
MuVi-Award in Oberhausen
Ein Semi-Essay
03.05.2004, 14:06, Text:
linus volkmann,
linus volkmann
Oberhausen 2004. Zum ersten Mal mit Gerhard Schröder als Wackel-Dackel bei der Eröffnung. Auch am Samstag, zwei Tage danach, jammert die kritische Medien-Bohème noch über diese Geste. Schließlich gelten die Kurzfilmtage Oberhausens als ideologiesicher und attraktiv links. Da passt Schröder nicht hin. Und dass die Veranstaltung kein Grenz-Camp mit Filmen und Untertiteln ist, muss man doch nicht so deutlich bewiesen bekommen.
Unabhängig von diesem Thema, auf das man gleich im Foyer des Kinos Lichtburg stößt, steht hier und jetzt die MuVi-Preisverleihung an. Die unterschiedlichsten Videos, die im Vorfeld auch auf intro.de zur Abstimmung bezüglich des Publikumspreises standen, werden aufgeführt und prämiert.
Der Wettbewerb beginnt. Mehrere das 3 1/2 Minuten Song-Format sprengende Nummern sind dabei (International Pony, Thomas Köne oder Wir Sind Helden). Dann hat der Verlust von Abspielstationen wie Viva2 doch was Gutes. Denn wer jetzt ein ambitioniertes Video macht, muss es nicht mehr aufgrund der Hoffnung, Airplay zu erhalten, noch zurecht stutzen. Jetzt geht alles, weil nichts mehr geht, denke ich, während ich fasziniert bei Könes morphender Winterlandschaft in Sekundenschlaf verfalle. Kaum kommen keine grellen Reize mehr, nickt man ein. Ich schäme mich eine Zeit lang. Dann sind alle gelaufen. Größten Applaus ernteten Wir Sind Helden für ihre zutiefst liebliche und pointierte Kleinbürgerverkitschung 'Die Zeit Heilt Alle Wunder'. Ein Doku-Clip fast ohne Musik.
Dann die Preisverleihung: Was ihr online gevoted habt, wisst ihr ja noch, aber ich schreibs auch gern nochmal: 3. Wir Sind Helden (Cornelia Cornelsen / Floria Giefer), 2. Giardini Di Miró (Craig Robinson) und gewonnen hat: Norbert Heitkers Dalli-Dalli-Hommage-Video der Ärzte. Soweit alles klar. Dann der Jury-Preis u.a. von Karl Bartos vergeben. Wie immer, zumindest wenn ich da bin, klafft eine Lücke zwischen Jury und (anwesendem) Publikum. Aber diese Spannung macht ja was her und ist diskussionsintensiver als Favoriten-Siege. So geht der kongeniale Pony-Clip mit Angie Reed tatsächlich leer aus. Dafür gewinnt das Nürnberger Studi-Projekt (Treidl/Sulzer/Weiger) aus dem Videoclip-Seminar mit ihrer quietschbunten Collagen-Animation von The Streets 'Let's Push Things Forward'. Die wundern sich selbst etwas. Dahinter Graw/Böckler (mit der Durchdeklination von Computereffekten anhand einer Einstellung des Zuckerhuts) und nochmal Wir Sind Helden. Eine \\\\\\\\\"spezielle Erwähnung\\\\\\\\\", a.k.a. der vierte Platz, erhielt die eiskalte Umsetzung von Amon Tobin durch Corine Strübi. Na, das ist ja dann doch noch ein schöner Ausgleich zwischen Realo und Fundi.
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