style?

Ich mochte schon immer so dandymäßige Leute. Mit der Federboa und so. So Typen wie Brian Eno und Marc Bolan. Es kommt halt auf die Musik an. Typen mit abgerissenen Jeans find ich auch okay, wenn die Musik passt. Dinosaur Jr haben ja auch ihren Stil, eben Schlabber-T-Shirts. Hauptsache, es passt.

Könnte man also sagen, dass Du auf authentische Künstlichkeit stehst?

Genau. Und weil ich nicht so der Holzfäller-Typ bin, trage ich eben lieber Anzüge.

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