Daniel Johnston

Ein Anti-Popstar

19.04.2006, 13:04, Text: Markus Schwarz
[8 Kommentare]

Daniel Johnston ist so ziemlich genau das Gegenteil von einem Popstar. Er ist grauhaarig, dick, manisch-depressiv und lebt deswegen mit Mitte 40 immer noch bei seinen Eltern. Außerdem kann er nicht singen - im klassisch-konventionellen Sinne. Trotzdem hat der amerikanische LoFi-Folkmusiker glühende Fans unter Prominenten wie David Bowie, dem Simspons-Schöpfer Matt Groening, Eddie Vedder oder Sonic Youth. Kurt Cobain machte den Autodidakten, der neben der Musik auch Cartoon-hafte Bilder malt, berühmt, als er ein T-Shirt mit einer seiner Zeichnungen trug. Daniel Johnston, der immer mit den allereinfachsten Mitteln Musik produzierte und seine ersten Songs auf Kassetten aufnahm und unter Freunden verteilte, berührt gerade durch die vermeintliche Einfachheit seiner nur von Gitarre, Harmonika oder Klavier begleiteten Lieder.

Nachdem Johnston jahrelang von anderen Musikern wie Mike Watt (Ex-Minutemen) oder Paul Leary von den Butthole Surfers bewundert und gefördert wurde, ohne jemals einen kommerziellen Durchbruch zu schaffen, scheint sich dieses Jahr der Daumen endlich nach oben zu drehen.

Der Dokumentarfilm "The Devil and Daniel Johnston" (hier ein Trailer) von Jeff Feuerzeig, in dem die schwierige, immer wieder von Krankheitsphasen geprägte Biographie des Musikers einfühlsam verfolgt wird, läuft seit Ende März in amerikanischen Kinos, nachdem er im Februar 2005 schon unter großem Beifall auf der Berlinale zu sehen war. Dazu erschien diese Woche in den USA eine Best-of-Sammlung seiner Lieder unter dem Titel "Welcome to My World" auf dem von seiner Familie geleiteten Label Eternal Yip Eye Music. Letzte Woche trat Daniel auf einem Tribute-Konzert zu seinen Ehren in der Londoner Barbican Hall auf, bei dem er mit Teenage Fanclub, Vic Chesnutt, Jason Pierce von Spiritualized, James Yorkston und Howe Gelb auf der Bühne stand, und am 4. Mai wird er zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder in L.A. auftreten und dort auch gemeinsam mit Henry Rollins performen. Und damit nicht genug: seine bildende Kunst war Anfang des Jahres nicht nur in einer Retrospektive in der New Yorker Clementine Gallery zu sehen, sonder auch in der Biennale des Whitney Museums, was einem Ritterschlag für zeitgenössische Kunst gleichkommt. Seine Fans wird dieser späte Erfolg freuen - doch ob Daniel Johnston selbst nicht wieder raus möchte aus dem Rampenlicht, das ihn so verwirrt, wird abzuwarten sein.

Für Komplettisten dann noch die Tracklist:
01. "Peek A Boo"
02. "Casper The Friendly Ghost"
03. "Some Things Last A Long Time"
04. "Walking The Cow"
05. "I'm Nervous"
06. "Man Obsessed"
07. "Don't Let The Sun Go Down On Your Grievances"
08. "Never Before, Never Again"
09. "The Sun Shines Down On Me"
10. "Chord Organ Blues"
11. "Living Life"
12. "Speeding Motorcycle"
13. "True Love Will Find You In The End"
14. "Never Relaxed"
15. "Sorry Entertainer"
16. "Ain't No Woman Gonna Make A George Jones Outta Me"
17. "The Lennon Song"
18. "Devil Town"
19. "Laurie"
20. "Story Of An Artist"
21. "Funeral Home"



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  • Rebecka 19.04.2006 | 15:33:27

    das man mit den von dir beschriebenen merkmalen kein star ist ... es liegt auf der hand, dass du einem fatalen trugschluss auf den leim gegangen bist.

    ohne jetzt theoretisch ausufern zu wollen, fallen mir zu jedem merksmal (dick, grauhaarig, 40, bei mutti, ...) zig popstars ein. spätestens seit anfang der 90er sollte klar sein, dass auch anti-helden popstars sind ... keinesfalls das gegenteil davon. das hat sich mittlerweile doppelt durch sich selbst gekreuzt und unlängst ins gegenteil verkehrt...

  • troll_3000 19.04.2006 | 19:49:26

    also ich bin ja hier von intro schon so einiges gewohnt, aber das ende der fahnenstange des wahnsinns scheint immer noch nicht erreicht zu sein.
    ich mußte gerade fast kotzen, als ich diesen text hier von markus schwarz über daniel johnston las.

    deshalb also als ergänzung zu rebeckas posting:


    man stelle sich bitte nur mal kurz vor, wie von der hiesigen pc-fraktion reagiert worden wäre, wenn der autor das folgende geschrieben hätte:

    "Ein Schwarzafrikaner ist so ziemlich genau das Gegenteil von einem normalen Menschen. Er ist dunkelhäutig, dicknasig, arm und lebt deswegen mit Mitte 40 immer noch in einer Strohhütte. Außerdem kann er nicht deutsch sprechen - im klassisch-konventionellen Sinne."


    und dann der größte horror:

    "TROTZDEM" (!!!!!) habe er fans unter der us-prominenz...

    klar: anhänger eines quasi-behinderten mulatten zu sein, das käme für einen intro-schreiber wie markus schwarz natürlich NIEMALS in frage. nur bitte: die eigene borniertheit nicht immer auf andere (bowie, groening, cobain) projizieren.
    danke!


    in einem solchen zusammenhang dann auch noch ernsthaft von "ritterschlag", "zeitgenössischer kunst" und erfreulichem"erfolg" zu reden, ist nur noch schäbig.

    wäre mal schön, wenn sich herr schwarz für diesen ekelhaften dreck entschuldigen könnte.

    ich weiß, so ein pojournalisten-alltag ist nicht immer so das angenehmste und unstressigste, aber man sollte die anzahl an publizistischen schwerstverbrechen doch versuchen, möglichst gering zu halten.
    es soll immerhin einige kinners geben, die das hier lesen. was soll denn aus denen nochmal werden, wenn man ihnen andauernd so ein irrsinniges, um nicht zu sagen: faschistoides geschwätz unterjubelt?

  • troll_3000 20.04.2006 | 00:10:12

    wie gesagt: peinlich peinlich....
    selbst für hiesige verhältnisse.

    selbst der sozialdemokratische forumspöbel weiß wohl nicht mehr weiter...

  • troll_3000 21.04.2006 | 02:26:38

    auch die kollegen machen mit: in der aktuellen tv-spielfilm steht zum neuen prince-album das folgende:

    "die einen freuen sich (...), die andern vermissen vision und innovation des egomanen funk-genies. vielleicht liegts an seiner kürzlich eingesetzten künstlichen hüfte, dass einiges auf des prinzen album etwas steif ist."

    egoman? innovationslos? steif?
    hat irgendwer hier nicht letzens dasselbe über mich gesagt?
    hach ja: auch son troll, der kleine prince. wechselt auch ständig seine nicknames, mit denen er sich im musikbusiness einloggt.
    tsts...

  • User: punchdrunk_thomas
  • punchdrunk_thomas 21.04.2006 | 16:38:09

    Vor einem Jahr oder so kam doch auch (nicht vergessen) die tolle "discovered/covered"-platte raus, die zur hälfte best-of ist und zur anderen hälfte cover von tollen leuten hat (clem snide, eels, tom waits, sparklehorse, flaming lips,...).
    immer noch eine tolle platte und eine kaufempfehlung zudem.

  • troll_3000 21.04.2006 | 16:44:30

    denn der sänger geht eben immer in den selben lebensmittel-plattenladen wie ich, schon klar.

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