Past Forward

US-Teenager hören wieder Beatles

31.03.2004, 16:32, Text: Pascal Blum, Pascal Blum
[18 Kommentare]

Nachdem die britische Schallplattenindustrie kürzlich bekannt gab, mehr als die Hälfte der englischen Tonträger werde von über 40-jährigen gekauft, wartet die heutige USA Today-Ausgabe mit einer weiteren Hiobsbotschaft auf: Jugendliche in Amerika hören wieder die Musik ihrer Eltern. Die Beatles, The Who, Led Zeppelin, Jimi Hendrix: Die ganzen 60er- und 70er-Jahre ohne Geschmackskontrollen, so scheint es. Zahlen? Zahlen: An den jährlich stattfindenden Beatles-Fan-Treffen sind 75% der Besucher unter dreißig. Das US-Reissue-Label Rhino/WMG richtet ihre Neuauflagen von alten Klassikern nicht mehr an die über 40-jährigen, sondern weit darunter.

\\\\\\\"Forward-thinking teens are reaching backward for music

Ob man aus diesen paar Punkten ein neues Retro-Interesse der Jugendlichen festmachen kann, scheint fraglich. Die Allman Brothers Band, die nach 35 Jahren immer noch tourt, beschreibt ihr Publikum aber so: \\\\\\\"We see kids out there, and we still have hippies. I don't see a gap between generations. It's all ages, all types.” Und die gleiche Entwicklung sieht Jeremy Hammond, Chef Artist Development bei Sanctuary Records: “Back then, you had to choose a lifestyle associated with a genre. In England, you were in a gang of rockers or skinheads or Mods. Potheads wanted psychedelic music. Those boundaries are gone.\\\\\\\"

Ob die Gründe im weiten Filesharing-Feld liegen, wo der technisch versierte Jugendliche auch auf Vergangenes stößt, oder ob der Verdruss über aktuellen Pop-Dreck im Radio und Fernsehen tatsächlich so groß ist, dass sich Jugendliche nach Spannenderem umsehen – es bleibt sehr fragwürdig. Was aber sicher ist: Aktuelle Rockbands orientieren sich klar an Vorgaben früherer Heroen; arg polemisch drückt es Sean Ross von Edison Media Research aus: „White Stripes, The Darkness and Jet; it's all AC/DC. As music gets retro, kids get curious about the real thing.\\\\\\\" Wenn junge Musikhörer über die White Stripes irgendwie zu den Pixies gelangen, hat das aber auch Nachteile: Wenn die Jugend die Musik ihrer Eltern hört, wie soll es zu einem Generationenkonflikt und damit zu einer – wie auch immer gearteten – Weiterentwicklung der Pop- und Musikkultur kommen? In diesem Sinne sind Retro-Bands zutiefst konservative Musiker.

Der Beatles-Historiker Martin Lewis bietet im USA-Today-Artikel eine halbwegs nachvollziehbare Erklärung: \\\\\\\"Young people like to feel uplifted, but the culture has a sneer on its face so they turn to music, albeit frozen in time, that has an exuberant optimism. Artists in the '60s and to a degree in the '70s dared to hope, perhaps naively, that things could get better. Teens should be joyous and optimistic. There's plenty of time to be bitter and twisted later.\\\\\\\"



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  • User: Sören
  • Sören 31.03.2004 | 19:36:18
    Tiki-Taka-Taliban.
    es gibt wahrlich schlimmeres, als beatles zu hören. rückwärtsgewandtheit, so ein schnickschnack. gute musik ist gute musik.

  • buenaventura 31.03.2004 | 21:52:17
    hashomer
    ich find ja das geschwaetz von den konservativen musikern gut. das ist mal analytisch scharfer journalismus.

  • User: jebu
  • jebu 01.04.2004 | 09:00:17

    "Wenn die Jugend die Musik ihrer Eltern hört, wie soll es zu einem Generationenkonflikt und damit zu einer – wie auch immer gearteten – Weiterentwicklung der Pop- und Musikkultur kommen?"

    Ich glaube, die Weiterentwicklung der Musik resultiert schon ziemlich lange nicht mehr aus Generationskonflikten.
    Wann gab es denn zuletzt eine aufrührerische Jugendbewegung mit Musikzusammenhang?

  • User: Carsten Schumacher
  • Carsten Schumacher 01.04.2004 | 10:44:29

    @Sören: Na, hört man von Dir nur "Altrocker" und plötzlich so ein Statement der lockeren Ausgeglichenheit. "Gute Musik ist gute Musik" klingt wie "Life Is Life", das hat Rhythmus. Find ich gut.

  • User: ferriswheel
  • ferriswheel 01.04.2004 | 10:52:51

    Ich dind das Geblubber in dem Artikel teilweise unerträglich... Ich alter Sack, Ich. Kaufe mir in letzter Zeit liebend gern Vinyl Schätze oder die Deluxe Editions von Fleetwood Mac bis zu den Who. Warum? Weil man sich die Platte tausend mal anhören kann, weil da Lieder drauf sind, Melodien, sprich zeitlose Musik. Während dessen fasse ich meine zeitgenössischen CD´s eher selten an, weil diese sich einfach zu 80 % nicht mehr ins Hirn einbrennen.

  • User: Carsten Schumacher
  • Carsten Schumacher 01.04.2004 | 10:53:24

    @Buenaventura: Analytisch scharfes Geschwätz? Egal, wir drucken das aus und rahmen's uns ein...

  • buenaventura 01.04.2004 | 10:57:47
    hashomer
    zwei aussagen zu einer zusammenzuschmeissen kann zu einer verzerrung des sinngehalts der jeweiligen aussage fuehren. um nicht zu sagen: eine neue aussage zu kreieren, die urspruenglich nicht gemacht wurde. aber dem wachen geist muss man sowas ja nicht erklaeren.

    next!

  • buenaventura 01.04.2004 | 11:15:41
    hashomer
    immerhin: das war jetzt eher erbaermlich schlecht formuliert.

    next!

  • User: verdunkelung
  • verdunkelung 01.04.2004 | 13:54:39

    @ferriswheel: das ist jetzt aber 'ne eindeutige verklärung der vergangenheit. ich wage mal zu behaupten, das zu zeiten von 'Fleetwood Mac bis zu den Who' ebenfalls 80% triviale scheisse auf tonträger gepresst wurde. man kann das halt jetzt besser ausblenden, weil man damit nicht mehr pausenlos belästigt wird.


    ps: merkt man meinem kommentar eigentlich an, dass ich die news: past forward noch nicht gelesen habe?

  • User: Sören
  • Sören 01.04.2004 | 14:02:08
    Tiki-Taka-Taliban.
    @carsten: ich sehe keinen widerspruch zwischen einem ausdruck wie "altrocker" und "gute musik ist gute musik." das müsstest du schon etwas genauer erklären.

  • User: Pascal Blum
  • Pascal Blum 01.04.2004 | 14:03:47

    @verdunkelung: Freichheit! News lesen, dann posten!

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