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Web 2.0 und so...

Netlabel-Portrait: 12rec

26.07.2008, 15:58, Text: Moritz Sauer

Das Internet ist ein wunderbarer Spielplatz auf dem man sich austoben kann. Während unsere Väter früher alleine oder mit einer handvoll Freunden in ihrer Werkstatt, im Arbeitszimmer oder im Hof ihrem Hobby gefröhnt haben, so werkeln viele von uns heute in aller Öffentlichkeit - im Netz. Auch Sven Swift und Sim Sullen entdeckten das Internet für sich als hervorragenden Ort für ihre Liebe zur Musik und dem Wagnis von Experimenten jenseits des Mainstreams. Ein Portrait und Glückwunsch zur 50. Musikveröffentlichung!

Sven Swift und Sim Sullen (Foto) sind zwei richtige Kumpels. Sie kommen aus dem Ruhrpott und kennen sich seit ihrer Schulzeit. Während Simon als Fotograf oder Nachtportier arbeitet, experimentiert Sven im Labor als Biologe. In ihrer Freizeit stiefeln die Beiden nicht in den Keller zu Ihrer Merklin-Eisenbahn, sondern "glotzen in die Butze", wie eine Freundin von mir unlängst den Computermonitor ihres Freundes taufte.


Seit 2004 koordinieren die beiden von ihrer Butze aus mittlerweile ihr Indie-Label namens 12rec.net. Unter dem Slogan "Postrock, Glitchpop, Future Rap" veröffentlichen Simon und Sven den Sound, den sie selbst so lieben und überraschen Liebhaber der freien Kultur ein ums andere Mal.

Für Freunde von eindeutigen Kategorien und einem eigenen Labelsound wirkt das Konglomerat aus internationalen Künstlern erst einmal arg verstörend. Denn von deutschem HipHop von Sichtbeton über Electronica von muhr bis hin zu ambient-experimentellen Klängen von Herzog gibt es verschiedenste Musikstile auf die Ohren. Dafür jedoch veröffentlicht das Netlabel ihre Sounds unter einer Creative Commons-Lizenz, die einlädt, die Musik frei herunterzuladen und an Freunde weiterzureichen.

Virtuelle Musik auch zum Anfassen

Das charmante Ruhrpott-Duo wäre aber kein Liebhaber-Duo, wenn Sie nicht auch Musik zum Anfassen veröffentlichen wollen. Als Ästheten und Kunstliebhaber veröffentlicht 12rec obendrein zu jeder Musikveröffentlichung eine limitierte Auflage von selbstgebrannten CDs. Anstelle diese jedoch schmucklos in ein Jewel-Case zu stecken, präpariert Sven lieber sein Werkzeugset und gestaltet, schneidet und klebt wunderschöne Cover im Eigenheim zusammen (siehe Video).



Mit viel Herz, Seele und einer ordentlichen Portion DIY-Philosophie ausgestattet basteln die Beiden nunmehr seit mehr als fünf Jahren an ihrem Label-Kosmos. Ganz unter dem Radar mauserte sich 12rec in den letzten Jahren innerhalb der weltweiten Netlabel-Szene zu einer stetigen Konstante, die vielen ein Vorbild und ein Platz für kontinuierliche Besuche geworden ist. Während hölzerne Musikmagazine - ausgenommen Intro - 12rec immer noch mit Ignoranz strafen, umarmen Musikblogs und Radioprogramme wie Byte.fm das charmante Duo gerne.


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