Coldplay bei Eins Live

So war der Auftritt

12.07.2002, 16:18, Text: Stephan Ossenkopp, Stephan Ossenkopp
[6 Kommentare]

Egal, ob es aus einer nicht näher bekannten Not geboren oder wirklich die einmalige Überraschung war, wie von der um Füllworte ringenden Eins Live Moderatorin angekündigt: Coldplay gaben ein Akustik-Konzert. Eines, das Sänger Chris Martin im übrigen tags drauf als einen ihrer schlechteren Auftritte brandmarken würde, obwohl dazu wirklich kein Anlass besteht. Drummer Will, Gitarrist John und Bassist Guy hüllten sich in demütige Konzentration und machten ihre Sache routiniert, während Chris eher überschwappte und mit seinen blitzblauen Augen den persönlichen Kontakt mit der halb sitzenden, halb stehenden Zuschauergemeinde aufnahm. Chris, das spürte man, wollte sich unbedingt verausgaben, sich in jedem Moment der Darbietung verlieren, sein Ego zerfließen lassen.

Er stampfte auch in ruhigen Passagen mit seinen roten Turnschuhen auf, sang so intensiv, dass seine Adern aufschwollen und sein Schweißstrom alsbald die Ausmaße des Amazonas annahm. Kein Gefälle war auszumachen zwischen den älteren Songs von der "Parachutes"-LP und den neuen von der "A Rush of Blood To The Head": "Yellow", "Shiver" und "Trouble" werden mit gleicher Kraft im musikalischen Äther materialisiert wie "Politik", "In My Place", "God Put A Smile On Your Face" und "The Scientist". Dazwischen machte es ungeheuer Spaß, zu Chris' charmantem Understatement zu lachen, das die begehrten Weltstars immer wieder zur unbekannten Nummer von Nebenan degradieren wollte. In der Rückbesinnung wird vielleicht verständlich, warum Chris den Gig eher unter den Teppich zu kehren versuchte. Sein Adrenalin kochte dermaßen hoch, dass es durch die ungewohnten Umstände weniger Auffangmöglichkeiten fand. Auch weil der Charakter der neuen Songs, so meinte er später, auf den vielfältigen Effekten und den treibenden Drums fußten. Das zarte akustische Gerüst hielt Chris' Energie also nur gerade soeben stand, so auch das der Zugabe, Hunting "High And Low" von A-ha, als dessen Fan sich Chris gerne zu erkennen gab. Es bleibt aber in jedem Fall die Erinnerung an ein in allen emotionalen Facetten erfüllendes Konzert. Ein so intimes und warmes Lebenszeichen von Coldplay hat all die lange Wartezeit auf einen Schlag vergessen gemacht.



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  • User: DJ Micha
  • DJ Micha 12.07.2002 | 19:02:47

    Ich fand den Auftritt auch akustisch wie optisch sehr emotional und bewegend. Er macht gleichzeitig Hoffnung, dass Coldplay eine der wenigen Bands sind, die nach einem fulminatenten Debut nicht einen enttauschenden Schnellschuß nachlegen, denn die neuen Songs die gespielt wurden stehen den "alten" Hits in nichts nach.

  • User: digi
  • digi 13.07.2002 | 03:28:37

    hmm, evtl. jemand eine playlist des radiokonzis parat?

  • User: Sören
  • Sören 13.07.2002 | 13:19:09
    Tiki-Taka-Taliban.
    siehe den Thread im Konzerteforum:

    playlist vom radiokonzert, war übrigens
    ein akkustik set!
    politik
    shiver
    trouble
    don't panic
    in my place
    god put a smile upon your face
    yellow
    scientist
    und dann eben "hunting high and
    low"

  • User: digi
  • digi 13.07.2002 | 13:37:41

    thx,

    hab's für ne Freundin aufgenommen, brenn's jetzt auf cd und mach einzelne Tracks... jetzt wo du das sagst hätte ich auch schon allein durch anhören die tracks rausgefunden. *g* egal. trotzdem danke! :)

  • User: feldkamp81
  • feldkamp81 14.07.2002 | 17:34:44

    Hey digi,

    schick mir doch auch mal eine Kopie. Ich konnte es leider nicht im Radio verfolgen da ich zu der Zeit im Kultkomplex Café direkt vor einer Bühne saß und einer fantastischen englischen Band bei einem Akkustikset zusah....

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