
Herrn Haberthür nicht ansprechen
Jetzt offen: Das Dada-Haus Cabaret Voltaire
30.09.2004, 17:00, Text:
Pascal Blum,
Pascal Blum
Kunst-News: 1916 ist lange her, trotzdem hat Zürich neben Kleenex nicht viel Bedeutenderes herausgebracht als die Dada-Bewegung. Das Cabaret Voltaire an der Spiegelgasse 1, Ort der Stunde und Nabel der Welle, steht seit lange ungenutzt herum. Und es war ein Tauziehen ganz im Dada-Sinne - eine Anti-Debatte um das Haus und was damit passieren soll: Der Gemeinderat, die Stadt, die Besitzerin Swiss Life und seltsame Squatter mit Bücherkanonen stritten mit Worten, Pamphleten, Lautmalereien und Strassenaktionen um das ehrwürdige Haus, das bitte nich noch einem Trend- Café in Zürichs Ausgehghetto Niederdorf zum Opfer fallen sollte.
Der Uhrenhersteller Swatch sprang schliesslich ein, verteilte Dada-Uhren und versprach Gelder.
Ab heute ist das Haus wieder öffentlich zugänglich und bietet Ausstellungen, Performances, Talks, Buchpräsentationen und einiges mehr. Philipp Meier, der in Zürichs Partyszene als "Clubkurator" mit seinem Club Toni Molkerei letztlich an der R’n’B-Übermacht scheiterte, nimmt die Bürde auf sich und will aufbrechen, was aufzubrechen ist. Erstes Thema ist die 'Asylisation', die mit Veranstaltungen wie 'Wer hilft Kamran?' und 'Was machen Albaner in der Freizeit?' die Themen Migration und Integration behandelt, nach dem politischen Ablehnung der erleichterten Einbürgerung für in der Schweiz aufgewachsener Ausländer sicher kein Missgriff. Ein Café gibt’s auch und wer sein Kind 'Dada' tauft, erhält 10'000 Franken. Und jeden Mittwoch zwischen 11 und 12 Uhr kauft Herr Haberthür den 'Blick' am Kiosk am Limmatplatz – ihn aber bitte nicht ansprechen.
Die Dada-Sammlung des Kunsthauses soll jedoch nicht im Cabaret Voltaire zu sehen sein – eine Musealisierung widerspreche dem Dada-Geist, so die Macher. Ob ein strukturiertes Programm und Podiumsgespräche (allerdings ohne genaue Zeitangaben) nicht auch dem Dadaismus zuwiderlaufen, sei dahingestellt. Schliesslich wohnen nebenan auch noch Leute, die schlafen wollen. Die Dezibel-Begrenzung ist deshalb auf 82 festgesetzt. Und keinen Deut lauter.
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