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Web 2.0 und so...

Netzphänomen: Die 15 Minuten der Susan Boyle

29.04.2009, 14:04, Text: Moritz Sauer

Die Sängerin Susan Boyle gehört zu den sieben Internetwundern. Weniger als sechs Minuten katapultierten die 47-jährige Schottin von ihrem Auftritt in der Show "Britain's Got Talent"zu einem globalen Weltstar. Mehr als 100 Millionen Mal wurde ihr Video im Web abgespielt. Nur, was hat Susan Boyle davon?


Im Taxi durch Frankfurt
Während mich der junge türkische Taxifahrer durch Frankfurt befördert, plaudern wir über Musik. Mit einer Hand am Lenker und einer auf dem Touchscreen seines Mobiltelefons spielt er mir seine derzeitigen Lieblingssongs vor. Aus Neugierde heraus frage ich ihn: "Kennst Du Susan Boyle?" Die Antwort fällt kurz und knackig aus: "Nein!". "Das ist die Sängerin, die auf YouTube gerade rauf- und runterläuft, die hat so dicke Augenbrauen und ein Omakleid...", erkläre ich und werde prompt unterbrochen: "Ach die! Ja klar, Mann, die ist Hammer!" In den leuchtenden Augen strahlt die Begeisterung. Gefühlt ist der Enthusiasmus und die Bewunderung, die mein Taxifahrer versprüht, größer als die, die er seinen eigenen Stars entgegenbringt. Und das ist gut!

Zwischenspiel bei "Britain's Got Talent" 2009

Und plötzlich steht auf der Bühne eine 47-Jährige in einem unglaublich-unmöglichen Tantenkleidchen und hält ein Mikro in der Hand. Verblüfft fragen sich Jury und Publikum, wer hat die denn reingelassen?!? Mit Augenbrauen, die sich ein jedes Ich-will-Heidi-Klumm-sein-Mädchen schon längst zur Unkenntlichkeit gezupft hätte, schaut Susan Boyle pfiffig in die Runde. Nach ein paar käsigen Sprüchen auf die Fragen der Jury , in schönstem schottisch und samt komisch-lasziven Hüftschwung, schwenkt die Kamera über das Publikum. Man sieht, fühlt und hört die Gehirne denken: Ach Du Scheiße. Eine unangenehme Peinlichkeit erfüllt den großen Saal. Alle kriechen tiefer in ihre Stühle, fremdschämen sich noch bevor Susan einen Ton gesungen hat. Wer es auch miterleben will, schaut sich einfach den YouTube-Clip mit Susan Boyle an.

Hinter'm Maschendrahtzaun in Schottland

Was dann kommt ahnte weder England, Schottland noch der Rest der Welt, der dank YouTube erreicht wird. Diese Frau singt so kraftvoll und herzerweichend eine Hymne aus "Les Miserables", dass wirklich allen die totale Überraschung ins Gesicht geschrieben steht. Und wir ahnen es: Paul Pott war und ist gar nichts gegen diese Dame. Mit jeder Sekunde, die Susan Boyle singt, schwellen die Gefühle. Wir freuen uns mit Susan, dass sie so solide Augenbrauen besitzt. Die wären bei all dem Timbre und Klangvolumen davongeschmettert worden. Und als dann Susan Boyle das Mikro senkt, haben wir alle das Gefühl, dass wir an einem großen Moment teilhaben durften und uns für uns selbst schämen.

Auf der nächsten Seite: Das globale Phänomen Susan Boyle.



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