Im Studio mit den drei ???

Willkommen in Heikedines Märchenschloss

27.02.2007, 13:01, Text: Felix Scharlau, linus volkmann

[Ein Auto hält, Handbremse wird angezogen] Chauffeur: Hier ist es. Fahrgast #1: Hier? Dieses Anwesen? Chauffeur: Ja. Und in Hamburg gibt es übrigens noch weitere Kunden, die auf ein Taxi warten. Erzähler: Die beiden Freunde stiegen aus, öffneten das eiserne Tor und passierten das Messingschild mit der Aufschrift “Körting”. Auf einem Kiesweg näherten sie sich der Jugendstilvilla in bester Wohnlage. Als sie den Vorplatz des Hauses erreicht hatten, schwang die große Eingangstür wie von Zauberhand auf. Da drin warteten sie also: die drei Fragezeichen.

Schnitt. Erster Fehler. “Fragezeichen”? Die Zeiten sind bekanntlich vorbei. Auch wenn alle Beteiligten das Projekt immer noch nur kryptisch “Die Fragezeichen” nennen, heißt die möglicherweise erfolgreichste Hörspielserie Deutschlands bekanntlich nur noch “Die Dr3i”. Die Sprecher – Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich, alle über 40 – leihen ihnen und dem Label Europa aber auch weiterhin ihre Stimmen. Seit fast 30 Jahren. Europa – das ist ein Name, der eigentlich nur in den im Logo angelegten Großbuchstaben so richtig wirkt. Von Abermillionen (klassischerweise westdeutschen) Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gekauft, von Kritikern mitunter als White-Trash-Stangenware belächelt, ist der Output der Hamburger Firma, die seit den 1960er-Jahren Hörspiel-Erfolgsserien wie “Die drei ???”, “TKKG”, “Hui Buh” oder “Hanni und Nanni” produziert und zu Dumping-Preisen veröffentlicht, vor allem eins: immens riesig und immens erfolgreich. Das belegen Dutzende Goldene und Platin-Schallplatten, die zum Teil flächendeckend die Wände der Hamburger Villa säumen, in der sich das Europa-Studio befindet.
Hier Zutritt zu bekommen, noch dazu, wenn ein neues Hörspiel der drei Detektive aufgenommen wird, ist schier unmöglich. Fast zwei Jahre Bitten und Betteln mussten für diese Wallfahrt her – dann kam für Ende Januar endlich das ersehnte Go: endlich einer “Die Dr3i”-Produktion beiwohnen. Und alle waren da: auch Heikedine Körting, die mit circa 2000 Werken wohl produktivste Regisseurin der deutschen Hörspielgeschichte.
“Und hier, auf dem Haken, das ist die original Kette von ‘Hui Buh’. Mit der haben wir damals immer das Rasseln aufgenommen”, beginnt die 61-Jährige mit einem Paukenschlag die Führung durch ihr immer noch fast vollanaloges Studioreich im oberen Stockwerk. Noch unglaublicher wird es ein Zimmer weiter: Dort sitzen zwei Männer und unterhalten sich. Das Seltsame daran: Ihre Stimmen klingen wie die der circa 15-jährigen Fragezeichen. Es sind Jens Wawrczeck und Oliver Rohrbeck, wartend auf ihren nächsten Einsatz vorm Mikrofon – diesmal unserem.



Die drei Detektive nehmen in eurem Arbeitsleben ja eine äußerst marginale Rolle ein, immerhin braucht ihr wie heute zum Einsprechen einer Folge noch nicht mal einen ganzen Tag. Dafür seid ihr gerade für diese Rollen so berühmt.
R: Der zeitliche Aufwand ist gering, ja, der ideelle Wert der Serie ist aber natürlich gigantisch geworden. Keine Rolle hat einen so lange begleitet wie diese. Alle kennen mich über die Rolle von Justus. Ja, über Ben Stiller auch, aber da sind mir die Fragezeichen dann ein bisschen wichtiger. Hier erschafft man eine Figur mit der Stimme. Ich muss zwar auch beim Synchron die Stimmen, also die Worte, beseelen, damit die Gefühle rüberkommen wie auf der Leinwand. Beim Hörspiel erschaffst du erst dieses Bild, das die anderen dann im Kopf haben sollen.
W: Ich bin einerseits dankbar, mit dem Produkt in Verbindung zu sein, weil die Reaktion darauf so positiv ist. Ich konnte mich ja dem Andrang auch nicht so richtig verschließen. Als wir die Tour machten [“Masters Of Chess”], wurde uns ja erst bewusst, was für einen unglaublichen Kultstatus die drei Fragezeichen haben. Tatsächlich sind sie aber in meinem Arbeitsleben nur ein ganz kleiner Teil, weil sie mich auch künstlerisch nicht so fordern wie andere Texte.
Werdet ihr denn häufig von Super-Nerds belagert und gelöchert?
R: Andauernd. Wegen Versprechern und so weiter. Ich kann da aber nie helfen. Folge #8 habe ich doch irgendwann Anfang der 80er gehört und dann nie wieder. Das ist immer so nett, aber ich kenne mich doch bei den Folgen am allerwenigsten aus. Die Fans sind dann immer ganz desillusioniert und traurig. Aber das ist halt so. Das müssen sie schlucken.
Müsst ihr euch denn überhaupt noch aktiv jedes Mal auf eure Figur einstellen?
W: Nein, Peter ist bei mir mittlerweile einfach drin. Das ist so ähnlich wie Fahrradfahren, das verlernt man nie wieder.
Wir haben mal mit Veronika Neugebauer, der Sprecherin von Gaby Glockner, gesprochen, und die sagte, sie würde im Flugzeug immer erst ...
W: Aber wer ist Gaby Glockner?
Von “TKKG”.
W: Ach so, ja, guck mal, ich habe die Europa-Hörspiele selbst nie gehört. Und Jupiter, Peter und Bob reagieren im Grunde immer gleich – nur in anderen Variationen. Das heißt, natürlich bereitet man sich vor, aber es kommt nicht die Situation, dass ich denke: “So was hab ich jetzt noch nie gespielt.” Das ist halt mein Beruf. Ich finde meine Rolle super, habe auch wirklich gar kein zynisches Verhältnis dazu. Aber ich habe gerade zum Beispiel Jesus gesprochen beim NDR, und wenn du danach fragst, was erfüllt mich mehr, dann gibt es eben schon auch andere Sachen. Aber wir haben hier ein Privileg, auch weil wir Sprecher zusammen mit Frau Körting eine Vertrautheit haben, die man sonst immer erst sehr mühsam aufbauen muss.


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aus Intro #147 (März 2007)
 
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