Doppelkern-Wahnsinn und Battle-Coding

Die Intel Demo Trailer Competition

21.11.2006, 16:00, Text: Bodo Scheup
[2 Kommentare]

4 KB. Wie bitte, was soll das denn sein, Computersteinzeit? In Zeiten, wo überall nur mehr mit Gigas und Teras jongliert wird, wollen irgendwelche Programmier-Nerds jetzt wieder mit ollen Kilobyte ankommen? Genau so ist es: 4 KB sind eine reale Beschränkung für ein Demo, ein Stück Computerkunst. Denn der Reiz eines Demos liegt gerade darin, aus einer solchen Beschränkung mit geradezu grenzwertigen Code-Tricksereien ein Maximum an Sound und Animation herauszuholen. Die Ursprünge der Demo-Szene liegen, wie so oft bei Jugend- und speziell digitaler Kultur, im halb- bis illegalen Bereich. Beim Knacken und Kopieren von Computerspielen – der C64 lässt grüßen – hinterließen die Cracker erst Tags und Botschaften und schließlich immer aufwendiger gestaltete Grafiken und komplette Animationen inklusive Sound.

Hier ging es nicht um banale Highscores und schon bald nicht mal mehr um das Cracken als Herausforderung. Der eigene digitale Stempel wurde zum kreativen Spielfeld, Demos wurden zu einer eigenen Disziplin. Dierk “Chaos” Ohlerich, Programmierer bei der Demo-Gruppe Farbrausch, erzählt: “Als Kind habe ich einen C64 bekommen, und auf der Kiste war es ganz natürlich, auch selbst zu programmieren. Wenn man das Teil einschaltet, blinkt da ein Cursor, der auf Befehle wartet: 10 print ‘farbrausch’ 20 goto 10 Das konnte jeder verstehen. Und einige wollten tiefer eindringen – ich auch. Wir haben die Kiste bis aufs letzte Bit auseinandergenommen. Was für ein Werkzeug! Mit einem Computer kann man fast alles machen, und, was noch viel besser ist: Man kann die eigenen Programme weitergeben.” Vom 8-Bit-System des Commodore bis zum Doppelkernprozessor hat sich viel getan. Die Kontakte der Demo-Szene zu den Crackern wurden überwiegend gekappt – viele Demo-Leute arbeiten inzwischen selbst in der Spieleindustrie –, der kreative Ausdruck steht mittlerweile im Vordergrund. Und wenn die Technik dafür heute einfach viel mehr hergibt, dann muss dieses Potenzial eben auch genutzt werden. Guten alten Zeiten wird bestimmt nicht hinterhergeweint. Chaos: “Ich bin nicht so sentimental wie andere Demo-Scener und bevorzuge aktuelle Computer: mehr Möglichkeiten und größeres Publikum. Aber es ist schon faszinierend, ein C64-Demo von 1986 mit einem von 2006 zu vergleichen: exakt dieselbe Hardware.” Von Anfang an aber gilt: Demos sind digitale Kunst, gepaart mit dem Kampfgeist der Street-Culture. Es geht um Kompetition, Battle, freshe Styles und eine Coolness, die sich nicht unbedingt in Klamotten und bouncendem Gang, sondern eben in Computerbeherrschung und der Ausreizung der Hardware bis an ihre Grenzen manifestiert. Der Live-Aspekt ist dabei ungemein wichtig, Demos werden nicht nur im Internet herumgeschoben, sondern bei Events wie Breakpoint und Evoke, die ohne Frage die beiden wichtigsten Demopartys hierzulande darstellen, direkt vor Publikum auf großen Leinwänden performt und bewertet – alles in real Time, versteht sich. Da wird gerechnet, bis es raucht. Soft- und Hardware-Schmieden gewähren da schon mal Unterstützung oder Einblicke ins normalerweise eher geheime Innenleben ihrer Produkte, um von diesen grenzgängerischen Performances wiederum selbst zu profitieren. So ist der Chiphersteller Intel seit 2001 maßgeblicher Unterstützer der Evoke und veranstaltet aktuell gemeinsam mit dem Digitale Kultur e. V. und einem Pionier der elektronischen Musik wie DJ Hell die “Intel Demo Trailer Competition”. Bei diesem Demo-Wettbewerb mit Online-Voting (bis zum 1. Dezember darf noch für das beste Demo geklickt werden, schnelle LeserInnen schaffen’s vielleicht noch unter www.intel.de/demoscene) treten die renommiertesten europäischen Crews gegeneinander an: ASD aus Griechenland, MFX aus Finnland, Fairlight, die wohl älteste Gruppe überhaupt aus England, Schweden und Finnland, die ungarische Conspiracy und natürlich Dierk “Chaos” Ohlerich mit seiner Farbrausch-Crew. Für alle Teams gelten selbstverständlich dieselben technischen Rahmenbedingungen: Die 8-Bit-Kisten dürfen diesmal im Schrank bleiben, jeder Gruppe wurde ein Notebook der Firma Asus mit Intels neuem Doppelkernprozessor Centrino Duo zur Verfügung gestellt, damit auch mal gezeigt werden kann, was richtiger Code-Leistungssport aus einer mobilen CPU inzwischen alles an Leistung rausholt. Einzige inhaltliche Vorbedingung der “Intel Demo Trailer Competition” waren eigens produzierte Tracks von DJ Hell als Ausgangsbasis. Im Normalfall nimmt eine Demo-Gruppe ja von der Grafik über Programmierung bis zum Sound alles selbst in die Hand. Für Chaos kein Problem, denn: “Für Demo-Scener ist es ganz normal, sich zu beschränken und zu sehen, welche Ideen aus der Einschränkung wachsen.” Und überhaupt wird nach der Ermittlung des Siegerteams umso heftiger gefeiert: Am 7. Dezember steigt im Münchener Ampere Club die Abschlussparty mit DJ Hell und seinem Label Gigolo, Deichkind als special Guests und natürlich mit den Demos der “Intel Demo Trailer Competition”. Also Bahn frei für entfesseltes Party-Coding!


www.intel.de/demoscene
www.evoke2006.net
www.digitalekultur.org



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aus Intro #145 (1)
 
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  • Aron 03.12.2006 | 15:09:44

    Extrem geil.

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