
Hammacher Schlemmer
Mutter aller Gadgets
24.01.2008, 15:22, Text:
Felix Scharlau
Den Besuch eines Ladengeschäfts mit dem uncool klingenden Namen Hammacher Schlemmer empfiehlt fast jeder New-York-Reiseführer. Nicht zu Unrecht: Hier war und ist Technikgeschichte in ihrer bizarren Ausprägung erleb- und zugleich konsumierbar. Felix Scharlau hat sich mit leuchtenden Augen umgesehen.
Hammacher Schlemmer ist so ein wenig der Technik-Trash-Louvre von New York. Mit dem Unterschied, dass man hier, in schicker Shoplage (57. Straße nahe Central Park), die Kunstwerke mitnehmen kann. Noch an der Tür grüßt schon das erste Highlight: der finstere Zoltar, wunderschönes und leider 9000 Dollar teures Remake eines elektromechanischen Wahrsager-Automaten. Zoltar spricht nach Einwurf eines Quarterstücks 16 unterschiedliche Weissagen und druckt diese bei Verlangen auch auf Karten aus. Faszinierend, absurd und wie zu vieles hier leider nicht zu bezahlen.
Hammacher Schlemmer ist eigentlich ein klassisches Versandhaus. Und so betreibt man im Gegensatz zur großen US-Gadget-Konkurrenz The Sharper Image auch nur dieses eine repräsentative Ladengeschäft im Land. Der Hauptumsatz wird via Katalog und Internet gemacht. Das hat historische Gründe, wie die für Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Carly Krug zu erzählen weiß: \"Unsere Firma gibt es schon seit 1848. Ursprünglich war das nur ein Hardware-Store, der dann Versand wurde. Damals gab es dort jedes erdenkliche Werkzeug, alle denkbaren Nägel oder Kabel zu kaufen. Bereits damals hatten wir den Ruf, ein guter Ort zu sein, um Dinge zu kaufen, die anderswo nur schwer zu kriegen sind. Und diese Reputation prägt bis heute unsere Warenauswahl.\"
Viele Produkte bei Hammacher Schlemmer ähneln sich dadurch, dass sie nur in einer kleinen, grellen Eigenschaft von bereits Bestehendem abweichen. Auch durch jene Vertrautheit wirken sie bisweilen unwiderstehlich. Wie der automatische Wasserspender für Katzen. Oder der sprachgesteuerte Einkaufszettel-Generator, der 2.500 gerufene Produktnamen erkennt, listet und anschließend ausdruckt. Oder das durchsichtige Kanu, durch das man beim Paddeln den Meeresboden betrachten kann. Aber es gab und gibt auch echte, große Innovationen, die von hier um die Welt gingen und fest ins Leben von uns allen verankert sind.
\"Wir waren in den letzten 150 Jahren immer sehr stolz, die Ersten zu sein, die eine brandneue Produktgattung anboten\", betont Carly Krug. \"So geschehen beim ersten Toaster mit Brotauswurf, dem ersten Dampfbügeleisen oder dem ersten digitalen Anrufbeantworter. In den letzten Jahren sorgten Produkte wie der sprachgesteuerte R2D2, ein friedlicher Wecker, der den Schlafenden langsam mit aromatherapeutischen Mitteln und Ambient-Musik weckt, oder das USB-Gerät, das Dias und Filmnegative in digitale Positiv-JPEGs verwandelt, für große Nachfrage.\"
Ein solch greller Produktzirkus zieht natürlich immer auch eins an wie die Fliegen: Stars. \"Von arabischen Prinzessinnen bis zu Leuten wie Jim Carrey - Hammacher Schlemmer has seen it all\", schließt Krug im besten PR-Sprech. Bleibt die Gewissheit: Einer von ihnen wird sich den zwei Meter hohen Zoltar-Automaten schon mit nach Hause genommen haben.
Alle erwähnten und noch viel mehr Produkte werden auch nach Deutschland geliefert - allerdings teilweise mit horrenden Versandkosten. Es empfiehlt sich deshalb, parallel auch in europäischen Webshops nach etwaigen Fundstücken zu stöbern. Viele Gadgets werden von der Konkurrenz nämlich billiger angeboten.
.: www.hammacher.com :.
.: www.sharperimage.com :.
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