Heimspiel-Ticker vom 18.10.2005
Mit Neuromancer, Hotel und Tijan
18.10.2005, 10:00, Text:
Peter Flore,
Peter Flore
::: Wir sind mit euch. Aber seid ihr doch auch mit uns! Und teilt euren Proberaum mit der Außenwelt. Schickt eure mp3s, Fotos, Links und mundgemalten Selbstporträts an heimspiel@intro.de. Zeigt uns, dass da in Deutschlands Kellerräumen einfach wahnsinnig viel gute Musik gemacht wird. Und mit ein bisschen Glück findet auch ihr euch bald in illustrer Gesellschaft im Heimspiel-Ticker auf dieser Seite wieder.
::: Neuromancer ist der Titel eines Romans von William Gibson, der die Auflösung der Grenzen zwischen Mensch und Computer behandelt. Axel Pötschke aus Essen wird sich schon etwas dabei gedacht haben, als er seine elektronischen Heim-Werke unter diesem Namen veröffentlichte.
22.10. Essen, Café Nova.
::: \\\\"Wenn ich über etwas nicht gut sprechen kann, wird meistens ein Song daraus.\\\\" Sagt Songwriter Krischen über sich und damit eben auch über seine Band Hotel. Der Mann muss ein recht introvertierter Bursche sein, denn die Songs auf der Debüt-EP \\\\"Aus der Ferne\\\\" sprechen eine deutliche Sprache. Nicht nur, weil ihre Interpreten mit keiner Sprachbarriere zu kämpfen haben, sondern vor allem weil sie das Alltägliche in kompakte und eingängige Pop-Songs zu packen vermögen. Und auch wenn Titel wie \\\\"Aus der Ferne\\\\", \\\\"Wann sehen wir uns endlich wieder\\\\" und nicht zuletzt der Bandname eher von der rastlosen Suche, von der Reise handeln – die Kölner haben mit Hotel eine Heimstatt für all die Gefühlssuchenden da draußen geschaffen. Einfach mal am Empfang klingeln.
::: Dem 10.000 – 10.005ten Besucher ihrer Website wollen LipService je ein Exemplar ihres Debütalbums \\\\"Cardboard Robots\\\\" schenken. Nichts wie hin also, zumindest wenn man auf gut gemachten Alternative-Rock steht und bei dem Wort \\\\"Pop-Appeal\\\\" nicht direkt das Formatradio aus dem Fenster schmeißt. Sänger Meikel Schulz singt, vermutlich durch amerikanische Genre-Vorbilder entsprechend erzogen, wie es diese Musikrichtung eben verlangt: Kraftvoll, dynamisch und gottseidank reichlich undeutsch. Und der zeitweise eingestreute Punk-Gestus steht diesen jungen Herren auch alles andere als schlecht. Live zu bestaunen z.B. am
27.10. Köln, Tsunami Club
::: Was sind das nur für Menschen, die ihre Songs \\\\"The Ants In My Underpants\\\\", \\\\"Monkey Cop\\\\" oder \\\\"Flamingo Tragedy\\\\" nennen? Tierliebhaber, ja. Oder Lo-Fi Singer/Songwriter mit einem Hang zum Absurden. Zu ersterem, der Tierliebe, können wir nur Vermutungen anstellen, letzteres lässt sich anhand der selbstbetitelten CD des Songwriters Tijan recht einfach beweisen. Schließlich gibt es auch Songs die \\\\"Devils Haircut\\\\" heißen. Und von denen ist dieser junge Herr gar nicht so weit entfernt. Auf einfachen, holprigen Drumloops tanzen seine kleinen Geschichten, dass eine Freude ist. Bunt und einfallsreich geht es zu, auf dem Planeten Tijan. Im Hintergrund feedbackt und fiept es schön schräg – aber nicht zu schräg, um noch ein \\\\"Babababababababa\\\\" drüber zu singen. Ein Streichelzoo mit komischen Tieren. Sympathischen zumal. Mehr auf der Label-Site.
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