eJamming Audiio

Digital Proben

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16.07.2007, 06:00, Text: Bodo Scheup

Anwendungsbereich: Gemeinsam online Proben
Was ist: Distanzbeziehung - nicht gerade ein glamouröses Wort. Für Liebespaare nicht und für Bands noch viel weniger. Man kennt das: Die eben erst in die Band aufgenommene Gitarristin ist schon wieder umgezogen, der Schlagzeuger auf Auslandssemester, der neue Proberaum liegt zuverlässig am anderen Ende der Stadt. Distanzbeziehungen nerven. Doch am negativen Beigeschmack des Wortes könnte sich bald etwas ändern. Wenn man den ganzen Tag lang über Breitband rund um den Erdball schnattern kann oder sich eben mal auf ein virtuelles Bierchen in Second Life verabredet, warum sollte man dann nicht auch gemeinsam online Musik machen? Na, warum wohl? Der Knackpunkt heißt Latenz und dürfte von der Internettelefonie her bestens bekannt sein. Es dauert einfach, bis Sound ankommt, und dieses Faktum machte gemeinsames Online-Musizieren im Takt bisher äußerst schwierig. eJamming, eine Verbindung aus Web-Plattform und Software, versucht nun, das Problem durch einen Kniff in den Griff zu bekommen.


Handling: Voraussetzung für das Online-Proben mit eJamming ist zuallererst natürlich eine schnelle Internetverbindung, v. a. auch, was den Upload betrifft (empfohlen wird eine Upload-Rate von 1 MB/s). Einerseits bemüht sich eJamming, die Latenz durch Peer-to-Peer-Verbindungen und das Kleinrechnen der Audiodaten möglichst gering zu halten. Und zweitens besteht der Kniff darin, den Output des eigenen Instruments der Latenz anzupassen, ihn also zu verzögern. Der Verzögerungseffekt verschwindet so natürlich nicht, aber er wird zumindest konstant gehalten und dadurch kalkulierbar. Trotzdem ist einige Übung nötig, um mit dieser Verschiebung zurechtzukommen. eJamming verlegt die Latenz sozusagen zwischen das Ohr und die Hand am Instrument.
Was bleibt: Augenkontakt bleibt beim Musizieren mit eJamming vorerst ein Problem, aber das schärft schließlich das Gehör und den Sinn für den gemeinsamen Groove.
Glanzlicht: Die neuen Bandmitglieder lassen sich auch gleich online rekrutieren. Die über 5000 bislang angemeldeten MusikerInnen nutzen die Plattform natürlich eifrig als Kontaktbörse und können sich in null Komma nichts bei der ersten virtuellen Probe musikalisch beschnuppern. Also viel Spaß bei etwas aufregenderen Distanzbeziehungen z. B. mit dem Turntablisten DJ Suraj aus Nepal.







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aus Intro #152 (August 2007)
 
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