Willkommen 2009 – mit einem Mädchen von Múm
Kristín Anna Valtýsdóttir spielt Klavier in Berlin
05.01.2009, 19:43,
Der Kater ist Vergangenheit. Sonst wäre das arty Klavierkonzert von Kristín Anna Valtýsdóttir auch zuviel des Guten gewesen.
Am 04.01. ist aber auch mal gut mit jammern. Der Kater ist mit ordentlich viel Tee weggeschlürft, der Kopf wieder frei für neues. Das kam an diesem Abend von einer alten Bekannten: Kristín Anna Valtýsdóttir, einst in der Gründungsbesetzung der isländischen Indieband Múm dabei gewesen. Ausgestiegen ist sie vor ca. drei Jahren um sich dem Musikstudium zu widmen – und dementsprechend sophisticated kehrt sie nun zurück für einen Klavierabend in der Berliner Galerie Program in der Invalidenstrasse 115.
Während der zwei Stücke des Support-Acts, von kundigen Betrachtern des Geschehens als der Pianist von CocoRosie einsortiert – was Sinn macht, da selbige ebenfalls anwesend waren, grotesk überschminkt und mindestens ebenso seltsam auf NuRave kostümiert -, gab sie sich noch dem Mittagsschlaf hin. Eine Tatsache, die sie nicht gerade zu verstecken gedachte und zum Start ihres Matinee-Sets erstmal mit dem Runterstreichen der Setliste (da sie ja noch nicht so fit sei) quittierte. Nun denn....
Ein neben mir sitzender Brite brachte das folgende ganz gut auf den Punkt: "Also auf Albumlänge würde ich mir das nicht gerne anhören. Und da muss unbedingt Elfenpop, Mickey-Mouse-Stimme und Island draufgeschrieben werden, als Warnung".
Ja, das ganze war eine Spur zu stark aufgetragen, zumal die Stücke selbst leider zum Großteil gar keine waren. Kristín Anna Valtýsdóttir driftete in den ersten zwei Dritteln durch eine nicht enden wollende Klavierfläche. Zu selten gelang es ihr dabei das Songhafte herauszukitzeln, zumeist setzte sie auf Stimmung, generiert durch ihre sehr leise, sehr hohe, und durch Hall zudem nochmals verfremdete Stimme sowie den verwaschenen Pianogestus. Im letzten Drittel begleitete sie sich auf der Gitarre, was die Sache nicht wirklich zwingender gestaltete. Hmm, das klingt jetzt vielleicht alles etwas hart, aber man muss berücksichtigen, dass sie mit Múm einfach schon ein paar Schritte weiter war und Stimmung und Song bereits vereint hatte. In diesem Sinne: Bitte die Wurzeln nicht ganz vergessen, auch wenn dank Musikstudium jetzt mehr Möglichkeiten bestehen....
Der Artikel erscheint in Thomas Venkers Blog.
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