
Morrissey vs. NME
Rassismusvorwürfe again
29.11.2007, 14:33, Text:
Johannes Mihram
[46 Kommentare]
Es scheint, als ob es gestern gewesen wäre: 1992 warf der NME Morrissey im Rahmen einer breit angelegten Story Nationalismus und rassistische Tendenzen vor. Anlass war ein Konzert im Vorprogramm der Band Madness, während dessen sich Morrissey in eine England-Flagge wickelte. Sein romantisierendes England-Bild und Songtitel wie 'National Front Disco' und 'Bengali In Platforms' taten ein Übriges. Seitdem herrschte erstmal Funkstille zwischem der englischen Postille und dem Sänger, bis sich das Magazin von seinem Solo-Album 'You Are The Quarry' neuerlich begeistert zeigte und ihn in Folge auch (wieder) interviewte.
Der aktuelle NME aber wiederholt nun die Vorwürfe von vor fünfzehn Jahren und erinnert schon auf dem Cover daran mit der Übrschrift 'Oh dear. Not again'. Er unterstellt dem Sänger wieder einmal England-Verherrlichung und kritisert seine Haltung gegenüber einer multikulturellen Gesellschaft. Morrissey im Wortlaut: \\\"The higher the influx into Britain the more the British identity disappears. The price is enormous. If you travel to Germany, it's still absolutely Germany. If you travel to Sweden, it still has a Swedish identity. But travel to Britain and you have no idea where you are. If you walk through Knightsbridge in London on any bland day of the week you won't hear a single British accent but you'll hear every other accent under the sun.\\\"
Weiter sagt er: \\\"Britain is just a distant memory now. It seems to me that our country was thrown away. We have said goodbye to the Britain we once knew. You have to be sensible about things. You can't say, 'Everybody come into my house, sit on my bed, have what you like, do what you like.' It wouldn't work.\\\" Die Immigranten seien auch der Grund dafür, dass viele Briten ihre Heimat verließen: \\\"Millions of ordinary people are leaving the UK every year because they don't recognise the place, so what I am saying is not unique. If you travel to Croatia tomorrow for instance, and walked around Zagreb hearing nothing but Dublin accents, you would find it shocking.\\\" Zweifelsohne: In dieser Form äußerst fragwürdig.
Spannend ist allerdings, dass das Umfeld von Morrissey nun eine Mail veröffentlicht hat, die Morrisseys Manager Merck Mercuriadis von NME-Reporter Tim Jonze, der das aktuelle Interview mit dem Ex-Smiths-Sänger führte, erhalten hat mit dem Wortlaut: \\\"Hi Merck, Hope you’re well. I should mention that for reasons I’ll probably never understand, NME have rewritten the Moz piece. I had a read and virtually none of it is my words or beliefs so I’ve asked for my name to be taken off it. Just so you know when you read it. Best, Tim\\\". Und tatsächlich trägt der Artikel entgegen den Gepflogenheiten des Magazins die Unterschrift \\\"Interview - Tim Jonze / Words – NME\\\", es zeichnet sich also kein einzelner Autor für den Artikel und damit die Anschuldigungen verantwortlich.
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hansmoleman 29.11.2007 | 16:06:46
...behaupte ich mal so.
sind denn die zeilen aus dem interview unstrittig? wenn ja ist das manko in mozzi's ausdrucksweise wohl eher die, dass er seinen rassismus und kulturchauvinismus nicht zu kaschieren weiss. widerlicher sack, der...
gnathonemus 29.11.2007 | 16:25:06
toller specht
oder man geht in den zoo
*ächz*
ach, der arme alte mann, ist doch nur ein bisschen nostalgisch und leider inzwischen zu senil für ausgewählte ausdrucksweise. wird wohl zeit für einen rhetorik-zivi.
baddiel 29.11.2007 | 16:28:01
der erstbeste bin ich!
gibt es denn von dem interview keine bänder mehr?
gnathonemus 29.11.2007 | 16:34:54
toller specht
fragen über fragen
ThisCharmingMan 29.11.2007 | 16:58:22
aber was hat er schon großartig gesagt? hat er jemanden beleidigt? hat er menschen angegriffen? ist das schon rassismus?
ich sollte mir wohl eher ein 2tes login hier einrichten, mein name könnte befangenheit befürchten lassen
buenaventura 29.11.2007 | 17:02:24
hashomer
Die Zitate, die Morrissey zugeschrieben werden, lassen ihn nicht gut aussehen, die Vorgehensweise des NME wirkt dabei aber nicht weniger zweifelhaft.
dieser "artikel" laesst vor allem seinen autor nicht gut aussehen und die vorgehensweise von intro wirkt dabei aber nicht weniger zweifelhaft.
einen artikel ueber vorgaenge, deren quintessenz mit "Obviously no-one is accusing Morrissey of racism - that would be mad given what Morrissey says - but" nicht ganz falsch wiedergegeben ist, mit "rassismusvorwuerfe again" zu ueberschreiben, ist schon mal ziemlich, nun, gewagt.
aber es ist ja nur intro, kein journalismus. daher ist es auch muessig zu fragen, welchen inhalt eigentlich bspw dieser absatz vermitteln will:
"Die Immigranten seien auch der Grund dafür, dass viele Briten ihre Heimat verließen: "Millions of ordinary people are leaving the UK every year because they don't recognise the place, so what I am saying is not unique. If you travel to Croatia tomorrow for instance, and walked around Zagreb hearing nothing but Dublin accents, you would find it shocking." Zweifelsohne: In dieser Form äußerst fragwürdig."
warum ist das "in dieser Form äußerst fragwürdig", fragt sich mindestens ein leser. was daran? will uns morrissey mitteilen, dass er vom dubliner akzent die schnauze voll hat und wieder nach kroatien will? und warum darf er das nicht sagen?
buenaventura 29.11.2007 | 17:03:11
hashomer
gut immerhin, dass hansmolemans niveau gut getroffen wurde.
gnathonemus 29.11.2007 | 17:16:06
toller specht
also im zusammenhang mit seinem geheule über das verschwinden der britischen identität (s.u.) sind vorwürfe in die richtung nicht so weit hergeholt, würde ich mal behaupten.
The higher the influx into Britain the more the British identity disappears. The price is enormous. If you travel to Germany, it's still absolutely Germany. If you travel to Sweden, it still has a Swedish identity. But travel to Britain and you have no idea where you are. If you walk through Knightsbridge in London on any bland day of the week you won't hear a single British accent but you'll hear every other accent under the sun."
baddiel 29.11.2007 | 17:33:05
der erstbeste bin ich!
ich verstehe nicht, warum sich der mann, der einige der größten songs der welt geschrieben hat, derart engstirnig an bescheurte nationalismen klammert.
wird aber noch übertroffen von fans, die blauäugig sämtliche äußerungen des "mozzers" okay gehen lassen.
hansmoleman 29.11.2007 | 17:34:43
...behaupte ich mal so.
genau diesen interview-fetzen mein ich ja. solche merkwürdigen überfremdungsängste sprechen doch bände. aber ich wette schons kann ihn bestens verstehen...
und man brauch auch niemanden persönlich beleidigen, um ein rassist zu sein. wenn man davon ausgeht, dass eine nation vor fremde einflüssen geschützt werden muss, weil sie sonst schaden erleidet, ist er ein rassist. punkt.
hansmoleman 29.11.2007 | 17:35:57
...behaupte ich mal so.
+n
okaym einen raketenangriff kann man auch als "fremden einfluss" sehen, aber das setzte ich mal als bekannt voraus, dass das nicht gemeint ist...
hansmoleman 29.11.2007 | 17:44:50
...behaupte ich mal so.
wen interessieren denn bitte die fugees???
Peter Flore 29.11.2007 | 17:49:06
Köstlich
@buena: Aber die NME-Überschrift "Oh dear. Not again" nimmt ja nun Bezug zu den Anschuldigungen von anno dazumal, von daher ist es nicht abwegig, hier von Rassismusvorwürfen zu sprechen.
gnathonemus 29.11.2007 | 17:50:51
toller specht
aber ihr seid doch gar keine richtigen journalisten ...
Reverend 29.11.2007 | 17:54:21
brüht im Lichte dieses Glückes
ich verstehe nicht, warum sich der mann, der einige der größten songs der welt geschrieben hat, derart engstirnig an bescheurte nationalismen klammert.
wird aber noch übertroffen von fans, die blauäugig sämtliche äußerungen des "mozzers" okay gehen lassen.
Word.
Reverend 29.11.2007 | 17:57:27
brüht im Lichte dieses Glückes
Nö, aber es kommt bald eine neue Platte.
theface 29.11.2007 | 17:59:43
moz wohnt doch schon lange nicht mehr in england, oder?!
gnathonemus 29.11.2007 | 18:02:21
toller specht
vermutlich deshalb:
Millions of ordinary people are leaving the UK every year because they don't recognise the place
faster23 29.11.2007 | 18:02:37
moz wohnte knapp zehn jahre in la im alten haus von clark gable auf dem strip. und zog als es in den staaten schwieriger wurde für ausländische künstler, siehe john lennon, ende 2004 nach rom.
theface 29.11.2007 | 18:05:40
als es in den staaten schwieriger wurde für ausländische künstler
mögen die da auch keine ausländer? so wie moz?
nene, versteh schon.
schunkel 29.11.2007 | 18:08:29
Soll die alte Diva aus ihrem Elfenbeinturm doch der unüberfremdeten Kindheit auf der kleinen Farm nachtrauern, meinen in Deutschland sei alles noch bilderbuchen deutsch, ihre 3 alten Schellack-Schlager-Singles verkulten und klassische Alben in Gegeigenfrackcover eintüten. Konservatives Abliefern auf allen Ebenen, bitteschön, dankeschön.
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