Multiple Persönlichkeitsspaltung

Madlib = Quasimoto = Yesterday´s New Quintet = Sound Directions

01.09.2005, 14:27, Text: Heiko Behr, Heiko Behr

Im HipHop gibt es ja den Sport, sich in möglichst vielen Alter Egos auszuprobieren. Das sicherlich bekannteste Beispiel: Eminem ist Slim Shady ist Marshall Matthers. Er schlüpft in neue Rollen, kann so verschiedene Persönlichkeiten ausspielen und sich teilweise auch darauf zurückziehen - nein, ich war´s nicht, der Slim Shady war´s! Andere Künstler wie MF Doom verschwinden hinter einer Eisenmaske und differenzieren so Autor- und Sprecherposition voneinander. Cleverer Schachzug.

Der Weltmeister im Persönlichkeitssplitting in HipHop-Kreisen ist allerdings Otis Jackson. Nachdem trotz massivem Kritikerzuspruch sein Trio Lootpack zumindest kommerziell scheiterte, konzentrierte er sich der Einfachheit halber auf sich selbst.

Zuerst war er Madlib, dann pitchte er seine Stimme in Heliumbereiche und hieß plötzlich Quasimoto, mutierte zur Ein-Mann-Jazz-Gruppe Yesterday´s New Quintet (die fünf Musiker beinhaltete, alle natürlich eigentlich: Otis Jackson) und coverte Stevie Wonder, dann versuchte er sich als House-Produzent DJ Rels. Nun gibt es ein neues Alter Ego in dieser kaum enden wollenden Reihe. Als Sound Direction veröffentlicht er jetzt mit einer Gruppe Session-Musikern das Album \\\\\\\\\\\\\"The Funky Side of Life\\\\\\\\\\\\\". Wie sich das diesmal anhört: als ob Yesterday´s New Quintet sich plötzlich in eine Jazz-Funk-Truppe gewandelt hätte. Konsequenterweise heißt das dann eben auch Yesterday´s New Quintet presents Sound Directions. Das Alias vom Alias also. Hier kann man in zwei Stücke reinhören.

Im Jazz-Bereich tummelt sich der manische Plattensammler Otis Jackson schon lange. Er hat sich auch in etablierten Jazzkreisen einen Namen gemacht mit seinen Versionen von Blue Note´s Klassikern durch sein Album \\\\\\\\\\\\\"Shades of Blue\\\\\\\\\\\\\" und bereits beim Montreux Jazz Festival performt. Wenn er auf andere (Underground-)Größen wie eben MF Doom (zusammen Madvillain) oder Jay Dee (zusammen Jaylib) trifft, schlagen seine Produktionen Funken, so dass Radiohead ihn bereits für einen Remix verpflichteten. Den endgültigen Durchbruch in den Mainstream wird Madlib hingegen wohl kaum schaffen. Es ist ihm schlicht egal.



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