Smoking Grooves 2002

We Will Rock You

07.08.2002, 13:09, Text: Jan Kedves, Jan Kedves

Die Smoking Grooves-Tour ist eine Leistungsschau der US-amerikanischen Hip Hop-Szene, unterwegs zwischen Ost- und Westküste. Jemand beschrieb das Konzept mal als "Lollapalooza des Hip Hop“. Klingt nicht so, als ob es allzuviel mit Rock’n’Roll zu tun hätte – denke ich mir so, während ich mit Horden junger B-Boys und -Girls vor dem Nissan Pavillion bei Washington D.C. Schlange stehe und schon den ersten Act des tight gepackten Schedules, Cee-Lo, verpasse. Sei’s drum: Drinnen noch eine Plastikpulle Miller gekauft (strictly ab 21, mit ID-Kontrolle, nur sieben Dollar: normal), startet mein Abend mit Truth Hurts, der ersten Frau auf Dr.

Dre’s Label Aftermath: Die Lady macht auf der Bühne bereits einen sehr routinierten Eindruck, stakst zu ihren R’n’B-Ohrwürmern non-stop zwischen der Backing-Band "Reality” und den drei Background-Chanteusen "The Consequences” hin und her, ohne dass ihr opernreifes Organ auch nur einen Cent verrutschen würde. Profi. Danach hüpfen die Jungs von Jurassic 5 aus einem haushohen Technics-MK2-Replika und zaubern Tricks aus dem Ärmel: Ein funky Cowbell-Break, live gespielt, geht in einen fetten Oldschool-Elektro-Beat über, der sich dann wiederum in Bill Withers‘ "Just The Two Of Us“ auflöst. Irgendwann kommt sogar noch ein Umhänge-Plattenspieler zum Scratch-Einsatz, wie damals bei Tone Loc. Yeah, soviel Show verfehlt natürlich nicht ihre Wirkung: Überall wedelnde Arme. Dann: Vollbremsung mit Lauryn Hill. Ihr Auftritt ist verstörend – oder mutig, wie man will. Alleine mit ihrer Akustikgitarre gibt sie die angry, conscious und folksy Singer-Songwriterin. Sie schreit mehr, als dass die singt, gegen "inequity” und "manipulation”, und das einzig "schöne“ Stück, das sie spielt – ihr alter Hit "X-Factor“ – ist auch kaum noch wiederzuerkennen. Das Publikum scheint das allerdings nicht als Spassbremse zu empfinden: Lauryn erntet massig erhobene Power-Fäuste und Standing Ovations. Weiter geht’s mit Hip Hops berühmtester Live-Band The Roots, die Songs vom neuen Album "Phrenology“ im Gepäck hat und schon mit den ersten Tönen die Richtung klarstellt: Der Mitklatsch-Beat von Queen’s "We Will Rock You“ macht Schluss mit bluesigem Rhodes-Sound. Richtig klasse wird’s, als der Sänger und Gitarrist Cody Chesnutt im Hippie-Outfit die Bühne entert und zusammen mit den Roots als Backing-Band seinen Song "The Seed“ (eine schamlose Ode an sexuelle Untreue) performt: Tausendmal cooler als Lenny Kravitz jemals könnte, singt er darüber, wie er als "Fertilizer“ die Damenwelt beglückt und schon einen Namen in Petto hat, falls dabei ein Kind passiert: "I’d call him Rock’n’Roll“. Das Publikum ist begeistert. Nach dieser Vorlage haben Outkast die leichte Aufgabe, den Abend zu einem guten Ende zu rocken. In ihrer Zirkuszelt-Kulisse treiben es Big Boi und Dre 3000 – letzterer mit nacktem Hingucker-V-Oberkörper und hysterischen Frauen-Quietschern – ebenfalls recht derbe, schon wieder mit Queen’s "We Will Rock You“-Beat. Was ein Zufall. Die Stimmung? Kocht. "How many Outkast-Fans we got in this house?”. Alle, klar. Nachher, vor dem Venue, drängt sich leider noch eine Lautsprecher-verstärkte und endlos-geloopte Promo-Ansage ins Gedächtnis, mit einer ekligen Vertreterstimme ("Thank you for coming and please drive safely“) und dem nett gemeinten Tipp, dass am 27. September übrigens auch Enrique Iglesias kommt. Na klar: See you soon!



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