
Matthew Dear
Mein Leben mit Live 6
[Live 6, Musikproduktionssoftware für Mac und PC]
18.09.2006, 06:00, Text:
arno raffeiner
Ableton Live, eine der wohl einflussreichsten Musiksoftwares der letzten Jahre, erscheint dieser Tage in Version 6 (die Review zu den wichtigsten neuen Features war ja bereits in der letzten Intro-Ausgabe). Grund genug, auch die Praxis zum Zuge kommen zu lassen. Noch dazu, wenn das aus Sicht eines höchst aktiven und weltweit gefragten Protagonisten der Technoszene geschehen kann: Matthew Dear aus Ann Arbor bei Detroit. Der erregte vor etwa drei Jahren mit Releases auf Spectral, speziell mit dem Album “Leave Luck To Heaven”, große Aufmerksamkeit und veröffentlicht seither unter verschiedenen Pseudonymen auf so maßgeblichen Techno-Baustellen wie M_nus, Plus 8 und Perlon. Dabei findet Dears Popsensibilität im Rahmen von Microhouse und Minimal Grooves immer wieder mit einer sehr persönlichen Soundsignatur zusammen. Sowohl im Studio als auch bei Dears DJ-Gigs oder Live-Auftritten spielt Ableton Live eine gewichtige Rolle. Dear ist aber nicht nur ausgewiesener Nutzer des Programms, sondern auch “featured artist” bei Ableton, also eine Mischung aus Fan, begeistertem Profianwender und lebendem Promoinstrument (auch das sollte man wissen). Mit entsprechendem Eifer stürzte er sich auf die Betaversion der neuen Live 6-Software. Intro hat in den USA nachgehakt.
Kannst du beschreiben, in was für Situationen du Live 6 bisher ausprobiert hast?
Bis jetzt hab ich die Beta-Version erst ein Mal in einem Live-Setting ausprobiert, aber schon viele Male im Studio. Ich war sehr gespannt darauf, mich im Studio richtig in das Update reinzustürzen, da dort auch mal was schief gehen darf. Du kannst an Parametern herumschrauben, bis alles komplett verrückt spielt – was auf der Bühne natürlich nicht immer die beste Idee ist. Ich habe speziell das neue Sampling-Instrument ausprobiert. Wie bei jedem neuen Programm spiele ich einfach damit herum, statt lange in Handbüchern zu lesen, und schaue, was für wilde Dinge ich damit anstellen kann.
Du nutzt Live also gleichermaßen für deine Auftritte und im Studio?
Ich hatte noch nicht so viele Gelegenheiten, die neue Version live auszutesten, aber ich werde sie natürlich ab sofort auch on the Road benutzen. Das Tolle an Live ist ja, dass es in Verbindung mit einem Laptop so mobil ist. Ich habe schon oft nur wenige Stunden vor einem Gig im Hotel noch an neuen Tracks gearbeitet. Mir hilft das, meine Stimmungen am Tag eines Auftritts einzufangen und sie direkt auf das zu übertragen, was das Publikum dann hören wird. An dieser Tradition werde ich auch mit Live 6 festhalten, da man damit einfach noch mehr rumexperimentieren kann.
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