
Oasis in Berlin
Totgesagte leben länger?
12.02.2002, 17:16, Text:
Anna M. Stiefvater,
Anna M. Stiefvater
[23 Kommentare]
Mal wieder: Früher war alles besser. In diesem Falle Oasis. Der Glanz der vielleicht größten und definitiv überstrapazierstesten Helden des Britpop ist arg verblasst in den letzten Jahren. Zuviel Hype, zuviel Boulevard, zu wenig überzeugende Musik. Nun steht also ein neues Album ins Haus, und die mittlerweile gut geölte Oasis-Hysterie-Maschine läuft an und beschert uns einen Showcase-Gig, zu dem nur einige 700 geladene Gäste und glückliche Ticketverlosungsgewinner Einlass finden sollen. Die notorisch empfindlichen Gallagher-Brüder und ein Publikum, das zu einem wesentlichen Teil aus Leuten besteht, die nicht da sind um zu sehen, sondern um gesehen zu werden: das kann ja heiter werden.
Wie gehabt erscheint die Band zu den Klängen von \"Fuckin In The Bushes\" auf der Bühne, straft das Publikum mit Nichtachtung, und spielt eher halbherzig und schwerfällig die ersten Songs herunter. Gewinner und solche, deren Taschengeld für einige Monate aufgebraucht sein dürfte, lassen sich jedoch nicht so leicht entmutigen. \"Liam, Liam\"-Sprechchöre tönen durch den Saal, woraufhin dieser sich offensichtlich wieder entsinnt, dass gelangweilt tun erheblich mehr Spaß macht als gelangweilt sein. Die aggressiv-arrogante Bühnenpräsenz, die in Ermangelung jeglicher Showeinlagen die eigentliche Faszination eines Oasis-Liveauftritts ausmacht, lodert auf, und verleiht der Performance die zunächst vermisste Spannung und Schärfe.
Neben Standards wie \"Supersonic\", \"Morning Glory\", \"Cigarettes And Alcohol\" und Favourites wie dem mehrfach lautstark eingeforderten \"She's Electric\" werden auch vier der mit Spannung erwarteten neuen Songs eingestreut: \"Force Of Nature\", bei dem Noel seine ohnehin schon arg grenzwertigen Sangeskünste weiter strapaziert, \"The Hindu Times\", das - erraten! - mit indisch angehauchtem Gitarrenriff aufwartet, das von Gem Archer geschriebene \"Hung In A Bad Place\" sowie \"Better Man\", das aus Liams Feder stammt. Noel, nach erfolgter Publikumshuldigung mittlerweile ebenfalls aufgetaut, kann es sich nicht verkneifen, auf diese Tatsache ausdrücklich hinzuweisen, und den folgenden Applaus als Sarkasmus zu deklarieren, der dem kleinen Bruder auch im Studio entgegengeschlagen sei. Zumindest im Moment scheinen - so mancher mag es bedauern - Bruderzwist und Temperamentsausbrüche unter Kontrolle, denn selbst als Noels Gitarre während des mittlerweile schon traditionellen Closers \"I Am The Walrus\" ausfällt, und noch mal von vorne begonnen werden muss, nehmen sie es mit Humor, und verwandeln den Song der grossen Vorbilder wie eh und je in ein energiegeladenes Finale, dem nichts hinzuzufügen ist.
Man kommt dennoch nicht umhin festzustellen, dass die neuen Songs sich allzu nahtlos in das Set einfügen, woraus denn auch folgt, dass die eigentlich längst fällige musikalische Weiterentwicklung auf sich warten lässt. Oasis' Musik ist und bleibt nicht mehr als ein lärmender Ausdruck britischer Ladkultur, Sinnsuche zwecklos. Aber muss denn immer alles einen Sinn haben? Es bleibt spannend.
Setlist:
Fuckin In The Bushes
Go Let It Out
Columbia
Morning Glory
Acquiesce
Force Of Nature
Supersonic
Fade Away
Hindu Times
Gas Panic!
Cigs & Alcohol
Hung In A Bad Place
She's Electric
Champagne Supernova
Better Man
Rocknrollstar
Don't Look Back In Anger
I Am The Walrus
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Tocotronix 12.02.2002 | 18:05:31
ich hoffe es war nicht so langweilig wie der bericht klingt. warum bist du hingegangen und hast dein tic nicht für 180 € verzockt, Anna? Der thees war doch auch da, wüsste gerne wie es dem gefallen hat.
grrr 12.02.2002 | 18:24:12
Les Ÿper Sound / Fanklub / Sil
dachte, thees hätte es verbockt.
oder etwa nur das ticket für den
schönen dienstag?
@anna: genauso habe ich mir das
vorgestellt...
welche logintros waren dabei?
diese frage interessiert mich
weit mehr als der auftritt! :)
pktwo 12.02.2002 | 18:30:09
wenn dir vorher eh schon klar war dass das nichts wird, warum hast deine karte nicht auch bei ebay für € 180 verkauft??
gorgeous 12.02.2002 | 18:33:37
here come the drums
weil ich oasis mag. ganz einfach.
Tocotronix 12.02.2002 | 18:34:41
grrr: klar dass du dir das so vorgestellt hast. gehörst ja auch zu der umsonst konzertgänger fraktion, die mich in hh häufig mit sätzen wie "das konzert war ja ganz nett, aber ich war auch umsonst da und gezahlt hätte ich nicht" beglückt. und genau so hört sich die kritik an.
Miriam Jugenheimer 12.02.2002 | 18:37:26
ich kann annas kritikpunkte absolut nachvollziehen (auch wenn ich nicht da war). und trotzdem wäre ich auch gerne hingegangen und hätte es angeschaut. und ich glaube anna und ich bewegen uns auf ähnlichem fan level.
StoneRose3 12.02.2002 | 18:40:53
ebay?ich verfluche dich ebay!*yahoo!*
12.02.2002 | 18:56:27
ich finde nicht, dass sich gorgeous bericht so anhört, als wäre er von jem,andem verfasst worden, der sowieso nur hingeht, weil es umsonst ist. hier hat meines erachtens jemand geschrieben, der die band kennt, weiß wozu sie (nicht) inder lage ist - und vor allem auch vergleiche ziehen kann zu früheren auftritten. kann darum auch die kritik am text keineswegs nachvollziehen.
Absolut Sören 12.02.2002 | 19:02:12
ich finde, der text bietet eine gute balance zwischen journalistischer distanz und fan-begeisterungsfähigkeit. auch, ohne den autor zu berücksichtigen.
der schöne dienstag 12.02.2002 | 19:02:33
ist tocotronix nicht der typ, der vor ausverkauften konzerten steht und fans mit teuren restkarten abzockt?
schatten 12.02.2002 | 19:10:43
Käse und Wein
auch wenn ich das gefühl kenne, wie das so ist mit dem "gelangweilt umsonst rumstehen", gleichermaßen natürlich schon stunden in der ersten reihe geschwitzt habe, so ist "das schlimmste" immernoch der aufenthalt vor den türen: AUSVERKAUFT, heist das dann, und wer gerade spielt sollte vor allen Dingen den Leuten egal sein die ohnehin nicht dahin wollen! Sei´s nun OASIS oder "LOcal Indie Headz".
fredflinte 12.02.2002 | 21:09:15
also ich fand das konzert unglaublich gut! auch wenn die leute am eingang ihren job nicht ganz verstanden haben und leute wie mich als karten gewinner erstmal aufgrund fadenscheiniger begründungen rauswerfen.
cool fand ich dass leute wie thees und markus kavka noch übrig gebliebene karten umsonst abgegeben haben, zu sowas sind die idioten am eingang ja nicht fähig!
Conrad 12.02.2002 | 22:45:27
warum sind bei oasis texten/news immer so lange threads? überlegt mal.
3d 13.02.2002 | 04:10:25
das stimmt!wenn oasis für eins gut sind,dann um über sie zu lästern bzw.ihre neuesten klatschgeschichten zu reden...so wie oma´s beim arzt in der"neuen post" blättern und über fucking mette-marrit(oder wie die bitch heißt)zu labern-mit dem unterschied,daß oasis etwas künstlerisches tun(oä)...trotzdem mag ich blur lieber,die sind viel wandelhafter.aber jede generation braucht halt ihre motörhead-ac/dc-ramones bands:immer gleich,immer gut.
Ministrant 13.02.2002 | 09:45:59
Dieser Text sagt mir garnichts und Anna erklärt sich selber. Aber Anna sagt mir auch nichts und nun. Ich verstehe die Texte nicht wenn die Leute ein Konzert nutzen um indirekt etwas über sich mystifzirend wissendes verlauten lassen und die Zügel der Ent- o. Begeisterung streng ihren "bewußten" Händen halten wollen. Dieser Text wollte nichts falsch und richtig zugleich machen aber anspruchsvoll wirken.
Ich habe keinen Dunst was jetzt eigentlich wirklich in Berlin passiert ist.
getupkid 13.02.2002 | 10:08:52
i wanna see movies of my dream
Ich finde den text sehr schön, kompliment, anna. ist das erste was ich von dir lese, und gefällt mir richtig gut.
und hingegangen wär ich auch verdammt gerne - auch wenn ich über oasis gerne lästere - es gibt momente, da is man einfach fan.
Trevanian 13.02.2002 | 15:25:56
Ich bin ein wahnsinnig großer Oasis-Fan, aber irgendwann kann man sich einfach nicht mehr von der Wirklichkeit emanzipieren und muss bestimmte Ding einsehen - und somit beim Lesen von Deinem/Annas Bericht mehrmals nicken. Mit Deinem/ihrem Satz "Oasis' Musik ist und bleibt nicht mehr als ein lärmender Ausdruck britischer Ladkultur [...]" bin ich nicht einverstanden. Das ist nun doch ein bißchen sehr einfach, vielleicht aber ja auch nur bewußt provokant formuliert. Hung In A Bad Place ist allerdings von Gem Archer geschrieben worden, nicht von Andy Bell.
Cheers
Christian
gorgeous 13.02.2002 | 15:53:00
here come the drums
ups, tatsächlich. danke für den hinweis... fehler korrigiert.
girl_from_mars 17.02.2002 | 17:54:42
Wirklich gut geschrieben, gorgeous, es hat Spaß gemacht den Text zu lesen!
Die meisten Kritiker hier scheinen entweder ihren Vorurteilen erlegen oder können einer komplexeren Rezension als "war geil" nicht folgen zu können.
gambla 17.02.2002 | 20:35:07
auch mein kompliment für den guten journalistischen stil.
die kritik kann ich aber größtenteils einfach nicht nachvollziehen. sicher sind oasis nicht neu, aber das feuer, der hype, ist bei millionen von oasisfans in aller welt geblieben. doch die resonanz auf diesen auftritt wird oasis eben auch genauso wenig interessieren, wie zehn jahre hype um ihre band. ich behaupte sogar, daß sie bei wissen um dieses publikum, einen gang ins nächste pub oder ein fussballspiel sehr bevorzugt hätten.
richtig ist, daß oasis, milde ausgedrückt, überhaupt keinen wert auf eine show legen, und das erwarten ihre fans auch nicht. die band spielt ihre musik, pure and simple, rock'n'roll.
die feststellung der vermissten weiterentwicklung überrascht mich, da oasis schon lange mitgeteilt haben, daß sie mit diesem album wieder zum sound einer "definetley maybe" zurückwollen. und das ist gut so. denn dagegen waren die verkannten "be here now" und "sotsog" für oasis' verhältnisse bereits ein experiment. das können bands wie blur auch bestimmt besser.
und es freut mich, sie machen keine kunst, keine politik, und keinen sinn. oasis sind das geblieben was sie sein wollen und bleiben, eine rock'n'roll band.
CrazyBird 18.02.2002 | 00:24:59
War nicht so gemeint.
Also, ich fand den Artikel auch sehr schön. Auch wenn ich die Situation von Anna nicht so gut nachvollziehen kann, da ich Oasis erst richtig seit SOTSOG kenne, und den Rest der Alben nachgekauft habe, und mich auf noch kein Album richtig gefreut habe bis auf das hier jetzt, so hat sie wohl doch in vielen Punkten recht. Und daß sie das langweilt, dass sich Oasis nicht weiterentwickeln ist doch verständlich.
Aber auch wirklich traurig für sie, ein paar Kilometer weiter zeigen denen doch Blur, wie man sich weiterentwickeln kann, aber immer noch mit Ohrwurm-Songs.
Und ich finde es eher positiv, daß das nicht nur ein Konzertbericht war (ich konnte schon entnehmen, wie das Konzert war@Ministrant), sondern eher ein Situationsbericht über Oasis.
Und dafür, daß das der erste Bericht von Anna war, ist das wirklich sehr gut gewesen.
Weiter so!
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