Publikumsliebling im Wahlkampffieber

Michael Moore à la Carte

29.06.2004, 19:34, Text: Susanne Pospischil, Susanne Pospischil

23,9 Mio. US Dollar – so viel spielte Michael Moores neuester Streich am ersten Wochenende allein in den USA und Kanada ein, was das Blut regierungstreuer Konservativer ordentlich in Wallung gebracht haben dürfte. ’Fahrenheit 9/11’ ist somit der erste "Dokumentarfilm" (Kritiker warnen in diesem Zusammenhang vor dem Begriff ob der populistischen Herangehensweise des Filmemachers), der es schafft, sich an die Spitze der aktuellen Kino-Charts zu setzen. Und das, obwohl der Film in nur 868 Kinos gezeigt wurde (im Vergleich dazu lief die von Sony produzierte Komödie ’White Chicks’ in 2700 Filmtheatern an, landete aber nur auf Rang zwei).

Moores Beschuldigungen Richtung George W. Bush, eingegangene Terrorwarnungen vor dem 11. September 2001 ignorant missachtet zu haben, und die Skizzierung der Bush-Verbindungen zum saudischen Königshaus oder gar zu Bin Laden, scheinen gerade im amerikanischen Wahljahr doch besonders viele zu interessieren.

Mit der goldenen Palme und diesem unfassbaren Kinostart im Rücken, bedankt sich der Rekorde brechende Filmemacher nun bei all seinen Gegnern, die erfolglos versuchten, den Film zu stoppen und ihm damit Publicity verschafften. Egal, ob sie die Kinobetreiber einschüchtern oder die Fernsehwerbung verbieten lassen wollten, besser hätte die Neugier des Publikums nicht angestachelt werden können. Doch wer zuletzt lacht... So konnte sich Moore auch nicht verkneifen, all seinen ’Lieblings-Feinden’ in diesem Jahr schon mal eine Weihnachtskarte mit persönlichen Grüßen zu versprechen, humorvoll wie er trotz allem so ist.

In einer Schlacht rasseln aber noch die Säbel: Die Filmvereinigung hält an einer früheren Entscheidung fest, die besagt, dass Zuschauern unter 17 Jahren ohne Erziehungsberechtigten der Eintritt verwährt bleibt. Begründet wurde die so genannte 'R-Einstufung' damit, dass der Film drastische Gewaltszenen aus dem Irak-Krieg zeige, die Kindern und Jugendlichen nicht zumutbar seien. Mario Cuomo, Rechtsanwalt und früherer demokratischer Gouverneur im Bundesstaat New York, will dennoch alles versuchen, um den Film so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen und den Berufungsantrag für Moore durchzufechten. Laut seiner These haben gerade die heute 15- und 16-Jährigen - die amerikanischen Soldaten von morgen im Irak - ein Recht darauf zu erfahren, was dort wirklich passiert.

In deutsche Kinosäle kommt „Fahrenheit 9/11“ am 29.07.2004.



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