
Web 2.0 und so...
Alles für die Pole Position
01.09.2007, 16:00, Text:
Moritz Sauer
Suchmaschinenoptimierung gehört derzeit zu meinen Lieblingsthemen im Web. Wer in entsprechenden Weblogs rumschnüffelt und dem Geplauder der Optimierer zuhört, dem kriecht das Grausen in den Nacken. Wie beim Sport stopft man eigene Pferdchen mit Amphetaminen voll, sabotiert man die Maschine des Konkurrenten und spamt das Web für Links auf die eigene Domain zu.
Suchmaschinenoptimierung stellt man sich am besten wie das Schrauben an einem Auto vor. Damit der Flitzer als Formel 1-Wagen die Pole Position erstürmt, muss der Ingenieur die Maschine ordentlich tunen. Suchmaschinenoptimierer, die sich auch gerne SEO (Kurzform: Search Engine Optimizer) nennen, greifen dabei auf die verschiedensten Methoden zurück, damit der Wagen es auch in die Google-Top-10 und nicht wieder zurück schafft. Schließlich fordern die Kunden und der eigene Ehrgeiz das Halten der Spitzenposition. Wer einmal die Nummer 1 ist, will und darf nicht mehr zurück. Schließlich bedeutet der Abstieg, wie auch in der Formel 1, weniger Dollars auf dem eigenen Konto. Und das will niemand.
Wie aber schaffen es Suchmaschinenoptimierer auf die vorderen Plätze?
Ganz einfach: Man konstruiert sich einen Flitzer mit kraftvoller Maschine, erstklassiger Bereifung und einem exzellent designten Modell. De facto bedeutet das für die Optimierung der eigenen Website, dass man diese logisch und geordnet konzipiert, nach Webstandards programmiert und ordentliche Inhalte anbietet. Wie bei der Formel 1 bekommt man dadurch gleich eine doppelte Belohnung. Denn schnittigen Autos schaut man gerne hinterher, sprich gut strukturierte Webseiten gefallen dem Besucher. Gleichzeitig spurtet der eigene Sportwagen auf die forderen Plätze der...
SEO: Taktik, Manipulation und Sabotage
Das klingt jetzt alles einfach, ist es in der Regel auch, wenn man auf der Rennstrecke alleine seine Runden dreht. Spätestens dann aber, wenn auf Augenhöhe Konkurrenten auftauchen, strengt man sich besser an, sonst wird man abgehängt. Exzellent programmierte Webseiten und formschöner Inhalt hilft nichts, wenn niemand davon weiß. Der nächste Schritt im Website-Tuning ist dann das Sammeln von Allianzen, Links und Partnern. Wer verlinkt wird oder sich selbst auf anderen Webseiten verlinkt, webt sich langsam ins Internet. Je mehr Verknüpfungen und Halteseile es gibt, desto besser für die eigene optimierte Webseite. In der Vergangenheit wurde für solche Zwecke auch gerne Link-Farmen hochgezüchtet. Heute sind solche Methoden oftmals kontraproduktiv. Google & Co. haben dazugelernt.Was aber, wenn schon wieder der Konkurrent im Rückspiegel die hintere Stoßstange küsst?
Dann greifen einige der SEOs zu manipulativen Mitteln. Eine moderne Variante, um Mitstreiter von der Pole Position zu stoßen, ist die Methode einen Wikipedia-Artikel zum gleichen Suchwort nach vorne zu optimieren. Wie das geht erklären die Amerikaner von SEOMOZ in ihrem YouTube-Clip. Ein weiterer fieser und schmieriger Trick wirft den Kontrahenten aus Google & Co., indem man seine Inhalte auf einer anderen Website spiegelt. Die Suchmaschinen verbannen so genannten \\"duplicate content\\", sprich: doppelte Inhalten auf mehreren Webseiten aus dem eigenen Index. Webmaster und deren Seiten werden somit abgestraft. So lustig, wie das alles klingt, so krass geht es derzeit ab. Suchmaschinenoptimierung entwickelte sich in den letzten 2-4 Jahren zu einem neuen anspruchsvollen Job. Schließlich leiten die Suchmaschinen die Aufmerksamkeitsströme und wer oben ist, wird besucht, wer nicht, den gibt es einfach nicht. Ätzend gestaltet sich die Suchmaschinenoptimierung dann, wenn das Netz zugespamt wird, wenn also Communities und andere Webseiten von Suchmaschinenoptimierern missbraucht werden. Und das passiert leider immer häufiger.
Die gesammelten Kolumnen von mo. findet ihr unter
.: www.intro.de/spezial/webkolumne :.
Moritz \\"mo.\\" Sauer ist Musikliebhaber und Internet-Addict mit Herz und Seele. Als freier Journalist und Buchautor betreut der Kölner sein eigenes Netzkultur-MP3-Magazin Phlow. Für Intro berichtet mo. regelmäßig über neue Web-Trends.
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