Splash! 2004

Da ging einiges!

02.08.2004, 18:00, Text: Hendrik Heitbaum, Hendrik Heitbaum

Knapp 30.000 HipHop-Heads, Reggae-Fans und Junglists waren am vergangenen Wochenende aus ganz Europa nach Chemnitz angereist, um zum wiederholten Male im Stausee Oberrabenstein zu planschen.

Am Freitag Abend sorgte Raekwon The Chef für heftiges Kopfnicken mit einer best of Wu-Tang Clan-Show, die keine Wünsche offen ließ. Nach den Konzerten auf den beiden Hauptbühnen wurde dann noch in den großen Zirkuszelten weitergefeiert bis der Morgen graute. Am Intro-Festivalguide-Stand ging's ebenfalls schon hoch her. Flowin' Immo & DJ Nice konnten u.a. Fünf Sterne Deluxe und Blumentopf vor ihren eigentlichen Gigs zu Freestyle-Einlagen und anschliessender Autogramm-1/4-Stunde überrappen.

Der Samstag Morgen war hart...erstmal wach werden, dann schnell die P.A.

für die Stand-Bühne aufbauen usw. Ab 14 h gab's dann wieder Skills en masse. Chef-Entertainer Immo bekam prominente Unterstützung von HipHop-Connaisseur Falk Schacht aka Hawkeye (Viva Zwei - Supreme, Juice Magazin). Die ersten US-amerikanischen Rapper kamen zum Meet & Greet. Wildchild, Medaphoar & Co. zeigten wo beim Stonesthrow-Label der Rap-Hammer hängt. Beim Westcoast-Geheimtipp Zion I standen mehr als 300 Leute vor unserem Stand und konnten gar nicht genug von den auf englisch und spanisch rappenden Kaliforniern bekommen.

Den Höhepunkt des diesjährigen Splash! gab es dann am späten Samstag Abend. Busta Rhymes und Co-Rapper Spliff Star feuerten unzählige Breitseiten an Kanonendonner zwischen Bustas' Hits. Einige kritisierten zwar später, dass er die meisten Stücke nur anspielte und sich all zu oft auf Call & Response-Spielchen mit der Crowd einliess. Aber Angesichts des Umfangs seiner Discographie und des Zeitplans (um 23.45 h musste auf den Hauptbühnen Schluss sein) war das auch anders kaum möglich.

Derweil vergnügte sich die Intro-Crew und Flowin' Immo am Stand mit heißen Schlager-Rythmen, die im Soundsystem-Style umwerfend dargeboten wurden. 'Ein bisschen Frieden' ist auch ein gutes Stichtwort, angesicht der mittlerweile auch in Deutschland aufkeimenden Saat der Gewalt zwischen verschiedenen HipHop-Camps.

Am Sonntag gab es dazu dann auch ein paar eindeutige Statements beim Meet & Greet von RAG-Mitglied Galla, der den Leute in Erinnerung rief, dass es bei Rap nicht um Autos, Geld und Sex geht sondern um Lyrics gehen sollte, was er dann auch eindrucksvoll per Freestyle bewies.

Wegen der nicht in Papierform gedruckten Running Order gab es am Sonntag einige Verwirrung. Es gab Gerüchte, daß Top-Acts wie Mobb Deep und IAM nicht kommen würden. Zum Glück blieb es bei den Gerüchten. Fakt war, daß IAM ihren Flieger von Frankreich verpasst hatten und später im Programm auftraten. Und auch Havoc & Prodigy von Mobb Deep waren am Start und beendeten mit einem fulminanten und düsteren, halbstündigen Auftritt, wie sehr auch New York beim Splash! im Haus war. Zuvor hatte schon Max Herre (Freundeskreis) ein umwerfendes Set mit seinen Solo-Sachen vollbracht, bei dem auch Joy Denalane mit auf der Bühne auftauchte. Definitiv extrem elektrisch.

Am Festivalguide-Stand war am Sonntag nochmal richtig Hochbetrieb und Spannung angesagt. HipHop-Legende CL Smooth sorgte für leuchtende Augen vor und hinter der kleinen Bühne, als er accapella seinen Überhit T.R.O.Y. (They reminisce over You) performte.
Harris & Dean, die Spezializtz sah man erstmalig nach langer Zeit mal wieder gemeinsam - bei Immo auf der Intro-Couch. Olli Banjo rappte ziemlich wild und verdammt schnell, zu stotternden Beats aus dem CD-Player.

Der Bozz Azad gab eine konzentrierte Salve Frankfurt-Lyrics zum Besten...bei der anschliessenden Autogramm-Stunde am Nachbarstand tauchte dann demonstrativ Ex-Aggro-Rapper und Sido-Homie Bushido auf, zeigte Flagge mit ein paar Berlinern und enterte spontan die Intro-Stage. Eher unfreiwillig komisch wirkte dann aber das von ihm geführte Interview mit seinem DJ, der der Situation nicht wirklich gewachsen schien. Jedenfalls gab es keinen Stress zwischen Frankfurt und Berlin, wie viele im Vorfeld befürchteten.
Alle blieben cool und friedlich, so wie es eigentlich immer sein sollte

Flowin' Immo hatte dann noch den heimlichen Höhepunkt des Splash! 2004 parat: einen Helium-Freestyle-Battle mit der deutschen Old-School-Legende Spax! Aus einem großen Ballon, gefüllt mit dem Spass-Gas Helium, wurde im Wechsel inhaliert und gerappt, so daß eine Block-Party mit Schlumpf-Stimmen entstand. Tosender Beifall von allen Seiten war die Folge. Schliesslich hatte man zwei der besten Freestyle-Rapper gemeinsam auf einer Bühne erlebt, wie sie den wohl witzigsten MC-Battle ever ablieferten.

Das Splash! war wirklich einer der Höhepunkte der Festival-Saison 2004. Und ich freue mich auf mehr Helium-Karaoke über das Bett im Kornfeld mit Flowin' Immo!



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