Orkane, Feuerfontänen und Schnipsel

Das Taubertal-Festival 2004

17.08.2004, 19:27, Text: Thomas Markus, Thomas Markus

\\\\\\\\\\\\\"Orkanartige Sturmwetter und 30 Liter Niederschlag pro Quadratmeter\\\\\\\\\\\\\" hieß es im Radio. Beste Voraussetzungen also, um ein Festival-Wochenende im malerischen Taubertal zu begehen. Doch der Wettergott wurde am Freitag von Bands wie Schandmaul und Subway to Sally mit Geige und Laute milde gestimmt. Dagegen arbeiteten die Beatsteaks oder die H-BlockX, die das Billing etwas auflockerten. Gerade die Beatsteaks boten mit straightem Punk'n'Roll einen Gegenpol. Als 'Living Targets'-Verehrer waren 'Disonnected' und das abschließende 'Let Me In' ganz groß.

Dann die H-BlockX: Songs wie 'Little Girl' oder auch 'Move' kennt man ja noch, aber das Quentchen Nostalgie reicht dann irgendwie doch nicht aus. Trotz einer tighten, energiegeladenem Performance und Rick Springfields Cover 'Celebrate Youth', wirkt das Ganze wie wieder aufgewärmt. Subway To Sally schlugen dann abermals in die Mittelalter-Kerbe. Mit Rauch, Schall und Feuer machten sie sich auf, die Eiswiesen (Festivalgelände) zu erschüttern. Doch haben das nicht vorher schon Schandmaul getan? Resümée für Tag eins: Daumen hoch für die Beatsteaks und ein Fragezeichen für die H-BlockX und die Mittelalter-Jungs.

Am Samstag gestaltete sich das Line-Up dann etwas homogener. 4Lyn freuten sich, dass sie ihre Nu-Metal-Hip-Hop-Mixtur den ehemaligen Idolen von der Bloodhound Gang präsentieren durften und Tito&Tarantula versuchten, die vom Dauerregen gedrückte Stimmung mit dem Spirit von 'El Mariachi' zu bekämpfen. Die mittelamerikanische Mischung aus Tequila-Dunst und Rock'n'Roll vermochte das Gemüt der Taubertaler jedoch nicht im Ansatz so zu erhellen, wie Landsmann Michael Mittermeier. Wer irgendwie aus der Nähe des Heimatorts vom Mittermeier stammt versucht das auch gleich raus zu posaunen. \\\\\\\\\\\\\"Da kimmt ba mir umsch Eck\\\\\\\\\\\\\", tönt es allen Ortens, \\\\\\\\\\\\\"desch is a Guada\\\\\\\\\\\\\".

Den Heimvorteil hätte die Bloodhound Gang gebraucht. Kamen die H-BlockX noch sehr routiniert rüber, zeichnete sich das Set von Jimmy und Co. durch eine gewisse Lustlosigkeit aus. Man hatte das Gefühl, dass sich die exessiven Shows inkl. Bierbong, Kotzen etc. langsam doch rächen. Ein aufgedunsener Pop, dem man seine Prozac-Reime definitiv abnimmt und ein nach einem tiefen Riss aus besagter Bierbong (gefüllt mit Jägermeister) statisch wirkender Evil Jared Hasselhoff bestätigten den Eindruck. Um mal tief in die Floskelkiste zu greifen: Übermut tut selten gut. Doch nicht so im Fall The Darkness. Hier giert man nach der großen Geste, die zugegebenermaßen auf einer ganz anderen Ebene funktioniert. Glitzer-Schlaghosen und Krönchen wollten wir, Pyro und fliegendes Haar wollten wir und alles bekamen wir im Soundbett von Songs wie 'Friday Night' und 'Get Your Hands Off My Woman'. Justin fistelte mit dem Publikum um die Wette und beendet in einem Inferno von Feuerfontänen und Schnipseln den Samstag.

Der Sonntag stand dann im Zeichen der deutschen Sprache. Die Terrorgruppe versuchte, die bayrische Regierung zu stürzen, indem sie mit historischen Fakten dem Publikum klar machen wollten, wie rebellisch die Bayern doch sind. Wir sind Helden sind einfach sympathisch - mit Gefühl, Selbtsironie und Pop eroberten Judith und ihre Männer das Taubertal, ganz unprätentiös. Und Die Ärzte? Unprätentiös war was anderes. Mit der Titelmelodie von 'Derrick' und mit den ersten Frotzeleien hinter dem riesigen schwarzen Vorhang mit den großen Äs drauf ging es los, mit Aufforderungen zum BH-Wurf ging's weiter und mit 'Zu Spät' und Feuerwerk ging es dann zu Ende. Erwähnenswert auch der Gewinner des Emergenza-Contest, Mr. Brown aus Hamburg, die mit Punk'n'Roll a lá The Hives und roten Pollundern zu bestechen wussten. Viele Bands, viel Schlamm aber das kann die Bayern nicht erschüttern. Und wir schließen wie im letzten Jahr mit einem zünftigen: Guat so.



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