Little Phatty Stage Edition

Analog-Synthesizer

[Moog / ca. EUR 1400]

01.03.2007, 11:31, Text: Jakob Schramma

Was ist: Moog-Synthesizer könnten mittlerweile auf viele vor allem jüngere Musikschaffende wirken wie ein lediglich nostalgisch besetzter Schatten der Vergangenheit. Denn spätestens der Tod von Robert Moog vor eineinhalb Jahren sorgte für eine umfassende Historisierung der Marke und ihrer Produkte. Die lange, ruhmreiche Tradition und Feldforschung in Sachen elektronischer Musik seit den 50ern trug aber auch davor schon ihr Übriges zu diesem Phänomen bei. Jetzt einen monophonen Analog-Synthesizer namens Little Phatty (Stage Edition – die billigere Variante der bereits letztes Jahr erschienenen Tribute Edition) zu veröffentlichen wirkt da erst recht wie das Aufblitzen eines Atavismus der Synthesizergeschichte. Immerhin heißt monophon – wie nicht nur Musikwissenschaftler wissen – eintönig. Aber das vorweg: Die ewigen Grabenkämpfe zwischen Analog und Digital gewinnt Moog mit diesem 10-Kilo-Schmuckstück spielend.
Handling
: Beim eintönigen Spielen hat man natürlich genug Finger frei, um die eingebauten ADSR-Hüllkurven-Generatoren auf Hochtouren zu schrauben. Überhaupt, eingebaut: Basis des Little Phatty bilden zwei stimmstabile Oszillatoren, die die Moog-Fans schon aus dem Minimoog Voyager kennen könnten. Mit dabei ist auch der patentierte Moog Ladder Tiefpassfilter mit Übersteuerungsanzeige. Das gespielte Signal durchläuft jenen und danach die VCA-Ausgangsstufe.



Was bleibt
: Ein reisefähiger Analog-Synthie für Bühne und Studio. Immerhin hat der kleine Dicke nur die Ausmaße 679 mm x 375 mm x 171 mm und passt so in ein koffergroßes Flightcase, das es extra (allerdings für teure 215 Euro) beim Händler des Vertrauens gibt. Was auch noch bleibt, sind außerdem eine ganze Menge selbst erzeugter Sounds. Denn 100 editierbare Speicherplätze hat Little Phatty im Gepäck. Das reicht für mehrere Kraftwerk-Alben. Technisch unterscheidet sich die Stage von der 50 Euro teureren Tribute Edition übrigens nicht – lediglich die Seitenabdeckung ist jetzt aus Plastik statt aus Holz. Der Vollständigkeit halber: Folgende Anschlüsse befinden sich an der Rückseite des Geräts: AC In (100-250VAC, 50-60 Hz), Audio Out, Ext. Audio In (+4dBu), Pitch CV In (1 V/Oct), Filter CV In, Volume CV In, Keyboard Gate In, MIDI In, MIDI Out. Ausreichend Tore zur restlichen Welt des Musikhard- und Softwareuniversums, also.
Glanzlicht: Stimmt, das fehlt noch. Und das braucht es auch, denn 1400 Euro sind natürlich kein Pappenstiel. Die Antwort ist kurz und knapp: der Sound. Bei all den zu Recht gefeierten Synthie-Emulatoren – dieser Sound bei dieser intuitiven Spielbarkeit hat seinen Wert. Und dadurch leider auch Preis.



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aus Intro #147 (März 2007)
 
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