MP3: Eminem vs. Chuck D

Ein Thema, zwei Meinungen

26.04.2002, 12:32, Text: Christian Steinbrink, Christian Steinbrink

Das Thema \\\"MP3\\\" ist angesichts von 5% Umsatzeinbußen der internationalen Musikindustrie aktueller denn je. Noch vor Jahresfrist hoffte gerade die Bertelsmann Group, mit dem Aufkauf der marktführenden MP3-Börse Napster und einer Umstrukturierung derselben zu einem kostenpflichtigen Service das Problem gelöst zu haben. Aber spätestens seit der Aufregung um im Internet kursierende Soundfiles des neuen Oasis-Albums ist klar, dass das Ende der Diskussion noch lange nicht erreicht ist.
Der Ärger der Oasis-Brüder hat Eminem wohl schwer beeindruckt. Jedenfalls lehnte er es ab, Promoexemplare seines neuen Albums \\\"The Eminem Show\\\" herauszurücken.

Neben der gesamten Musikjournaille ist davon sogar seine eigene britische Plattenfirma betroffen, die dieses Album nun angemessen promoten muss, ohne es selbst zu kennen. Normalerweise kursieren Probepressungen schon Monate vorher. Nun werden Promoexemplare erst am Tag der Veröffentlichung, dem 3. Juni, herausgegeben.
Chuck D, Mastermind von Public Enemy, vertritt da ganz andere Ansichten. Erst letzte Woche bekräftigte er in einem Interview mit der BBC seine Ansicht, dass das Internet die \\\"größte Sensation seit den Beatles, Disco und Rap\\\" sei. Gleichzeitig befürwortete er freie Tauschbörsen wie Napster - vor der Bertelsmann-Übernahme. Sie würden den Künstlern helfen, \\\"dumme und gierige Plattenlabel\\\" zu umgehen. Chuck D vertritt seit langem die Ansicht, das Filesharing zu einer größeren Demokratisierung der Musikindustrie führt. Jeder hat so die Möglichkeit, seine Musik zu veröffentlichen und dadurch Popularität zu erlangen. Traditionellen Datenträgern wie LP oder CD, an deren Distribution und Verkauf große Teile der Musikindustrie weiterhin festhalten, gibt er keine großen Zukunftschancen. Chuck D selbst half aktiv mit, freie Tauschbörsen zu popularisieren. Er hatte 2000 für Aufsehen gesorgt, indem er auf seine Rapstation-Homepage einen Wettbewerb ausrief. Es ging darum, den Public Enemy–Titel \\\"Power to the People and the Beats\\\" mit einem neuen Text zu versehen. Einzige Vorgabe war, mit diesem Text zu erklären, warum Napster unterstützenswert ist.



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